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Mit erhobenem Zeigefinger: Donald Trump bei einem Auftritt in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina.
Mit erhobenem Zeigefinger: Donald Trump bei einem Auftritt in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina.(Foto: REUTERS)

"Er macht daraus eine große Nummer": Trump ruft zum Apple-Boykott auf

Ein US-Milliardär zieht den Streit um ein FBI-sicheres Terror-Smartphone in den US-Wahlkampf: Mit markigen Worten fordert Donald Trump seine Anhänger auf, den Kult-Konzern aus Kalifornien zu boykottieren.

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump ruft seine Anhänger zum Boykott des US-Konzerns Apple auf. Hintergrund ist eine Weigerung des Unternehmens, die Ermittler des FBI beim Entsperren des iPhones eines Attentäters zu unterstützen.

"Boykottiert Apple, bis sie das Passwort rausrücken", sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in South Carolina. In dem Bundesstaat im Südosten der USA stehen an diesem Samstag Vorwahlen der Republikanern an. Trump hatte zuletzt in einer Umfrage seine Spitzenposition im Feld der republikanischen Bewerber an den texanischen Senator Ted Cruz verloren.

Apple beruft sich bei seiner Weigerung, den US-Ermittlungsbehörden beim Knacken eines iPhones zu helfen, auf den Datenschutz. "Tim Cook macht daraus eine große Nummer, wahrscheinlich um zu zeigen, wie liberal er ist", argumentierte Trump. Viel Wirkung scheint sein Boykottaufruf allerdings nicht zu haben. Selbst unter den Verlautbarungen aus seinem eigenen Wahlkampfteam finden sich Hinweise, dass dort Produkte des kalifornischen Kult-Konzerns nach wie vor zum Einsatz kommen.

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Einige der Tweets, die Trump über sein offizielles Twitterprofil versenden lässt, stammen Experten zufolge eindeutig von einem iPhone. Der 69-Jährige stellte aber rasch klar: "Ich nutze sowohl Apple als auch Samsung. Wenn Apple die Info über die Terroristen nicht an die Behörden gibt, werde ich nur noch Samsung nutzen, bis sie die Info rausgeben."

Apple war von einer US-Richterin angewiesen worden, dem FBI das Entsperren des iPhones zu ermöglichen. Das iPhone, um das es geht, war von Syed Rizwan Farook genutzt worden, der gemeinsam mit seiner Frau Anfang Dezember 14 Menschen im kalifornischen San Bernardino erschoss.

Das Paar, das einem Bekennerschreiben zufolge die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) unterstützt haben soll, starb in einem Gefecht mit der Polizei. Unter anderem soll der Konzern per Software-Eingriff die Funktion abschalten, die alle Daten löscht, wenn zehnmal das falsche Passwort eingegeben wurde. Apple-Chef Cook entgegnete, eine solche Software überhaupt zu entwickeln, würde die Sicherheit für alle Apple-Nutzer schwächen.

Apple: FBI selbst schuld

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Der Fall entwickelt sich zu einer Kraftprobe zwischen Hightech-Unternehmen wie Google, Facebook und Apple auf der einen und der US-Regierung auf der anderen Seite. Apple wirft den Behörden vor, sie hätten sich mit ihrem ungeschickten Vorgehen selbst in eine Sackgasse gebracht. Der Konzern habe den Ermittlern vier Wege vorgeschlagen, wie man Zugang zu Informationen im Telefon des Attentäters von San Bernardino bekommen könnte, erklärten ranghohe Apple-Mitarbeiter in einer Telefonkonferenz mit US-Journalisten. Die Überwindung des Passwort-Schutzes sei dafür nicht erforderlich, hieß es.

Dabei sei jedoch entdeckt worden, dass jemand das Passwort der dazugehörigen Apple-ID geändert habe, und zwar als das iPhone bereits in der Hand der Behörden war, berichtete unter anderem die Website "Buzzfeed". Damit seien diese Lösungsansätze verbaut worden.

Zu gut geschützt für die USA?

Auf Anweisung des Gerichts soll Apple die Verschlüsselung des iPhone-Modells vom Typ 5c komplett aushebeln. Apple wehrt sich vehement gegen diese Anordnung - unter anderem auch mit einem offenen Brief von Tim Cook an alle Apple-Kunden.

Zuletzt jedoch stützte das US-Justizministerium mit einem eigenen Antrag beim Gericht die Forderungen der Bundespolizei FBI. In dem Papier steht, das Passwort der Apple-ID sei in der Gesundheitsbehörde von San Bernardino geändert worden. Die Behörde, bei der Farook angestellt war, hatte dem späteren Attentäter ein iPhone zur Verfügung gestellt, dass dieser offenbar auch privat nutzte. Von der Auswertung der darauf enthaltenen Daten erhoffen sich die Ermittler Hinweise darauf, ob Farook tatsächlich in Kontakt mit Führungskräften der IS-Milizen im Nordirak und Syrien stand.

Quelle: n-tv.de

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