Politik
Deutschland-Schelte war ein bei Trump beliebtes Mittel im Wahlkampf.
Deutschland-Schelte war ein bei Trump beliebtes Mittel im Wahlkampf.(Foto: AP)
Samstag, 12. November 2016

"Geisteskrank", "Desaster", "Gemetzel": Trump schimpfte monatelang auf Merkel

Von Johannes Graf

Im Wahlkampf nutzt Donald Trump Deutschland gerne als düsteres Beispiel für einen in seinen Augen zu sorglosen Umgang mit muslimischer Zuwanderung. Dabei wird er auch mit Blick auf Kanzlerin Merkel persönlich.

Der künftige Präsident Donald Trump müsste eigentlich eine ganz besondere Verbindung zu Deutschland haben. Sein Großvater Friedrich Trump wanderte 1885 vom pfälzischen Kallstadt in die USA aus. Durch den republikanischen Politiker strömt also deutsches Blut. Das ändert jedoch nichts daran, dass er von der Heimat seiner Vorfahren keine besonders hohe Meinung hat.

Im Wahlkampf dienten Trump Deutschland und vor allem die Flüchtlingspolitik immer wieder als mahnendes Beispiel. Dabei war es von Anfang an auch eine persönliche Angelegenheit mit Kanzlerin Angela Merkel. Als die CDU-Chefin vom "Time"-Magazin im Dezember 2015 zur "Person des Jahres" gekürt wurde, twitterte er:

 

"Die Person, die Deutschland ruiniert hat" – das meinte schon damals Merkels Haltung in der Flüchtlingskrise, die im Sommer des Jahres Europa und die Welt in Atem hielt. Unkontrollierte Einwanderung ist für Trump das Schreckgespenst liberaler Politik. Für die USA, die nur eine geringe Zuwanderung aus muslimischen Staaten haben, fordert er im Wahlkampf einen Einwanderungsstopp.

Kölner "Gemetzel" als mahnendes Beispiel

Flüchtlinge bringen nichts als Terror und Kriminalität nach Europa, so seine Meinung. "Ich dachte, Merkel wäre eine großartige Regierungschefin, aber was sie in Deutschland getan hat, ist geisteskrank", sagte er im Herbst 2015. Bei dieser Meinung blieb er bis zuletzt.

Als Beleg dient Trump der 13. November 2015, der Tag der Anschläge von Paris. Im Februar 2016 sagt er in einem Interview mit der französischen Wochenzeitung "Valeurs Actuelles" mit Bezug auf die Attentate: "Ich denke, Angela Merkel hat einen tragischen Fehler gemacht." Wenn die Flüchtlingskrise nicht entschieden angegangen werde, sei dies "das Ende Europas". Er prophezeite "Revolutionen" auf dem alten Kontinent.

Als er diese Worte sagte, stand Trump noch unter dem Eindruck der Ereignisse in der Kölner Silvesternacht. "Schaut, was in Deutschland geschah, die erschütternden Verbrechen, die Silvesternacht, die Vergewaltigungen und das gesamte Gemetzel", rief er Anfang Januar bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundestaat Iowa. Bei Twitter sprach er von einem "Desaster":

 

Merkel und ihre Flüchtlingspolitik nutzt Trump auch als Keule gegen seine Kontrahentin: "Hillary Clinton will die Angela Merkel Amerikas werden", sagte er und unterstellte damit, bei der Wahl der Demokratin käme es zu muslimischer Masseneinwanderung: "Euch ist bekannt, welche Katastrophe diese Masseneinwanderung für Deutschland und das deutsche Volk war", sagte er im August in Youngstown in Ohio.

"Es gibt Probleme in Deutschland"

Wenige Wochen zuvor mutmaßte Trump bei einem Auftritt in Atlanta, die Deutschen würden bereuen, dass Merkel Regierungschefin sei: Es bleibe abzuwarten, wie die Kanzlerin bei der nächsten Wahl abschneide, "wenn es eine Wahl gibt und sie antritt". Er sei sicher, dass Deutschland, wenn es die Gelegenheit hätte, jetzt eine andere Politik machen und, statt der Aufnahme ins eigene Land, für die Flüchtlinge Schutzzonen in Syrien einrichten würde. Trump erzählte, dass er Freunde in Deutschland habe, die ihm seit 20 Jahren berichtet hätten, was für ein großartiges Land zum Leben es sei. Einer dieser Freunde verlasse das Land jetzt.

Sein Misstrauen gegenüber Deutschland ging so weit, dass Trump Einreisebeschränkungen für Deutsche andeutete. In Abwandlung seiner Forderung nach einem Einreisestopp für Muslime kündigte er im Juli 2016 an, künftig Immigranten anhand ihrer Herkunftsländer kategorisieren und entsprechend behandeln zu wollen. Dabei gehe es nicht nur um Länder, an die man dabei üblicherweise denken würde: "Es gibt Probleme in Deutschland und es gibt Probleme in Frankreich", orakelte er.

In einem anderen Zusammenhang dient Trump Deutschland als Exempel für seine Forderung, die USA müsse sich weitgehend aus der Weltpolitik zurückziehen. "Wir sind die Weltpolizisten. Wir passen auf die ganze Welt auf. Jedes Mal, wenn dieser Irre in Nordkorea irgendetwas macht, senden wir sofort unsere Schiffe. Und wir kriegen nichts zurück", beklagte er. Das sei auch mit Deutschland so: Die USA hätten "so gut wie nichts" dafür zurückbekommen, dass sie "für Deutschland gesorgt" haben.

Die vielen Attacken Trumps sind sicher auch ein Grund dafür, dass die Bundesregierung – wenn überhaupteher kühl zum Wahlsieg gratulierte. Und das, obwohl Trump wenige Wochen vor dem Wahltag noch versuchte, die Kurve zu kriegen. In einem TV-Interview sagte er Ende September: "Ich war schon immer pro Merkel." Nur bei der Einwanderungspolitik liege sie falsch. Aber: "Merkel ist wirklich eine große Weltführerin." Womöglich ahnte Trump da schon, dass er der "Weltführerin" aus Berlin bald tatsächlich gegenüberstehen könnte.

Quelle: n-tv.de

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