Politik
Protest an der türkischen Botschaft in Moskau: "Gesucht: Erdogan" steht auf einem Blatt mit dem Konterfeit des türkischen Präsidenten.
Protest an der türkischen Botschaft in Moskau: "Gesucht: Erdogan" steht auf einem Blatt mit dem Konterfeit des türkischen Präsidenten.(Foto: AP)
Freitag, 27. November 2015

Erdogan bittet Putin um Treffen: Türkei will Spannungen zu Russland abbauen

Russland und die Türkei sind derzeit nicht gut aufeinander zu sprechen. Der Abschuss des Su-24-Bombers ist dafür ein Grund - aber nicht der einzige. Ankara übt Kritik an Moskaus Einsatz in Syrien. Zugleich will Erdogan nun die Lage entspannen.

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im Grenzgebiet zu Syrien bemüht sich die Türkei um eine Entspannung der Beziehungen zu Moskau. Wie der "Spiegel" berichtet, könnte es auf der Weltklimakonferenz in Paris in der kommenden Woche zu einem Treffen zwischen Putin und Erdogan kommen. Erdogan habe um eine bilaterale Zusammenkunft gebeten, berichtet das Blatt unter Berufung auf einen Kreml-Sprecher. Ein solches Treffen könnte bereits am Montag stattfinden.

Zugleich warf Erdogan in einem Interview mit dem Sender France 24 Russland vor, in Syrien gegen die gemäßigte Opposition und nicht gegen die Terrormiliz IS vorzugehen. "Sie kämpfen nicht gegen Daesh (IS)", kritisierte Erdogan. Vielmehr bombardiere Russland die in der Grenzregion lebende Minderheit der Turkmenen.

Der türkische Ministerpräsident Davutoglu schrieb in einem Beitrag für die britische Zeitung "The Times": "Der Abschuss eines nicht identifizierten Jets im türkischen Luftraum war und ist kein gegen ein bestimmtes Land gerichteter Akt." Zwar blieben "die Maßnahmen zur Verteidigung unseres Territoriums in Kraft", die Türkei werde aber mit Russland und den Verbündeten zusammenarbeiten, um Spannungen abzubauen.

Angriffe auf den IS ausgesetzt

Mit Blick auf die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat forderte Davutoglu die internationale Gemeinschaft zur Einigkeit gegen einen "gemeinsamen Feind" auf. "Die internationale Gemeinschaft darf nicht gegen sich selbst agieren", forderte Davutoglu. Andernfalls würden nur der IS und die syrische Regierung davon profitieren.

Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten am Dienstag einen russischen Bomber vom Typ Su-24 im türkisch-syrischen Grenzgebiet abgeschossen, weil das Flugzeug nach Angaben der türkischen Armee trotz wiederholter Warnungen in den türkischen Luftraum eingedrungen war. Das russische Verteidigungsministerium erklärte dagegen, die Su-24 sei über syrischem Gebiet geflogen. Der Abschuss führte zu erheblichen Spannungen zwischen Russland und der Türkei. Russland kündigte etwa Vergeltungsmaßnahmen gegen die türkische Wirtschaft an.

Türkischen Medienberichten zufolge hat das Nato-Mitglied Türkei seine Luftangriffe gegen den IS in Syrien nach dem Abschuss des russischen Kampfjets vorerst ausgesetzt. Wie die Zeitung "Hürriyet" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, sollen damit "weitere Krisen" vermieden werden. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit Russland getroffen worden. Beide Seiten hätten sich darauf verständigt, "vorsichtig zu handeln, bis die Kommunikationskanäle wiederhergestellt und Spannungen abgebaut" seien. Von Regierungsseite gab es zunächst auf Nachfrage keine Stellungnahme zu dem Bericht.

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Quelle: n-tv.de

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