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Ein Land voller Waffen: In Libyen fehlt eine starke, allseits anerkannte Staatsgewalt.
Ein Land voller Waffen: In Libyen fehlt eine starke, allseits anerkannte Staatsgewalt.(Foto: REUTERS)

Gefährliche Entwicklung in Libyen: UN-Botschafter warnt vor IS-Vorstoß

Vor den Toren Europas brauen sich neue Probleme zusammen: In Libyen stehen Anhänger des "Islamischen Staates" nach Ansicht der Vereinten Nationen kurz davor, in das Machtvakuum des zerstrittenen Landes vorzustoßen.

Nach dem Rückschlag bei der Bildung einer Regierung der nationalen Einheit für Libyen drohen ernste Konsequenzen: Der UN-Sondergesandte Martin Kobler warnte vor einer weiteren Ausbreitung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in dem nordafrikanischen Land.

Brände in den Lagertanks von Ras Lanuf: Mit Angriffen auf die Ölförderanlagen zerstört der IS die Zukunftschancen des Landes.
Brände in den Lagertanks von Ras Lanuf: Mit Angriffen auf die Ölförderanlagen zerstört der IS die Zukunftschancen des Landes.(Foto: REUTERS)

Die mangelnde Einigkeit der nationalen Akteure würde die "militärische Ausbreitung" der Islamisten begünstigen, sagte Kobler vor Journalisten in Tunis. Die IS-Miliz rücke in Libyen bereits Richtung Süden vor, was insbesondere für die Nachbarländer "Niger und Tschad gefährlich" sei, wie Kobler betonte.

Der UN-Sonderbotschafter rief die Afrikanische Union (AU) auf, eine aktivere Rolle im Bemühen um eine Befriedung Libyens zu spielen. Er will nach eigenen Angaben an diesem Donnerstag in Addis Abeba mit Vertretern der AU diskutieren. Die internationalen Bemühungen um eine Lösung der Libyen-Krise hatten zu Wochenbeginn einen schweren Rückschlag erlitten: Das international anerkannte Parlament Libyens in Tobruk lehnte die von der UNO unterstützte Regierung der nationalen Einheit ab.

In Libyen herrscht seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Das Land wird von Dutzenden bewaffneten Milizen beherrscht, die neben den beiden rivalisierenden Regierungen und Parlamenten um die Macht ringen. Die IS-Dschihadisten konnten das Machtvakuum nutzen und sich in ganzen Landstrichen an der Mittelmeerküste festsetzen.

Ölanlagen im Visier

Zuletzt drohten IS-Anhänger nach einem Angriff auf ein Ölterminal in Libyen weitere Attacken an: Ein Sprecher der Dschihadisten sagte in einem Video: "Heute die Häfen Es Sider und Ras Lanuf, morgen der Hafen von Brega und danach die Häfen von Tobruk, Es Serir, Dschallo und Al Kufra." Die genannten Anlagen stellen eine Auswahl der wichtigsten Seehäfen Libyens dar, über die große Teile des Rohstoffexports laufen.

Zuvor hatten mutmaßliche Unterstützer der Terrororganisation mindestens zwei Lagertanks in der Nähe von Ras Lanuf in Brand gesetzt, wie ein Ingenieur am Hafen und ein Regierungsvertreter erklärten. Es sei zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Extremisten gekommen, bevor sich die Angreifer zurückgezogen hätten.

Die Ölhäfen in Es Sider und im benachbarten Ras Lanuf sind wegen der Machtkämpfe in Libyen seit mehr als einem Jahr geschlossen. Die Anlagen gelten als Schlüssel zur Macht im Land: Der Export von Rohöl und Erdgas verspricht dem jeweiligen Machthaber in der Region Einnahmen in Milliardenhöhe - Geld, das eigentlich dringend für den Wiederaufbau des Landes benötigt wird.

Quelle: n-tv.de

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