Politik
Wahlkampf auf Kindergartenniveau mit Donald Trump: "Er hat meine Hände beleidigt."
Wahlkampf auf Kindergartenniveau mit Donald Trump: "Er hat meine Hände beleidigt."(Foto: REUTERS)

Zoten-Wahlkampf in den USA: Trump spricht über sein bestes Stück

Von Hubertus Volmer

Wahlkämpfe in den USA sind gelegentlich schmutzig, doch selten war das Niveau so unterirdisch wie bei den aktuellen Vorwahlen der Republikaner.

Gegenseitige Beschimpfungen standen im Mittelpunkt der Kandidatendebatte am Donnerstagabend in Detroit, die vom Sender Fox News ausgerichtet wurde. Gleich in den ersten zehn Minuten wurde ein neuer Tiefpunkt dieses Vorwahlkampfes erreicht. "Er hat meine Hände beleidigt", sagte Donald Trump über seinen Mitbewerber Marco Rubio.

Das stimmt: Rubio hat vor ein paar Tagen einen Kurswechsel in seinem Wahlkampf vollzogen. Er greift Trump jetzt nicht mehr auf der Ebene politischer Konzepte an, sondern auf dem Niveau, auf dem sich auch der Milliardär bewegt. Bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstag in Virginia machte Rubio sich über Trumps künstliche Sprühbräune und seine "kleinen Hände" lustig. Und fügte hinzu: "Ihr wisst, was man über Typen mit kleinen Händen sagt". Kunstpause. "Man kann ihnen nicht trauen."

Der Witz mit Trumps kleinen Händen war nicht neu – möglicherweise war es der Komiker John Oliver, der Rubio auf die Idee gebracht hatte, ihn aufzuwärmen. In seiner Show "Last Week Tonight" hatte Oliver darauf aufmerksam gemacht, dass Trump für einen angeblichen harten Kerl reichlich dünnhäutig ist. 1988 habe die Zeitschrift "Spy" den Immobilienmogul einen "Vulgaren mit kurzen Fingern" genannt, erzählte Oliver vor kurzem. Der Herausgeber des Magazins bekomme seither immer wieder Fotos von Trump zugeschickt, auf denen er seine Hand markiert habe, um auf die Länge seiner Finger hinzuweisen. Meist lege Trump einen Zettel dazu: "Sehen Sie, doch nicht so kurz!"

"Niemand hat je meine Hände beleidigt"

Diesen wunden Punkt wollte Rubio sich offenbar nicht entgehen lassen. Bei der Bewerberdebatte in Detroit sagte Trump also: "Er hat meine Hände beleidigt. Niemand hat je meine Hände beleidigt." Gut, das war gelogen. Aber mittlerweile ist bekannt, dass Trump ein entspanntes Verhältnis zur Wahrheit hat. Deshalb fuhr er fort: "Ich habe so etwas noch nie gehört. Schauen Sie sich diese Hände an. Sind die klein?" Das Publikum lachte. Danach wurde es richtig peinlich.

"Und er hat sich auf meine Hände bezogen. Wenn die klein sind, muss etwas anderes auch klein sein. Ich garantiere Ihnen, da gibt es kein Problem. Ich garantiere es."

Hat Trump sich lächerlich gemacht? Hat er sich als der selbstverliebte Trottel präsentiert, der er möglicherweise ist? Wohl kaum. Er hat in diesem Wahlkampf Mitbewerber beleidigt, ordinäre Wörter benutzt, sich über Behinderte lustig gemacht, rassistische und sexistische Bemerkungen gemacht. Nichts davon hat seiner Beliebtheit geschadet, im Gegenteil. Trump ist die extreme Verkörperung einer Wut, die von der Republikanischen Partei seit Jahren gepredigt wird. Auf Inhalte kommt es in dieser Partei nicht mehr an.

Nichts schadet Donald Trump

Auch das demonstrierte Trump am Donnerstagabend eindrucksvoll. Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly, deren Name auch auf der lange Liste von Menschen steht, die Trump beleidigt hat, konfrontierte ihn mit einem Widerspruch. Auf seiner Webseite stehe, die Aufnahme hochqualifizierter Arbeitnehmer würde "amerikanische Arbeiter dezimieren". Bei einer früheren Debatte habe er sich aber sehr dafür ausgesprochen, solche Menschen einreisen zu lassen. Was gelte denn nun? "Ich ändere mich", antwortete Trump nur. Auch das schadet ihm nicht – und das in einem Land, in dem "Flip-Flopper" mal einer der stärksten Vorwürfe gegen Politiker war.

Finger im Vergleich: links Rubio, rechts Trump.
Finger im Vergleich: links Rubio, rechts Trump.(Foto: REUTERS)

Kelly sprach ihn auch auf seinen Streit mit der "New York Times" an. In einem Hintergrundgespräch mit der Zeitung hatte Trump nach Informationen der Webseite Buzzfeed gesagt, dass er mit Blick auf illegale Einwanderer flexibel sei, auch wenn er öffentlich verkünde, alle elf Millionen Einwanderer ohne gültige Papiere außer Landes bringen zu wollen.

In der Debatte bei Fox News bestritt Trump das Zitat nicht ausdrücklich, er weigerte sich aber, eine Aufnahme, die es von dem Gespräch offenbar gibt, veröffentlichen zu lassen. Kelly sagte dazu, da stelle man sich die Frage, ob er "mit der Fantasie der Leute" spiele – eine Taktik, "die Sie in Ihrem Buch 'Die Kunst des Erfolges' angepriesen haben". Mit anderen Worten: Kann es sein, dass Trump die Wähler belügt?

Solche Vorwürfe perlen an Trump ab. Als Antwort auf Kelly wiederholte er nur seine bekannten Plattitüden: "Die Grenze ist ein Desaster, wie ein Schweizer Käse." Dann sagte er noch drei Mal, dass er das stoppen werde. Seinen Fans im Publikum reichte das, sie jubelten.

Das Wunder kommt zum Schluss

Trump hat bislang zehn von fünfzehn Vorwahlen gewonnen, in den landesweiten Umfragen unter republikanischen Wählern liegt er bei 35,6 Prozent. Der Zweitplatzierte, der extrem rechte Ted Cruz, kommt auf 19,8 Prozent, Rubio auf 17,4 Prozent. Nach den normalen Regeln der Politik ist Trump die offizielle Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner beim Parteitag im Juli nicht mehr zu nehmen. Bislang hat sich das republikanische Establishment als unfähig erwiesen, Trump zu stoppen. Die einzige Hoffnung der Parteispitze war die auf ein Wunder.

Und ein Wunder passiert wirklich. Am Ende der Debatte wurden Cruz, Rubio und John Kasich, der bisher keine einzige Vorwahl gewonnen hat, gefragt, ob sie Trump unterstützen würden, wenn er die Vorwahlen gewinnen sollte. Alle drei sagten ja.

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Quelle: n-tv.de

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