Politik
Der Lkw raste auf den Weihnachtsmarkt, zerstörte mehrere Buden. Mindestens neun Menschen starben dabei, viele wurden verletzt.
Der Lkw raste auf den Weihnachtsmarkt, zerstörte mehrere Buden. Mindestens neun Menschen starben dabei, viele wurden verletzt.(Foto: dpa)

De Maizière schließt Anschlag nicht aus: Zahl der Toten in Berlin erhöht sich auf zwölf

Nach dem tödlichen Vorfall auf einem Berliner Weihnachtsmarkt ist weiter unklar, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelt. Laut Innenminister de Maizière spricht "viel" für Letzteres. Derweil besteht der Verdacht, dass der Lkw gestohlen wurde.

Nach der Todesfahrt eines Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt ist die Zahl der Todesopfer in der Nacht von neun auf zwölf gestiegen. 48 weitere Menschen lägen in Krankenhäusern, zum Teil seien sie schwer verletzt, teilte die Polizei am frühen Morgen mit.

Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung auch in unserem Liveticker.

Nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière spricht "viel" für einen Anschlag. "Ich möchte jetzt noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen, obwohl viel dafür spricht", sagte de Maizière in der ARD. Über die Hintergründe gebe es noch keine endgültigen Erkenntnisse. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger sagte: "Nach allem, was wir wissen, müssen wir von einem Terroranschlag ausgehen." Im ZDF sagte de Maizière, die Anschlagsgefahr in Deutschland sei nichts Neues. "Es gab eine hohe Gefahr, wir haben immer darauf hingewiesen." Es habe aber "nicht einen konkreten Hinweis auf einen Weihnachtsmarkt" gegeben.

Bei dem Verdächtigen, der von der Polizei nach kurzer Flucht festgenommen wurde, handele es sich möglicherweise um den Fahrer des Lkw, bestätigte de Maizière. Der Bundesinnenminister sagte weiter, zunächst müsse nun die Identität des Toten, der in dem Lkw gefunden wurde, geklärt werden. Zudem müssten die Aussagen des Verdächtigen geprüft werden. "Dann wird zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Öffentlichkeit informiert werden."

Unklarheit über Lkw

Der festgenommene mutmaßliche Fahrer könnte ein Pakistaner oder Afghane sein, berichtete die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Sicherheitskreise. Weiter hieß es, dass der Mann nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden wohl im Februar als Flüchtling nach Deutschland einreiste. Letzte Gewissheit dafür gab es zunächst noch nicht, da der Mann unterschiedliche Namen verwendet habe und damit seine Identität nicht zweifelsfrei habe geklärt werden können, berichtete dpa. Demnach deutete viel darauf hin, dass der Mann bei der Einreise nach Deutschland als Flüchtling registriert worden sei.

Der Mann war nach dem Vorfall zunächst geflüchtet, wurde später aber an der Siegessäule im Tiergarten festgenommen. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Mann sei den Ermittlern bekannt, allerdings nicht wegen eines terroristischen Hintergrundes, sondern wegen kleinerer krimineller Delikte.

Toter Beifahrer als Pole identifiziert

Bilderserie

Ein weiterer Mann wurde tot in dem Fahrzeug gefunden. Bei ihm handelte es sich um einen polnischen Staatsbürger. Laut Polizei saß er nicht am Steuer des Lkw, als dieser in die Menschenmenge raste.

Unklarheit herrschte über die Herkunft des Fahrzeugs. Die Berliner Polizei teilte über Twitter mit, es bestehe "der Verdacht, dass dieser LKW in Polen von einer Baustelle gestohlen wurde". Die Ermittlungen dazu dauerten an. Der Besitzer des polnischen Lkw-Unternehmens erklärte bereits am Montagabend, dass er seit dem Nachmittag keinen Kontakt mehr zu dem Fahrer habe. "Ich weiß nicht, was mit ihm ist. Er ist mein Vetter, ich kenne ihn seit meiner Kindheit. Ich bürge für ihn", sagte Ariel Zurawski der Nachrichtenagentur AFP. Der Lastwagen transportierte den Angaben zufolge 25 Tonnen Metallprodukte aus Italien.

Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen war laut Polizei von der Seite Kantstraße/Budapester Straße in der Nähe des Bahnhofs Zoo kommend etwa 60 bis 80 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gerast. Dabei wurden mehrere Buden zerstört. Danach sei inzwischen an der Vorderseite stark demolierte Lkw zurück auf die Budapester Straße gefahren und dort zum Stehen gekommen. Zahlreiche Rettungswagen und Einsatzfahrzeuge der Polizei sowie Teams der Spurensicherung waren vor Ort. Polizisten mit Maschinengewehren sicherten das Gelände.

Zahlreiche deutsche Politiker äußerten sich bestürzt. "Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land, der mich wie zahllose Menschen sehr bestürzt", erklärte Bundespräsident Joachim Gauck. "Wir trauern um die Toten am Breitscheidplatz und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Was wir hier sehen, ist dramatisch", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller auf dem Breitscheidplatz.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Frankreich erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen auf seinen Weihnachtsmärkten. Die US-Regierung vermutete einen "Terrorangriff". Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Ned Price, sagte, die USA verurteilten "auf das Schärfste, was ein Terroranschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin gewesen zu sein scheint". Der künftige US-Präsident Donald Trump legte nahe, dass "islamistische Terroristen" hinter der Tat in Berlin steckten.

Die Bundesanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. "Der Generalbundesanwalt übernimmt den Fall", teilte Bundesjustizminister Heiko Maas mit. Die Berliner Polizei erklärte, der Generalbundesanwalt habe ein "paralleles Verfahren eröffnet". In der Hauptstadt selbst seien sieben Staatsanwälte mit den Ermittlungen befasst. De Maizière sagte, die Karlsruher Ermittlungen seien "etwas, das der Generalbundesanwalt zu verantworten hat". Er habe "dafür viel Verständnis". Zunächst müsse nun aber "so weit wie möglich Klarheit" herrschen.

Die Rettungskräfte beendeten derweil in der Nacht zum Dienstag ihren Einsatz. "Die Berliner Feuerwehr hat ihren Rettungseinsatz am Breitscheidplatz beendet", teilte die Polizei auf Twitter mit. Die Zahl der Verletzten bezifferten die Beamten auf 45, darunter mehrere Schwerverletzte.

Nach Angaben von de Maizière muss nun auch geprüft werden, ob und welche Konsequenzen die Ereignisse für die Weihnachtsmärkte in Deutschland haben. CSU-Innenexperte Stephan Mayer forderte eine Sicherheitsprüfung für sämtliche Weihnachtsmärkte in Deutschland.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen