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Abgehängt: Ein Assad-Bild in Ariha.
Abgehängt: Ein Assad-Bild in Ariha.(Foto: REUTERS)
(Foto: REUTERS)

Bürgerkrieg in Syrien: Verspielte der Westen den Rücktritt Assads?

Russland hat dem Westen 2012 angeboten, Syriens Machthaber Assad fallen zu lassen. Das behauptet zumindest Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari. Er wirft dem UN-Sicherheitsrat vor, eine einmalige Chance verpasst zu haben.

Russland ist seit jeher ein treuer Unterstützter der Herrschaft von Baschar al Assad. Diese Behauptung galt bisher als unumstößlich. Doch der Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari rüttelt jetzt heftig daran.

Martti Ahtisaari sagt über die westlichen Vertreter im Sicherheitsrat: "Nichts passierte, weil sie und viele andere davon ausgingen, dass Assad in wenigen Wochen ohnehin aus dem Amt gejagt werden würde."
Martti Ahtisaari sagt über die westlichen Vertreter im Sicherheitsrat: "Nichts passierte, weil sie und viele andere davon ausgingen, dass Assad in wenigen Wochen ohnehin aus dem Amt gejagt werden würde."(Foto: REUTERS)

Ahtisaari hat dem britischen "Guardian" ein Interview gegeben, und laut dem 78-Jährigen hat es eine Zeit gegeben, in der Russland bereit gewesen ist, Assad fallen zu lassen. Der Westen ließ diese Gelegenheit angeblich wegen einer fatalen Fehleinschätzung der Lage verstreichen.

Die Zeit, von der Ahtisaari spricht, ist das Jahr 2012, was seinen Vorwurf noch härter erscheinen lässt. Damals, nach einem Jahr des syrischen Bürgerkriegs hatte der Konflikt Schätzungen zufolge erst 7500 Menschen das Leben gekostet. Mittlerweile sind weit mehr als 200.000 Menschen in dem Krieg gestorben, der zudem zum Aufstieg des Islamischen Staates (IS), der einflussreichsten islamistischen Miliz der Welt,geführt hat.

Verhandlungen im Hinterzimmer

Ahtisaari nahm am 22. Februar 2012 als Vermittler an einer Sitzung mit Vertretern der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, den USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China, in New York teil. Es war eine Backchannel-, eine Hinterzimmer-Runde. Ahtisaari sagte dem "Guardian", dass er dort Gelegenheit gehabt hätte, mit dem russischen Gesandten Witali Tschurkin zu sprechen. "Der sagte drei Dinge", behauptet nun Ahtisaari. "Erstens: Wir sollten der Opposition keine Waffen geben. Zweitens: Wir sollten sofort einen Dialog zwischen der Opposition und Assad einleiten. Drittens: Wir sollten einen eleganten Weg für Assad finden, um abzutreten."

Bilderserie

Ahtisaari fragte eigenen Angaben zufolge noch einmal bei Tschurkin nach. Daraufhin war er sich so sicher, dass dieser Plan vom Kreml abgesegnet sei, dass er ihn an die Gesandten der USA, Großbritanniens und Frankreichs weitertrug. Dem "Guardian" sagte er: "Nichts passierte, weil sie und viele andere davon ausgingen, dass Assad in wenigen Wochen ohnehin aus dem Amt gejagt werden würde und es deshalb keinen Grund gab, zu handeln."

Eine Bestätigung dieser Darstellung gibt es allerdings weder von UN-Diplomaten noch aus Russland. Der russische Gesandte Tschurkin weigerte sich bisher, die Darstellung Ahtisaaris überhaupt zu kommentieren. Er verwies laut "Guardian" darauf, dass es sich um ein "privates Gespräch" gehandelt habe.

Moskau rüstet Damaskus auf

Die Darstellung steht im krassen Gegensatz zu den öffentlichen Verlautbarungen des Kreml. Russland ließ nie Zweifel an seiner Loyalität zu Assad aufkommen. Präsident Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow pochen auf Veranstaltungen und in Interviews darauf, dass es eine Lösung des syrischen Konflikts nur mit, nicht gegen Assad geben könne. In den vergangenen Tagen wurde zudem bekannt, dass Moskau Soldaten und Militärmaterial nach Syrien schickt, um das derzeit schwächelnde Assad Regime zu stärken.

Friedensnobelpreisträger Ahtisaari sagte dem "Guardian" über das angebliche Angebot aus Moskau: "Es war eine Gelegenheit, die 2012 verloren gegangen ist."

Quelle: n-tv.de

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