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Regierungschef Davutoglu wählt versöhnliche Wort und nennt Russland "unseren Freund".
Regierungschef Davutoglu wählt versöhnliche Wort und nennt Russland "unseren Freund".(Foto: REUTERS)

17 Sekunden im türkischen Luftraum: Türkei bemüht sich um Schadensbegrenzung

Ankara und Moskau zwingen sich will nach dem Abschuss eines russischen Jets durch die Türkei um eine Deeskalation der Lage. Russland hegt weiter Zweifel an den Darstellungen der Ereignisse - und ringt um eine Strategie gegen den IS.

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die türkische Luftwaffe müht sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan um Entspannung. "Wir haben nicht die Absicht, diesen Zwischenfall hochzuspielen", sagte Erdogan. Der russische Botschafter in Paris, Alexander Orlow, brachte für den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischen Staat (IS) einen "gemeinsamen Generalstab" mit den USA und der Türkei ins Gespräch.

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Deutlicher noch als Präsident Erdogan sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, die Beziehungen zu "unserem Freund" Russland sollten nicht gefährdet werden. Nach dem Abschuss des Kampfflugzeugs vom Typ F-16 hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow eine Türkei-Reise abgesagt. Präsident Wladimir Putin rief die russische Bevölkerung auf, nicht mehr in die Türkei zu reisen. Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte sich für Entspannung ein. Sie habe Davutoglu gebeten, "alles zu tun, um die Situation zu deeskalieren", sagte Merkel im Bundestag.

Lawrow: "Kein Krieg gegen die Türkei"

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Vor dem Hintergrund der intensiven Bemühungen des französischen Präsidenten François Hollande, eine internationale Allianz gegen den IS - auch Daesch genannt - zu schmieden, äußerte sich Botschafter Orlow zu Möglichkeiten für eine strategische Zusammenarbeit. "Wir sind bereit, (...) zusammen Luftangriffe auf Positionen von Daesch zu planen und dafür einen gemeinsamen Generalstab einzurichten mit Frankreich, mit Amerika, mit allen Ländern, die sich an dieser Koalition beteiligen wollen", sagte der russische Botschafter. "Die Türken sind willkommen, wenn sie wollen."

Der russische Außenminister Lawrow sagte, sein Land werde gegen die Türkei "nicht Krieg führen". Er habe "ungefähr eine Stunde lang" mit seinem Kollegen Mevlüt Cavusoglu telefoniert, der versucht habe, die Entscheidungen der türkischen Luftwaffe "zu rechtfertigen". Es gebe "ernsthafte Zweifel" daran, dass der Abschuss "spontan" erfolgt sei, vielmehr handle es sich um eine "geplante Provokation". Der Vorfall bleibe "völlig inakzeptabel" und Moskau werde seine Beziehungen zur Türkei "ernsthaft überprüfen", fügte Lawrow hinzu.

Angriffe gehen weiter

Der nach dem Abschuss überlebende Pilot wurde nach Moskauer Angaben in Sicherheit gebracht. Es habe einen Sondereinsatz syrischer und russischer Kräfte gegeben, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Die Aktion sei "erfolgreich" verlaufen, der Pilot sei auf einen russischen Luftwaffenstützpunkt zurückgekehrt. Der andere Pilot wurde nach Angaben des russischen Generalstabs getötet. General Sergej Rudskoj sagte, der Pilot sei mit dem Fallschirm abgesprungen, vom Boden aus beschossen und tödlich getroffen worden.

Zum Zeitpunkt des Abschusses waren zwei russische Flugzeuge gemeinsam unterwegs. Sie flogen nach Angaben des türkischen Botschafters bei der UNO, Halit Cevik, gut zwei Kilometer in den türkischen Luftraum hinein und hielten sich dort 17 Sekunden auf. Ein US-Militärvertreter bestätigte dies; es sei aber unklar, ob die türkische Luftwaffe während der Luftraumverletzung geschossen habe oder erst, als die russischen Maschinen wieder über Syrien waren.

Ungeachtet des Zwischenfalls flog die russische Luftwaffe nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wieder Angriffe im Norden der Provinz Latakia. Es habe mindestens zwölf Angriffe gegeben, hieß es unter Berufung auf ihr Netzwerk von Informanten in Syrienmit.

Quelle: n-tv.de

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