Politik
Kim Jong Un
Kim Jong Un(Foto: REUTERS)

Echte Wende oder neuer Bluff: Was will Kim?

Nordkorea erwartet 2013 eine "radikalen Wende" – die Wirtschaft soll reformiert werden, die Aussöhnung mit dem Süden soll beginnen. Das behauptet zumindest Machthaber Kim Jong Un. Aber es gibt Zweifel an seiner Ankündigung. Ist alles nur ein Bluff?

Seit der Machtübernahme von seinem Vater Kim Jong Il vor gut einem Jahr blieb Kim Jong Un eher unscheinbar. Doch nun hat Nordkoreas Machthaber für einen Paukenschlag gesorgt. In einer Neujahrsansprache kündigte er überraschend eine "radikale Wende" in der Politik des hermetisch abgeschotteten Landes an. "Die Geschichte der innerkoreanischen Beziehungen zeigt, dass die Konfrontation zwischen Landsleuten zu nichts als Krieg führt", erklärte Kim.

Erst im Dezember startete Nordkorea eine Rakete, was die Nachbarstaaten beunruhigte.
Erst im Dezember startete Nordkorea eine Rakete, was die Nachbarstaaten beunruhigte.(Foto: dpa)

Mit seiner vom Fernsehen übertragenen Ansprache war Kim Jong Un der erste nordkoreanische Machthaber seit 1994, der sich direkt ans Volk wandte – zuletzt hatte dies sein Großvater Kim Il Sung getan. Auch inhaltlich setzte er sich von seinem Vater ab. 2013 werde ein Jahr "großer Erfindungen und Veränderungen" sein, es werde "eine radikale Wende" geben. Mit einer Beendigung der Konfrontation zwischen Nord- und Südkorea könne "die Teilung des Landes beendet und seine Wiedervereinigung erreicht werden".

"Lebensstandard verbessern"

Zwar verwies Kim zugleich auf die Bedeutung militärischer Stärke für das Land. Aber während sein Vater sich ausschließlich auf den Ausbau der Streitkräfte konzentrierte, obwohl Millionen Nordkoreaner mangelernährt waren, gestand Kim indirekt die schlechten Lebensumstände der Bevölkerung ein. Nordkorea solle ein wirtschaftlicher Riese werden, der Lebensstandard der Menschen müsse verbessert werden, sagte er.

Kurz nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il am 17. Dezember 2011 war Kim Jong Un zu dessen Nachfolger ausgerufen worden. Bis dahin war er nahezu unbekannt. Im September 2010 waren erstmals Bilder von ihm an der Seite seines Vaters veröffentlicht worden. Damals wurde er zum Vier-Sterne-General befördert und mit wichtigen Parteiämtern ausgestattet – sein Vater hatte nach einem Schlaganfall zwei Jahre zuvor seinen jüngsten Sohn systematisch auf die Nachfolge vorbereitet. Als Kim Jong Un – noch keine 30 Jahre alt – an die Macht kam, stützte er sich Experten zufolge zunächst auf die Berater seines Vaters.

Skepsis in Südkorea

Sollte Kim seine Neujahrs-Ankündigungen nun wahr machen, wäre das wirklich eine radikale Veränderung und eine Abkehr von der Politik des Vaters und des Großvaters. Allerdings gibt es Zweifel: "Die Äußerungen bedeuten nicht zwangsläufig eine substanzielle Wende in der Politik Nordkoreas gegenüber dem Süden", sagte Kim Tae Woo vom Südkoreanischen Institut für Nationale Wiedervereinigung. Denn mit dem Start einer Rakete setzte das Land erst im Dezember ein gegenteiliges Zeichen. Außerdem will es neue Raketen bauen und wird verdächtigt, weiter Atomwaffentests zu betreiben. Ob der ungewohnte Tonfall wirklich eine diplomatische Entspannung einläutet, bleibt also noch abzuwarten.

Dennoch kann die Rede als ein Annäherungssignal für Südkoreas künftige Präsidentin Park Geun Hye gewertet werden. Park, die im Februar das Amt übernimmt, will stärker auf den isolierten Nachbarstaat zugehen. Allerdings verlangt sie von Nordkorea den Verzicht auf sein umstrittenes Atomprogramm.

Für Pessimismus sorgen Kims Äußerungen zu Rüstungsvorhaben. Südkoreas Vereinigungsministerium reagierte darum zurückhaltend auf die Rede. Diese sei weitgehend auf der Linie der bisherigen Politik, die Vorrangstellung des Militärs zu verteidigen.

Quelle: n-tv.de

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