Politik
Immer Ärger mit dem Personal. Donald Trump im Weißen Haus.
Immer Ärger mit dem Personal. Donald Trump im Weißen Haus.(Foto: AP)
Mittwoch, 17. Mai 2017

Ein Leak nach dem anderen: Warum das Weiße Haus so undicht ist

Von Hubertus Volmer

Die Inhalte der Enthüllungen aus dem Umfeld von US-Präsident Trump sind aufsehenerregend. Fast noch spektakulärer ist die Zahl der Leaks aus dem Weißen Haus. Dahinter stecken möglicherweise Trump-Mitarbeiter, die sich nicht anders zu helfen wissen.

Für US-Präsident Donald Trump war von Anfang an klar, dass die undichten Stellen in seiner Regierung das eigentliche Problem sind - und nicht die Inhalte, die aus dem Weißen Haus, aus Ministerien und Behörden durchgestochen werden. Schon im Februar wies er seinen Justizminister und Generalstaatsanwalt an, Ermittlungen wegen der vielen "illegalen Leaks" einzuleiten.

Noch im Wahlkampf hatte Trump eine ganz andere Haltung zu Leaks: Alles, was seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton schadete, waren gute Leaks. Was ihm selbst schaden könnte, sind nun schlechte Leaks.

Der Gesinnungswandel folgte einer unangenehmen Erfahrung: Bereits eine Woche nach Trumps Vereidigung war klar, dass außergewöhnlich viele Leaks aus dem Weißen Haus nach außen dringen. Viele davon ließen Trump aussehen wie ein ahnungsloses Kind. "Einige seiner eigenen Berater machen sich unter vier Augen Sorgen wegen seiner Neigung, unnötige Kämpfe anzufangen und von der Botschaft abzuschweifen. Sie sprechen davon, dass man ihm das Telefon wegnehmen oder seinen Twitter-Account abschalten müsste", schrieb die "New York Times" am 25. Januar, fünf Tage nach Trumps Amtseinführung.

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Damals, im Januar, ging es noch um Dinge wie die Größe des Publikums bei seiner Inaugurationsfeier oder die erfundene Behauptung, ohne Wahlbetrug hätte er im November mehr Stimmen bekommen als die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Mittlerweile geht es darum, dass Trump dem russischen Außenminister Sergey Lawrow Informationen offenbart, die der israelische Geheimdienst an die USA weitergegeben hat - und er tat dies nicht auf Grundlage eines wohlüberlegten Planes, sondern einer spontanen Eingebung folgend, wie Trumps Sicherheitsberater Herbert McMaster sagte. Und es geht darum, dass Trump versucht, Einfluss auf Ermittlungen des FBI zu nehmen.

Drei Gründe

Denn das ist der jüngste Leak: Im Februar soll Trump den damals noch nicht gefeuerten FBI-Chef James Comey aufgefordert haben, die Ermittlungen zu den möglicherweise illegalen Russland-Kontakten seines damals schon entlassenen Sicherheitsberaters Michael Flynn einzustellen.

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Die Inhalte der Leaks sind zweifellos ein Anlass zur Sorge. Trump scheint Schwierigkeiten zu haben, die Grundprinzipien von Demokratie und Gewaltenteilung zu verstehen. Dennoch ist auch die schiere Anzahl der Leaks spektakulär. Drei denkbare Gründe gibt es dafür, die sich keineswegs gegenseitig ausschließen. Der erste: Viele Regierungsmitarbeiter halten Trump für einen schlechten Präsidenten. Als Whistleblower wollen sie dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit davon erfährt, wie unfähig der Mann im Weißen Haus wirklich ist. Die zweite Möglichkeit: Berater des Präsidenten liefern sich einen Konkurrenzkampf und wollen einander durch Indiskretionen schaden. Trump ist bekannt dafür, Wettstreit zwischen Mitarbeitern für eine gute Sache zu halten.

Die dritte Möglichkeit ist, dass zumindest einige Urheber von Leaks sich nicht an die Öffentlichkeit richten, sondern eigentlich an den Präsidenten. Diese Theorie hat der konservative Blogger Erick Erickson gestern erläutert.

Erickson schreibt, er kenne einen der Regierungsmitarbeiter, die dafür gesorgt haben, dass die "Washington Post" davon erfuhr, dass Trump Lawrow mit Geheiminformationen versorgt hat. "Und diese Quelle ist ein überzeugter Trump-Anhänger oder ist es zumindest gewesen und war es während des Wahlkampfes 2016", so Erickson. "Aber der Präsident ist nicht bereit, Kritik anzunehmen, egal wie höflich sie übermittelt wird. Er will keine Ratschläge, lässt sich nicht korrigieren und ist so unsicher, dass er konstruktives Feedback als Angriff ansieht." Seine Mitarbeiter sähen keine andere Möglichkeit, als sich an die Medien zu wenden und darauf zu hoffen, dass Trump die öffentliche Empörung versteht und darauf reagiert. "Vielleicht versteht er dann, dass er Mist gebaut hat", schreibt Erickson. Trump achte schließlich sehr viel mehr darauf, was die Medien sagen, als darauf, was seine Berater sagen.

"Man muss wissen, wie man Trumps Denken beeinflussen kann"

Erickson ist ein konservativer Blogger und Radiomoderator, aber kein Trump-Anhänger. Theoretisch ist es möglich, dass er sich diese Geschichte ausgedacht hat. Die Annahme dahinter ist jedoch nicht neu und absolut plausibel: Trump hört stärker auf die Medien, vor allem das Fernsehen, als auf reale Personen in seinem Umfeld. Kritik nimmt er nur an, wenn sie sehr gut versteckt ist. "Man muss wissen, wie man Trumps Denken beeinflussen kann", sagte einer seiner Berater während des Wahlkampfes. "Man braucht dazu eine Mischung aus Diplomatie und Psychologie."

Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway - die mittlerweile möglicherweise in Ungnade gefallen ist - war darin sehr gut. Unter anderem nutzte sie TV-Auftritte, um Trump immer wieder daran zu erinnern, dass er in seinen Reden bitte nicht abschweifen, sondern sich auf seine Kernbotschaften konzentrieren möge. Das verpackte sie in ein konsequentes Schönreden aller Defizite des Kandidaten. Wenn Trump eine Rede so halte, wie es ihm gefalle, "in seinen eigenen Worten, in seinem eigenen Stil, dann können sich die Leute wirklich auf den Inhalt konzentrieren", sagte Conway beispielsweise im August bei CNN. Was sie meinte, war das exakte Gegenteil: Mit allzu aggressiven Sprüchen drohte Trump damals, Wähler zu verprellen. Es war klar, dass Conway Trump nicht ändern würde. Aber sie konnte seinen Kurs mit ein paar Stupsern beeinflussen.

Fünf Stunden täglich vor dem Fernseher

Conway konnte davon ausgehen, dass ihr Chef ihren Auftritt verfolgte. Kein Präsident vor ihm hat so viel Fernsehen geguckt wie Trump. Anhand seiner Tweets lässt sich ermitteln, was er sich wann ansieht: Frühmorgens "Morning Joe", dann "Fox and Friends", später CNN (den Sender, den er "Fake News" nennt). Nach einer Analyse der "Washington Post" verbringt Trump täglich fünf Stunden vor dem Fernseher. Tagsüber versuchen seine Mitarbeiter, Einfluss darauf zu nehmen, was er sieht, damit seine Laune nicht allzu schlecht wird. Aber das geht nur, bis er sich abends in seine Privaträume im Weißen Haus zurückzieht. "Wenn er raufgeht, gibt es keine Möglichkeit mehr, ihn zu managen", sagt einer seiner Berater.

Dass es so schwierig ist, Trump nicht nur zu beeinflussen, sondern überhaupt zu informieren, scheint sein Umfeld wirklich zu frustrieren. Der "Post" zufolge lässt Trump sich die mehrseitigen Papiere, die dazu dienen sollen, ihn auf Gespräche mit Vertretern anderer Staaten vorzubereiten, auf ein Blatt mit Stichpunkten zusammenfassen - und das schaut er sich dann häufig nicht einmal an.

Selbst die Nato hat schon auf die Tatsache reagiert, dass Trump sich nicht lange auf eine Sache konzentrieren kann. Nach einem Bericht der Zeitschrift "Foreign Policy" hat die Allianz die Staats- und Regierungschefs ihrer Mitgliedsländer gebeten, Redebeiträge beim Brüsseler Gipfel in der nächsten Woche auf zwei bis vier Minuten zu beschränken. Vielleicht wäre es eine Lösung, den Nato-Gipfel als Videokonferenz stattfinden zu lassen. Natürlich mit vielen Pausen, damit Trump umschalten kann, wenn er sich langweilt.

Quelle: n-tv.de

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