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Viele Weißhelme sind bei ihrem Einsatz selbst den Bomben zum Opfer gefallen.
Viele Weißhelme sind bei ihrem Einsatz selbst den Bomben zum Opfer gefallen.(Foto: AP)
Donnerstag, 22. September 2016

Alternativer Nobelpreis: Syrische Weißhelme ausgezeichnet

Ihre Arbeit ist lebensgefährlich: In Syrien versuchen die Weißhelme so viele Zivilisten wie möglich zu retten. Dafür erhalten sie nun den Alternativen Nobelpreis. Es gibt auch noch drei weitere Preisträger.

Für ihr Engagement bei der Rettung von Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg ist die Organisation Weißhelme mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Zum ersten Mal geht der Preis damit nach Syrien, wie die Right Livelihood Stiftung in Stockholm berichtete. Außerdem wurden die ägyptische Feministin Mozn Hassan, die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina und die türkische Zeitung "Cumhuriyet" geehrt.

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Die syrischen Weißhelme gelten auch als Kandidat für den Friedensnobelpreis, der am 7. Oktober in Oslo vergeben wird. Zahlreiche Hollywood-Promis haben sich für eine Auszeichnung der rund 3000 Freiwilligen eingesetzt, die ihr Leben riskieren, um ihre Mitmenschen nach Bombenangriffen aus den Trümmern zu retten. "Die Weißhelme sind tief berührt", sagte der Direktor der Organisation, Raed al Saleh, der Stiftung nach der Preisvergabe. Die Auszeichnung sei auch eine Anerkennung "für die Tapferkeit der Zivilbevölkerung in Syrien, die versucht, ein Leben in Würde zu führen".

"Das sind die besten Nachrichten und ein Hoffnungsschimmer in den dunklen Tagen, in denen wir leben", sagte Ibrahim al-Hadsch, Sprecher der zivilen Hilfsorganisation im heftig umkämpften Aleppo. Der von Rebellen gehaltene Ostteil der Stadt sei in der vergangenen Nacht wieder von mehr als 200 Luftangriffen erschüttert worden. Die freiwilligen Helfer der Weißhelme versuchen, nach Angriffen Überlebende aus den Trümmern zu bergen. Viele von ihnen sind bei den Rettungsaktionen gestorben. "Wir sind überwältigt und glücklich, dass Menschen da draußen sehen, was wir machen, unsere Botschaft verstehen und uns dafür ehren", sagte Al-Hadsch.

Die Redaktion von "Cumhuriyet" zeichnete die Right Livelihood Award Stiftung "für ihren unerschrockenen investigativen Journalismus und ihr bedingungsloses Bekenntnis zur Meinungsfreiheit trotz Unterdrückung, Zensur, Gefängnis und Morddrohungen" aus. "Zu einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit in der Türkei zunehmend bedroht ist, beweist die 'Cumhuriyet', dass die Stimme der Demokratie nicht zum Schweigen gebracht werden kann", schrieb die Stiftung. "Wir haben Putsche, Putschversuche, Belagerungszustände und Ausnahmezustände durchgemacht, aber wir haben niemals eine Einschränkung des Informationsrechts unserer Leser zugelassen", sagte der Präsident der "Cumhuriyet"-Stiftung, Orhan Enric, der Right Livelihood Stiftung.

Hassan darf Land nicht verlassen

Die ägyptische Feministin Hassan und ihre Organisation "Nazra für feministische Studien" bekommen den Preis "für ihren Einsatz für die Gleichstellung und die Rechte von Frauen unter Umständen von anhaltender Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung". Weil gegen sie ermittelt wird, darf Hassan das Land derzeit nicht verlassen. "Das wird in vielen Ländern inzwischen gegen Akteure der Zivilgesellschaft verwendet, dass man sie als westliche Spione oder Vaterlandsverräter brandmarkt, weil sie Unterstützung aus dem Ausland bekommen", sagte der Direktor der Right Livelihood Award Stiftung, Ole von Uexküll. Dafür, dass Hassan zur Preisverleihung nach Stockholm kommen kann, will sich die Stiftung mit dem Netzwerk der Preisträger einsetzen.

Swetlana Gannuschkina engagiert sich seit 1990 in Russland für Migranten und Binnenvertriebene und hat nach Angaben der Stiftung mehr als 50.000 von ihnen rechtliche Unterstützung, humanitäre Hilfe und Bildung ermöglicht. Die Russin nannte die Preisvergabe "eine große Ehre und eine Solidaritätsbekundung". "Betrüblicherweise ist heute nur eine sehr kleine Anzahl an Flüchtlingen in Russland willkommen und die Rechte von Migranten werden regelmäßig verletzt", sagte Gannuschkina der Stiftung.

Die Alternativen Nobelpreise werden seit 1980 jährlich in kritischer Distanz zu den traditionellen Nobelpreisen an Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden vergeben. Die vier Preisträger teilen sich das Preisgeld von drei Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet rund 313.000 Euro. Mit ihnen zählt die Stiftung 166 Preisträger aus 68 Ländern.

Im vergangenen Jahr wurde unter anderem der italienische Arzt Gino Strada für den mutigen Einsatz für Kriegsopfer und die Rechte von Homosexuellen in Afrika mit dem Preis ausgezeichnet. 2014 erhielt der Geheimdienst-Enthüller Edward Snowden in Abwesenheit den Alternativen Nobelpreis.

Quelle: n-tv.de

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