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US-Hilfe hochwillkommen: Kurdische Kämpfer in der Provinz Hasaka (Archivbild).
US-Hilfe hochwillkommen: Kurdische Kämpfer in der Provinz Hasaka (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Geheimaktion bei Hasaka und Kobane?: US-Militär dementiert Syrien-Basen

Errichten US-Spezialeinheiten im Norden Syriens heimlich Luftwaffenstützpunkte zum Kampf gegen den IS? Nach Informationen kurdischer Kämpfer sind zwei US-Einrichtungen auf syrischem Boden fast schon einsatzbereit.

Kurdische Parteien und Milizen

Kurden in der Türkei, in Syrien und im Irak sind jeweils unterschiedlich organisiert. Ein kurzer Überblick:

Syrien

  • Die wichtigste Kurdenpartei in Syrien ist die Partei der Demokratischen Union (PYD).
  • Der militärische Arm der PYD sind die Volksverteidigungseinheiten (YPG). Hinzu kommen die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) Sie sind diejenigen, die mithilfe von US-Luftschlägen zum Beispiel Kobane vom IS befreit haben.
  • In Syrien gibt es drei kurdische Kantone, die zusammengenommen "Rojava" bilden - Westkurdistan.

Türkei

  • Die PKK ist die in den 1970er-Jahren gegründete Arbeiterpartei Kurdistans. Sie wird von der EU, den USA und der Türkei als Terrororganisation eingestuft.
  • Der militärische Arm der PKK ist die HPG. Teile von ihr sind wegen des Dauerkonflikts mit den türkischen Streitkräften in den Nordirak geflohen.

Irak

  • Der Nordirak ist die einzige autonome kurdische Provinz und steht unter kurdischer Verwaltung. Es gibt diverse kurdische Parteien. Präsident ist Massoud Barzani.
  • Die Streitkräfte der irakischen Kurden, die irgendwann auch in die nationale Armee eingegliedert werden sollen, sind die Peschmerga. (nsc)

Das US-Militär lässt kurdischen Berichten zufolge im Norden Syriens angeblich zwei Luftwaffenstützpunkte vorbereiten. Die Arbeit an einer Start- und Landebahn in Rmeilan in der nordöstlich gelegenen Provinz Hasaka sei praktisch fertig, berichtete die kurdische Nachrichtenseite "BasNews".

Eine zweite Basis werde südöstlich von Kobane an der türkischen Grenze gebaut, heißt es. Zahlreiche US-Experten und -Techniker seien an dem Projekt beteiligt. Die Angaben stützen sich auf Informationen des Militärbündnisses "Syrische Demokratische Kräfte" (SDF), das von den USA und kurdischen Kämpfern unterstützt wird. Die beiden angeblichen Basen liegen Luftlinie gut 320 Kilometer voneinander entfernt.

Ein US-Militärsprecher erklärte dazu, die Vereinigten Staaten würden bei keinem Flugplatz in Syrien die Kontrolle übernehmen. Anderslautende Berichte seien nicht korrekt. Die USA hätten nur eine kleine Truppe in dem Bürgerkriegsland, hieß es aus Washington. Grundsätzlich werde beim Einsatz in Syrien immer nach Wegen gesucht, die Logistik zu verbessern.

Der Aufbau eigener Luftwaffenbasen in Syrien wäre ein Novum: Bislang fliegen US-Kampfjets ihre Angriffe vornehmlich von Stützpunkten in der Türkei, Saudi-Arabien, Katar und Jordanien. Daneben gibt es in der Region eine große britische Nato-Basis auf Zypern sowie schwimmende Stützpunkte in Form französischer und US-amerikanischer Flugzeugträger. Russland wiederum stützt sich in seiner Syrien-Strategie auf eigene Militärbasen bei Latakia und Tartus.

Die Lage im syrischen Bürgerkrieg ist durch vielschichtige Allianzen und Rivalitäten der Konfliktparteien und ihrer Unterstützer sehr verworren. Während die US-Regierung in der Region auf die Bodentruppen kurdischer Kämpfer vertraut, geht der Natopartner Türkei gewaltsam gegen kurdische Einheiten im eigenen Land und jenseits der Grenze vor. Dass das US-Militär im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" in Syrien und dem Nordirak vor allem auf die Kurden setzt, steht im offenen Widerspruch zum Vorgehen der Türkei - und stößt dort auf vehemente Kritik.

In der kommenden Woche nehmen die Vereinten Nationen (UN) einen neuen Anlauf für Friedensgespräche in Genf. Die vor gut einer Woche in Kraft getretene Feuerpause ist aber brüchig. Oppositionsnahen Beobachtern zufolge starben seitdem Hunderte Menschen bei Kämpfen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurde die Waffenruhe allein am Wochenende binnen 24 Stunden 15-mal gebrochen.

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Quelle: n-tv.de

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