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Lageso-Helfer entschuldigt sich: So kam es zu der Lüge vom toten Flüchtling

Flüchtlingshelfer Dirk V. will wachrütteln - er will zeigen, wie chaotisch es am Berliner Lageso tatsächlich zugeht. Also denkt er sich eine Geschichte aus, die er zumindest für möglich hält. Nun muss er sich bei vielen Menschen entschuldigen.

Der Flüchtlingshelfer, der sich den Tod eines 24-jährigen Syrers in Berlin ausdachte, hat sich für die Lügengeschichte öffentlich entschuldigt. "Es tut mir unendlich leid, dass ich viele Menschen mit meiner falschen Aussage verletzt habe", schrieb Dirk V. in einer Botschaft auf Facebook. Sein Verhalten erklärte er mit einer "psychischen und auch körperlichen Belastung", die mit seiner ehrenamtlichen Arbeit vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) einhergangen sei. Die Behörde steht seit Monaten aufgrund zu langer Wartezeiten und einer chaotischen Terminvergabe in der Kritik.

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Auch V. habe sich - wie offenbar viele andere Helfer - "mehrfach zurückziehen" wollen. Immer wieder kritisieren die Ehrenamtler, mit der Arbeit am Lageso zunehmend an die Grenze zur Frustration zu gelangen. An dem Abend, an dem er die Lüge über seinen Facebook-Account verbreitet habe, sei er betrunken gewesen, gibt der Helfer zu. Er sei von einer Feier "mit syrischen Freunden" gekommen. "Da es wirklich einen jungen Mann gibt, der sich vorm Lageso eine schlimme Grippe/Mandelentzündung zugezogen hat, muss ich mich in eine Geschichte hineingesteigert haben, die ich in diesem Moment wohl selbst geglaubt habe", schrieb der Mann.

Am nächsten Morgen habe er sich an kaum etwas erinnern können. "Erst im Laufe des Tages wurde mir klar, was ich angerichtet habe", heißt es weiter. "Ich wollte wachrütteln, etwas verändern und habe dabei in einer Mischung aus Betrunkenheit und nervlichem Zusammenbruch ein völlig falsches Mittel gewählt." Stunden vor der Stellungnahme hatte das Bündnis "Moabit hilft", in dem sich auch V. engagierte, angekündigt, nicht mehr mit ihm arbeiten zu wollen. Sie hätten sich verraten gefühlt, sagte Sprecherin Diana Henniges. Das Vertrauen sei zerstört.

Berlin erwartet weitere 77.000 Asylbewerber

Derweil warf CDU-Fraktionschef Florian Graf dem Helfer in einer aktuellen Stunde im Parlament vor, mit seiner Lüge den "Gipfel der Diskreditierung des Sozialsenators und des Lageso" erreicht zu haben. Seit Monaten steht auch Mario Czaja unter Beschuss, weil sich die Zustände vor dem Landesamt seit dem Sommer kaum verbessert haben. Für seine Idee, die Flüchtlingsbetreuung in eine neu zu gründende Landesbehörde auszulagern, erntete der Senator neuerlich Gegenwind - es gebe bisher kein Konzept, wie genau das Ganze aussehen soll, kritisierte die Opposition.

Fakt ist: Berlin erwartet für 2016 laut Czaja noch einmal rund 77.000 Asylbewerber - das sind ungefähr so viele, wie auch im vergangenen Jahr in die Hauptstadt gekommen sind. Es sei ein "enormer Kraftakt", den man zu bewältigen habe, sagte der Senator und mahnte zur Einigkeit. "Die Flüchtlingskrise eignet sich nicht für parteipolitische Rangeleien - egal wie nahe wir bereits vor dem Berliner Wahlkampf stehen." Am 18. September sind die Berliner dazu aufgerufen, ein neues Abgeordnetenhaus zu wählen.

Quelle: n-tv.de

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