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Einsatz der Polizei in einer Flüchtlingsunterkunft in Attendorn
Einsatz der Polizei in einer Flüchtlingsunterkunft in Attendorn(Foto: dpa)

Nach Razzia gegen IS-Anhänger: Verdächtige planten womöglich Anschlag in Berlin

Mit einem Großeinsatz geht die Polizei zeitgleich in drei Bundesländern gegen Islamisten vor. Die Behörden haben allen Grund zur Besorgnis: Sie haben Hinweise, die Männer aus Algerien könnten ein Attentat in der Hauptstadt planen.

Die mutmaßlichen Mitglieder der heute aufgeflogenen islamistischen Terrorzelle haben nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft möglicherweise einen Anschlag in der Hauptstadt geplant. "Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Martin Steltner. Zu einem Bericht der "Bild"-Zeitung, offenbar sei ein Anschlag am Alexanderplatz im Zentrum der Hauptstadt geplant gewesen, wollte sich Steltner nicht äußern.

Im Morgengrauen war die Polizei mit hunderten Einsatzkräften gegen die Islamisten vorgegangen. Im nordrhein-westfälischen Attendorn nahm die Polizei einen 35-Jährigen fest, der mit dem IS sympathisieren und eine Kampfausbildung in Syrien erhalten haben soll. Auch in Berlin sowie in Hannover kam je ein Mann in Gewahrsam. Ein dritter Algerier wurde zwar angetroffen, blieb zunächst auf freiem Fuß.

Keine Hinweise auf Gefährdung beim Karneval

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Der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen lagen ungeachtet der Festnahmen des Terrorverdächtigen im Sauerland keine Erkenntnisse über eine konkrete Terrorgefahr in dem Bundesland vor. "Wir haben derzeit keine Hinweise, dass Anschläge in NRW - auch nicht im Zusammenhang mit Karneval - geplant worden sind", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Düsseldorf.

Gegen den 35-jährigen Islamisten hatten die algerischen Behörden zuvor einen Haftbefehl erlassen. Wie Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich mitteilte, habe die Polizei dem Festnahme-Ersuchen der algerischen Seite gegen den Verdächtigen wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) entsprochen. Der Anlass der Durchsuchung sei aber ein anderer gewesen: Der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Deutschland.

Polizei wertet Beschlagnahmtes aus

Verdächtig seien insgesamt vier Männer im Alter zwischen 26 und 49 Jahren, darunter der 35-Jährige. Der Mann ist im Herbst 2015 als Flüchtling nach Deutschland eingereist. Er kam nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa über die sogenannte Balkanroute und wurde in Bayern als Flüchtling registriert. Nach ersten Hinweisen auf Anschlagspläne sei der Mann dann in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden.

Ein zweiter Algerier im Alter von 49 Jahren wurde im Zuge der Razzia in Berlin festgenommen. Laut Polizei hatte gegen ihn ein Haftbefehl wegen Urkundenfälschung aus einem anderen Verfahren vorgelegen. Zwei der Verdächtigen leben und arbeiten Polizeisprecher Redlich zufolge schon länger in der Hauptstadt. Durchsucht wurden in Berlin neben Wohnungen auch ein Kiosk und ein Backshop, wie Redlich sagte.

Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen. Auch in Hannover wurde eine Flüchtlingsunterkunft durchsucht. "Bei den zeitgleich zur Ergreifung durch Spezialkräfte erfolgten Durchsuchungen wurden unter anderem Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen sichergestellt, deren Auswertung andauert", teilte die Polizei mit.

Anwohner und Flüchtlinge von Einsatz überrascht

Für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Attendorn war der Einsatz der Polizei-Hundertschaft nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) schockieren. Die 65 Menschen in der Unterkunft seien von der Aktion am frühen Morgen aus dem Schlaf gerissen worden, sagte Torsten Tillmann, Vorstand des DRK-Kreisverbands Olpe, der die Bewohner betreut.

"Unsere Sozialbetreuer haben mit den Bewohnern gesprochen und ihnen erklärt, was heute vorgefallen ist." Ein Kriseninterventionsteam kümmere sich vor allem um die 36 Kinder. "Alle, die das mitbekommen haben, sollen den Schrecken verarbeiten können", sagte Tillmann. "Jetzt geht es darum, den Tagesablauf wieder so normal wie irgend möglich zu gestalten."

In der Bäckerei neben dem Heim konnten die Menschen kaum glauben, dass ihre Stadt nun plötzlich im Fokus von Terrorermittlern steht. "Die Kunden haben mich den ganzen Morgen gefragt, was da los ist", sagte die Verkäuferin des Backshops. Dass ein Terrorist nebenan gewohnt haben soll, finden einige beunruhigend. Aber die Verkäuferin betont: "Die Flüchtlinge, die hier einkaufen, sind sehr freundlich. Da gab es nie Probleme."

Quelle: n-tv.de

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