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Donnerstag, 10. August 2017

Zweiter Vorfall in zwei Tagen: Schlepper stoßen Flüchtlings ins Meer

Das Leben der Flüchtlinge, die im Boot sitzen, zählt für die Schlepper nicht. Als anscheinend eine Grenzpatrouille auftaucht, schubsen sie die Menschen ins Wasser. Dutzende von ihnen sterben. Dieses grausame Vorgehen ist kein Einzelfall.

Schlepper haben nach Angaben internationaler Beobachter vor der Küste Jemens dutzende Flüchtlinge ins Meer gestoßen. Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) unter Berufung auf Augenzeugen mitteilte, spielten sich die grausamen Szenen an diesem Mittwoch und Donnerstag ab, weil die Schlepper ihre Verhaftung fürchteten. Nach IOM-Angaben wurden bei den Vorfällen mindestens 34 Flüchtlinge in den Tod getrieben, mehr als 70 weitere Menschen werden vermisst.

"Die Überlebenden haben uns berichtet, dass sie von den Schleppern ins Meer gestoßen wurden, weil diese glaubten, Grenzpatrouillen gesehen zu haben", sagte der Jemen-Chef der IOM, Laurent de Boeck. "Sie haben uns gesagt, dass die Schlepper nach Somalia zurückgefahren sind, um weitere Migranten abzuholen und sie auf derselben Route in den Jemen zu bringen."

Schon am Mittwoch hatten Schlepper auf die gleiche Weise Flüchtlinge vor der jemenitischen Küste ertränkt. Laut IOM trafen die Menschenschmuggler an diesem Donnerstag mit mehr als 180 Migranten an Bord vor der Küste ein, am Mittwoch waren es mindestens 120. Die Flüchtlinge stammten demnach größtenteils aus Somalia und Äthiopien.

Tote am Strand begraben

Bisher steht nicht fest, ob die Schlepper vom Vortag auch für die Tat von diesem Donnerstag verantwortlich sind. Die IOM nannte den Vorgang "schockierend und unmenschlich". Die überlebenden Flüchtlinge hätten die Leichen am Mittwoch notdürftig an einem Strand in der südlichen Provinz Schabwa verscharrt. Gemeinsam mit Helfern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) würden die Überlebenden versorgt.

Im Süden Jemens leben zahlreiche Migranten aus Somalia. Viele Flüchtlinge versuchen, vom Horn von Afrika über den Jemen in die reichen Golfstaaten zu gelangen. Der Jemen wird seit Jahren von schweren Gefechten erschüttert. Seit Anfang 2015 kämpfen dort schiitische Huthi-Rebellen gegen Truppen des Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Etwa 8000 Menschen wurden bei den Kämpfen getötet und 45.000 weitere verletzt.

Quelle: n-tv.de

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