Politik
Bereitet Alexis Tsipras die Griechen auf eine Rückkehr zur "Würde" - beziehungsweise zur Drachme - vor?
Bereitet Alexis Tsipras die Griechen auf eine Rückkehr zur "Würde" - beziehungsweise zur Drachme - vor?(Foto: AP)
Montag, 09. März 2015

Mit Würde, ohne Euro: Athen verspielt jeden Kredit

Ein Kommentar von Hubertus Volmer

Die griechische Regierung setzt auf Drohungen. Ihr müsst uns helfen, sagt sie der übrigen Eurogruppe, sonst zerstören wir den Euro und schicken euch Terroristen. Dieser Erpressungsversuch wird scheitern.

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras betont immer wieder, er wolle sein Land im Euro halten. Viel dafür getan hat seine Regierung nicht - im Gegenteil. Tsipras wirkt wie ein Spieler. Sein Motto: alles oder nichts.

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Er selbst und seine Minister malen Bedrohungen an die Wand, die Europa bewegen sollen, Griechenland bedingungslosen Kredit zu gewähren. Finanzminister Yanis Varoufakis droht im Interview in einer italienischen Zeitung mit einem Referendum über die Euro-Politik. Tsipras sagt dem "Spiegel", wenn man die Griechen fragen würde, ob sie "die Würde" oder eine Fortsetzung "dieser unwürdigen Politik" wollten, "dann würden sich alle für die Würde entscheiden, ganz gleich, welche Schwierigkeiten das mit sich brächte".

Ganz offensichtlich setzt die griechische Regierung darauf, dass die Europäische Union und die Europäische Zentralbank davor zurückschrecken werden, Griechenland fallen zu lassen. Mit der Eurozone sei es wie mit einem Wollpullover, sagt Tsipras. Wenn er anfängt, sich aufzulösen, lässt sich das nicht mehr stoppen.

Aber die Angst vor einem "Grexit" hat in Brüssel und Berlin stark abgenommen. Deshalb ergänzt Athen seine Drohkulisse: Verteidigungsminister Panos Kammenos droht damit, Zehntausende Flüchtlinge auf die Reise nach Deutschland zu schicken. Wenn unter den Flüchtlingen auch Terroristen seien, sei Europa selbst dafür verantwortlich.

Natürlich hat die Europäische Union kein Interesse an wirtschaftlichem und politischem Chaos in Griechenland, und natürlich wird Austerität allein in Griechenland nicht für Wachstum sorgen. Aber Europa darf sich nicht erpressen lassen. Die Europäische Zentralbank hat bereits erklärt, sie werde die griechische Finanzierungslücke auf keinen Fall mit kurzfristigen Anleihen überbrücken, weil dies "illegal" wäre. Tsipras ist das egal. Wenn die EZB auf ihrer Entscheidung beharre, "dann übernimmt sie eine große Verantwortung", sagt er.

Nach der Wahl in Griechenland hatte die griechische Regierung das Recht auf einen Vertrauensvorschuss. Den hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verweigert. Im Nachhinein muss man leider sagen: zu Recht. Tsipras und Varoufakis haben getan, was sie konnten, um Schäubles harte Haltung zu legitimieren. Man könnte sagen: Tsipras hatte keine Chance, aber er hat sie auch nicht genutzt.

Die griechische Regierung will Geld, aber kein Diktat. Das ist so nachvollziehbar wie unrealistisch. Wenn Athen auf diesem Kurs bleibt, wird es in knapp vier Monaten kein drittes Hilfspaket, sondern einen Euro-Austritt geben. Vielleicht ist genau das das Ziel von Tsipras, Varoufakis und Kammenos: der Austritt aus dem Euro, verkleidet als Rückkehr zu nationaler Würde. Es würde einiges erklären.

Quelle: n-tv.de

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