Politik
US-Fotografen erleben eine Begrüßung wie auf einer Pegida-Demo: Trump-Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung des Milliardärs.
US-Fotografen erleben eine Begrüßung wie auf einer Pegida-Demo: Trump-Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung des Milliardärs.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 26. Oktober 2016

"That's what you are!": Trump-Fans rufen jetzt auch "Lügenpresse"

Von Benjamin Konietzny

"Kindergarten", "Bratwurst", "Rucksack" - der US-Wortschatz kennt viele deutsche Wörter. Im US-Wahlkampf ist ein neues dazugekommen - direkt von den Montagsdemos der Pegida-Wutbürger.

Dass der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump kein großer Fan der Medien ist, war schon lange bekannt. Wiederholt hat Trump Zeitungen, Fernsehsendern und Online-Portalen vorgeworfen, zu manipulieren, von der Politik gelenkt zu sein und nicht die Wahrheit zu berichten - zu lügen. Kritik, die auch das rechte Lager in Deutschland immer wieder erhebt. Trumps Anhänger haben nun den Begriff "Lügenpresse", den in Deutschland vor allem die rechte Pegida-Bewegung kultiviert hat, für sich entdeckt.

Der Begriff, der in Deutschland vor allem vor und während der Zeit des Nationalsozialismus genutzt wurde, um die angeblich vom "Weltjudentum" gelenkte Presse zu diskreditieren, findet immer häufiger auch im US-Wahlkampf Verwendung. Der Begriff, der zunächst nur online in Foren und sozialen Netzwerken auftauchte, ist inzwischen auch auf Wahlkampfveranstaltungen Trumps zu hören. Dabei geben sich die Anhänger Trumps zum Teil noch Tipps, wie der deutsche Begriff auszusprechen ist und was er bedeutet.

Der Vorwurf lautet: Die US-Medien versuchen Donald Trump in ein schlechtes Licht zu rücken und Vorteile für seine Konkurrentin Hillary Clinton zu schaffen. Auch Trump selber behauptet, immer wieder Opfer von Kampagnen geworden zu sein. Zuletzt, als ein mehrere Jahre altes Video auftauchte, in dem er sich verächtlich über Frauen äußert. Trump sprach danach immer wieder von einem Angriff der Medien auf ihn.

"Die #Lügenpresse will, dass wir glauben, dass Clinton die Umfragen führt. Sie wird haushoch verlieren", twittert etwa ein Anhänger des Milliardärs. "Die Medien haben buchstäblich jede Frau interviewt, mit der Trump in Kontakt stand, um herauszufinden, ob auch nur eine Vorwürfe gegen ihn erhebt", schreibt ein anderer und beendet seinen Tweet mit dem Hashtag #Lugenpresse.

Seine Anhänger jedenfalls bedienen sich kurz vor der Wahl nicht bloß am Wortschatz der deutschen Wutbürgerbewegung, sie stellen die Journalisten, deren Berichterstattung ihnen nicht passt, auch selbst an den Pranger. In Foren und sozialen Netzwerken werden derzeit unter dem Hashtag #TheList Berichterstatter genannt, die nach Ansicht der potenziellen Trump-Wähler Elemente des "Lügenpresse"-Systems sind. Dabei werden Fotos der Journalisten mit einem großen roten "X" im Gesicht der Person verbreitet. In dem Forum "8chan" wird eine komplette Liste der verhassten Berichterstatter fortgeführt.

Quelle: n-tv.de

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