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Syrische Soldaten in der Nähe von Palmyra. Von dort zur irakischen Grenze sind es rund 300 Kilometer.
Syrische Soldaten in der Nähe von Palmyra. Von dort zur irakischen Grenze sind es rund 300 Kilometer.(Foto: REUTERS)

"Wir eliminieren ihr Kabinett": US-Truppen töten "Nummer zwei" des IS

Die US-Streitkräfte haben in Syrien ein Führungsmitglied des Islamischen Staats getötet. In Palmyra rückt die syrische Armee mit russischer Unterstützung gegen den IS vor, bei Mossul greift die irakische Armee mit US-Hilfe die Terrormiliz an.

Die USA haben nach Angaben von Verteidigungsminister Ashton Carter mehrere Top-Terroristen der IS-Miliz getötet. Er gehe davon aus, dass darunter auch der IS-Finanzminister und -Vizechef Abdul Rahman Mustafa al-Kaduli ist, der auch unter dem Namen Haschi Iman bekannt sei, sagte Carter. Die "Beseitigung" dieses Führungsmitglieds werde die Fähigkeit der Organisation schwächen, "Operationen innerhalb und außerhalb des Irak und Syriens auszuführen.

Al-Kaduli auf einer Aufnahme, die von US-Außenministerium veröffentlicht wurde.
Al-Kaduli auf einer Aufnahme, die von US-Außenministerium veröffentlicht wurde.(Foto: dpa)

Al-Kaduli galt als "Nummer zwei" des IS. Er zählte zu den meistgesuchten Terroristen der Welt und war laut Carter für mehrere Komplotte im Ausland verantwortlich. Bis 2012 war er im Irak inhaftiert und schloss sich dann in Syrien dem IS an. Vor seiner Haft hatte er dem Terrornetzwerk Al-Kaida im Irak angehört.

"Wir eliminieren systematisch ihr Kabinett", sagte Carter. In dieser Woche sei es gelungen, "mehrere Schlüssel-Terroristen" der Miliz zu töten. Nähere Angaben zu der Operation, die sich in dieser Woche in Syrien abgespielt haben soll, wollte er mit Hinweis auf den Schutz des Lebens von Soldaten und Informanten nicht machen. Erst vergangene Woche hatte das Pentagon mitgeteilt, der "Kriegsminister" des IS, Omar al-Schischani ("Omar der Tschetschene"), sei bei einem Angriff der US-geführten Militärallianz getötet worden.

Hohes Kopfgeld ausgesetzt

Al-Kaduli wurde laut irakischen Sicherheitskreisen in der irakischen Stadt Mossul geboren. Nach Angaben der US-Behörden soll er sich im Jahr 2004 dem Terrornetzwerk al-Kaida angeschlossen haben. Er brachte es demnach bis zum Stellvertreter von Abu Mussab al-Sarkawi, dem früheren Chef von Al-Kaida im Irak, der 2006 bei einem US-Drohnenangriff getötet wurde.

Er wurde im Mai 2014 auf die US-Terrorliste gesetzt. Ein Jahr darauf setzte das US-Justizministerium ein Kopfgeld von sieben Millionen Dollar (rund 6,2 Millionen Euro) auf Al-Kaduli aus. Dies war das zweithöchste Kopfgeld für ein IS-Mitglied - für al-Bagdadi beträgt es zehn Millionen Dollar.

Bei einem Besuch in Brüssel sagte derweil US-Außenminister John Kerry, der IS greife jetzt zu "Maßnahmen außerhalb des Nahen Ostens, weil seine Kalifats-Fantasie vor seinen Augen" zerplatze. "Sein Gebiet schrumpft Tag für Tag, seine Anführer werden dezimiert, die Einkommensquellen gehen zur Neige und die Kämpfer fliehen. Unsere Aufgabe, den IS zu schlagen und zu vernichten, wird nicht von heute auf morgen erledigt sein, ... aber ich bin absolut zuversichtlich, dass wir erfolgreich sein werden."

Syrische Truppen in Palmyra

Derweil gerät der IS sowohl in Syrien als auch im Irak in die Defensive. Syrische Regierungstruppen nahmen die Zitadelle der historischen Oasenstadt Palmyra ein. Die Festung liegt am Rand der einzigartigen archäologischen Stätten Palmyras. Zuvor hatte die Armee bereits einen strategisch wichtigen Hügel eingenommen, von dem aus man die historischen Kulturschätze überblicken kann, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete.

Mit Dutzenden Luftangriffen unterstützte Russland die syrische Armee, auch in Palmyra. Bei mehr als 40 Einsätzen hätten Kampfjets in den vergangenen Tagen rund 150 IS-Stützpunkte zerstört, sagte Generalleutnant Sergej Kuralenko der Agentur Interfax zufolge in Moskau.  Darunter seien Munitionsdepots gewesen, aber auch schwere Waffen wie Artillerie und Panzer.

Die Nachrichtenagentur AFP meldete unter Berufung auf Informationen aus der syrischen Armee, auch russische Elitesoldaten seien an dem Angriff auf Palmyra beteiligt. Russische Nachrichtenagenturen zitierten einen russischen Militärvertreter mit der Aussage, dass in der Nähe von Palmyra ein russischer Offizier getötet worden sei, der vom Boden aus Hinweise für präzise Luftangriffe gegeben habe. Der IS hatte Palmyra im Mai 2015 erobert und seitdem eine Reihe antiker Bauwerke gesprengt.

Irakische Truppen greifen IS bei Mossul an

Im Irak konnten die Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer mehrere Dörfer westlich der Stadt Machmur einnehmen, wie irakische Medien berichteten. Bei der Operation "Eroberung" seien sie von US-Luftangriffen unterstützt worden, sagte ein Armeesprecher. Bis der eigentliche Angriff auf Mossul beginnt, könnten aber noch Monate vergehen.

Die Kämpfe südöstlich der nordirakischen Metropole sind derzeit noch rund 70 Kilometer von der Stadt entfernt. Der IS hatte Mossul im Sommer 2014 unter seine Kontrolle gebracht - die Einnahme der zweitgrößten irakischen Stadt war einer der größten Erfolge der Extremisten. Die frühere Millionenstadt gilt neben Al-Rakka in Syrien als inoffizielle Hauptstadt der Terrormiliz. Ende 2015 konnten irakische Regierungstruppen die Provinzhauptstadt Ramadi westlich von Bagdad vom IS zurückerobern. Nach westlichen Schätzungen haben die Extremisten inzwischen 40 Prozent des Gebietes verloren, das sie einst im Irak kontrollierten.

Unterdessen erklärten die USA und Russland, Regierung und Opposition in Syrien zu direkten Friedensgesprächen im schweizerischen Genf drängen zu wollen. Ziel sei die baldige Bildung einer Übergangsregierung in dem Bürgerkriegsland, teilten US-Außenminister Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow in Moskau mit. Lawrow sagte, direkte Verhandlungen müssten "baldmöglichst" beginnen.

Quelle: n-tv.de

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