Politik
Video

Falls ihm was passiert: Snowden hat Dateien weltweit gebunkert

Von Hubertus Volmer

Noch sind nicht alle Geheimnisse bekannt, die der frühere NSA-Mann Edward Snowden hat mitgehen lassen. Um sicherzugehen, dass weder seine Festnahme noch sein Tod die Veröffentlichungen verhindern, streut er die Dateien weltweit. Einem Journalisten, der mit Snowden zusammenarbeitet, wird unterdessen ein Laptop gestohlen.

Glenn Greenwald arbeitet für den "Guardian". Er wurde von Snowden im Februar kontaktiert.
Glenn Greenwald arbeitet für den "Guardian". Er wurde von Snowden im Februar kontaktiert.(Foto: AP)

Der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hat nicht nur seine Enthüllungen von langer Hand geplant. Auch für seine Sicherheit scheint er vorgesorgt zu haben. Der 30-jährige Whistleblower hat offenbar verschlüsselte Dateien mit geheimen NSA-Unterlagen an mehrere Personen auf der ganzen Welt verteilt. Wenn ihm irgendetwas passieren sollte, würden diese Dateien freigeschaltet, sagte der US-Journalist Glenn Greenwald, der Snowdens erste Informationen Anfang Juni im britischen "Guardian" öffentlich gemacht hatte.

Greenwald sagte der US-Nachrichtenseite "The Daily Beast", Snowden habe "extreme Vorkehrungen getroffen, um sicherzustellen, dass viele verschiedene Menschen rund um die Welt diese Archiv-Dateien haben, damit die Geschichten auf jeden Fall veröffentlicht werden". Die Personen, die jetzt im Besitz der Dateien seien, hätten allerdings keinen Zugriff auf deren Inhalte, "weil diese hochgradig verschlüsselt sind und sie nicht die Passwörter haben". Greenwald fügte hinzu, "wenn Edward Snowden irgendetwas zustoßen sollte, dann, so hat er mir gesagt, habe er dafür gesorgt, dass sie Zugang zu den gesamten Archivdateien bekommen".

Nach Angaben des "Guardian" ist Snowden mit vier Laptops unterwegs, auf denen sich das gesamte Material befindet, dass er beim NSA hat mitgehen lassen. Die bisherigen Enthüllungen über das Überwachungsprogramm PRISM der NSA, das noch weitergehende Programm Tempora des britischen Geheimdienstes GCHQ, die Überwachung befreundeter Staaten durch die Briten sowie das Eindringen in chinesische Computersysteme und Mobilfunkunternehmen durch den NSA waren, das hat Snowden deutlich gemacht, nur der Anfang.

Greenwald arbeitet "Tausende Dokumente" durch

Nach eigenen Angaben hat Greenwald Tausende Dokumente von Snowden bekommen, die er derzeit durcharbeitet. "Ich weiß nicht sicher, ob Snowden noch mehr Dokumente hat als die, die er mir gegeben hat", so Greenwald. "Ich glaube aber schon. Er hat deutlich gemacht, dass er Journalisten nicht Dinge geben würden, von denen er nicht will, dass sie veröffentlicht werden."

Sollten die US-Geheimdienste noch darauf gehofft haben, dass sie zumindest einen Teil der noch ausstehenden Veröffentlichungen verhindern können, so dürfte sich in der NSA-Zentrale in Maryland so langsam Ernüchterung breit machen. "The Daily Beast" zitiert einen früheren US-Geheimdienstmitarbeiter mit den Worten, die amerikanischen Dienste glaubten, "dass Snowden dies über Jahre geplant und Dateien überall im Internet gebunkert hat". Jetzt könne man da nicht mehr viel tun.

Bereits am 17. Juni hatte Snowden im einem Live-Chat mit dem "Guardian" gesagt, die US-Regierung werde es nicht schaffen, "dies zu verschleiern, indem sie mich einsperren oder ermorden. Die Wahrheit kommt, und sie kann nicht aufgehalten werden."

Laptop aus Greenwalds Haus gestohlen

Greenwald sagte, er selbst treffe besondere Vorkehrungen gegen Überwachung durch die US-Geheimdienste. "Als ich in Hongkong war, habe ich mit meinem Lebensgefährten in Rio über Skype gesprochen und ihm gesagt, dass ich einen verschlüsselte Kopie der Dokumente schicken würde", berichtete Greenwald, der in Brasilien lebt. "Ich habe das dann doch nicht gemacht. Zwei Tage später wurde sein Laptop aus unserem Haus gestohlen, nichts anderes war weg. Nichts dergleichen ist zuvor passiert. Ich sage nicht, dass es damit zu tun hat, aber die Möglichkeit ist offensichtlich da."

Auf die Frage, ob er glaube, dass die US-Regierung seinen Computer überwache, sagte er: Ich wäre schockiert, wenn die US-Regierung nicht versuchen würde, die Informationen auf meinem Computer zu bekommen. Ich trage meine Computer und Daten bei mir, egal wo ich bin."

Flucht spontan oder geplant?

Bislang ist völlig unklar, ob auch hinter Snowdens Odyssee von Hawaii über Hongkong nach Moskau ein ausgetüftelter Plan steckt oder ob der 30-Jährige lediglich auf äußeren Druck reagiert. Nach einem Bericht der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" war Snowden von einem Vertreter der chinesischen Regierung aufgefordert worden, die Stadt zu verlassen.

Schon über dieses erste Ziel seiner Flucht standen Fragezeichen: Hongkong habe "eine starke Tradition der freien Meinungsäußerung", sagte Snowden in dem Interview mit dem "Guardian", mit dem er sich am 9. Juni als Quelle outete. Doch Experten wiesen darauf hin, dass die Hongkonger Justiz in der Vergangenheit durchaus bereit war, den USA zu helfen.

Das legt schon die Erklärung der Behörden der Sonderwirtschaftszone nahe, mit der sie begründeten, warum sie Snowden nicht ausgeliefert haben: In den Unterlagen, mit denen die US-Regierung Hongkong bat, Snowden festzunehmen, sei einmal von "Edward James Snowden", ein anderes Mal von "Edward J. Snowden" die Rede gewesen. Nach den Papieren der Hongkonger Behörden heiße der Betreffende jedoch Edward Joseph Snowden. Da auch die Pass-Nummer, die von den Amerikanern übermittelt wurde, nicht vollständig gewesen sei, habe man sich nicht imstande gesehen, Snowden festzuhalten, so Hongkongs Justizminister Rimsky Yuen.

Seit Sonntag hält sich Snowden in Moskau auf, nach Angaben des russischen Präsidenten Wladimir Putin hat er die russische Grenze allerdings bislang nicht passiert. Worauf Snowden im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo wartet, ist Gegenstand von Spekulation: Er könnte, wie angeblich ursprünglich beabsichtigt, über Kuba nach Ecuador fliegen und dort auf politisches Asyl hoffen. Er könnte auch in Russland bleiben - Putin hat immerhin betont, dass Snowden ein "freier Mann" sei. Vielleicht hofft er auch darauf, ein Angebot aus Island zu erhalten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen