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Mit Kopfhörern und guter Laune: Tausende Menschen protestierten in Berlin.
Mit Kopfhörern und guter Laune: Tausende Menschen protestierten in Berlin.(Foto: imago/CommonLens)

Größte globale Klima-Demo : Tanzen, um die Welt zu retten

Von Delhi über Rio bis nach New York und auch Berlin: Überall auf der Welt demonstrieren Menschen für mehr Klimagerechtigkeit. In der deutschen Hauptstadt tanzen sie lautlos durch die Straßen.

Zwei Tage vor dem UN-Klimagipfel in New York haben rund 10.000 Menschen in Berlin für einen effektiveren Klimaschutz demonstriert. In drei Protestzügen zum Brandenburger Tor forderten sie verschärfte Klimaziele und einen Umstieg auf erneuerbare Energien. Das Motto: "Mal schnell die Welt retten". Weltweit nahmen Hunderttausende an Märschen und Kundgebungen teil, wie der Veranstalter Avaaz mitteilte. Ziel sei es, Druck auf die Politik aufzubauen und sie zum Abschluss eines effektiven Klimaschutz-Abkommens zu bewegen.

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In Berlin tanzten bei der "Silent Climate Parade" Menschen lautlos - mit Kopfhörern - für mehr Klimaschutz, auch Radfahrer und Kinder mit ihren Familien waren unter den Demonstranten. "Es war ein fantastischer Tag", sagte Kampagnenleiter Christoph Schott. "Die Menschen haben gezeigt, dass ihnen das Klima am Herzen liegt."

In Melbourne gingen rund  30.000 Australier auf die Straße. Sie kritisierten vor allem ihren Regierungschef Tony Abbott, der als erster eine eingeführte Kohlendioxid-Abgabe für große Energieverbraucher wieder abgeschafft hat. "Tony, Du stehst bald an der Klimaklippe", stand auf einem Plakat in Melbourne. "Wir müssen nicht mehr darüber reden, was getan werden muss, sondern wir müssen endlich handeln", sagte Grünen-Chefin Christine Milne in Melbourne.

In Neu Delhi und in Istanbul fanden erste Märsche schon am Samstag statt. Weltweit wurden in über 150 Ländern mehr als 2600 Veranstaltungen angekündigt, unter anderem in London, Johannesburg und Rio de Janeiro. Die Veranstalter sprachen vom "größten Klimamarsch der Geschichte".

Mehr als 100.000 Klimatote

Nach Schätzungen der Hilfsorganisation Oxfam richteten Unwetterkatastrophen seit dem gescheiterten Klimagipfel von 2009 Schäden von fast einer halben Billion Dollar an. Mehr als 650 Millionen Menschen seien seither von klimatischen Extremereignissen betroffen gewesen, 112.000 seien durch diese gestorben. Auch im australischen Cairns, wo die Finanzminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) tagten, kamen Demonstranten zusammen. In Neuseelands größter Stadt Auckland waren Hunderte Menschen unterwegs. "Wir stehen zusammen, um zu zeigen, dass uns der Klimawandel berührt!", schrieben Aktivisten auf Facebook.

Zum UN-Klimagipfel am Dienstag werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter US-Präsident Barack Obama. Die Veranstaltung ist offiziell nicht Teil der Verhandlungen für einen Weltklimavertrag, soll dem Prozess aber neuen Schwung verleihen.

Koordiniert hatte die Märsche die Organisation Avaaz, die sich als weltweite Bürgerbewegung versteht. Ihre aktuelle Online-Petition zum Klimaschutz haben bislang mehr als 1,7 Millionen Menschen unterzeichnet. Darin wird gefordert, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) allmählich auf Null zu senken. In Deutschland unterstützten auch der WWF und Greenpeace die Demos.

Der Klimavertrag soll Ende 2015 bei der UN-Klimakonferenz in Paris verabschiedet werden und 2020 in Kraft treten. Auch die USA und China, die sich gegen verbindliche CO2-Minderungsziele sperren, sollen mitmachen, damit das Ziel erreicht wird, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber vorindustrieller Produktion zu begrenzen.

Quelle: n-tv.de

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