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Aus Brisbane reiste Putin vorzeitig ab. Er müsse am Montag wieder arbeiten, sagte er zur Begründung.
Aus Brisbane reiste Putin vorzeitig ab. Er müsse am Montag wieder arbeiten, sagte er zur Begründung.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Von der DDR lernen: Putin will den Westen zersetzen

Ein Kommentar von Hubertus Volmer

Die Signale, die der russische Präsident Putin sendet, haben vor allem ein Ziel: die Untergrabung von Überzeugungen und die Erzeugung von Zweifeln im Westen. In der DDR hatte diese Strategie einen Namen: Zersetzung.

In seinem Buch "Mafiastaat" von 2011 beschreibt der britische Journalist Luke Harding, wie er in Russland Opfer von Zersetzung wurde. In sein Büro und seine Privaträume wurde mehrfach demonstrativ eingebrochen, ohne dass etwas gestohlen wurde; ein Beamter im Außenministerium in Moskau fragte ihn, ob er nicht Angst um seine Familie habe, wenn er in Russland bleibe. Die russische Regierung wollte Harding nicht einfach loswerden, sie wollte ihn zersetzen.

"Zersetzung" war ursprünglich eine Spezialität der DDR-Staatssicherheit. Als der noch junge KGB-Agent Wladimir Putin 1985 nach Dresden kam, lernte er dieses Instrument kennen und, so darf man annehmen, schätzen. Denn er praktiziert sie bis heute - zuletzt zu sehen in dem NDR-Interview, das bei "Günther Jauch" ausgestrahlt wurde.

Putins Antworten waren klassische Propaganda: Bei dem von ihm lange geleugneten Einsatz russischer Soldaten auf der Krim sei es nur darum gegangen, Blutvergießen zu vermeiden. Es bestehe die Gefahr, dass die Ukraine in Richtung "Neonazismus" abrutsche. Zur Frage nach Waffenlieferungen an die Separatisten sagte Putin, Menschen, die einen Kampf führten und diesen als gerecht empfänden, würden immer Waffen finden.

In die Ukraine ist Putin eingebrochen, bei Ländern, die weiter westlich liegen, sind seine Methoden subtiler. Was der russische Präsident versucht, ist die "zielstrebige Untergrabung von Überzeugungen im Zusammenhang mit bestimmten Idealen, Vorbildern" sowie "die Erzeugung von Zweifeln an der persönlichen Perspektive". Diese Zitate stammen zwar nicht aus dem Handbuch des Kreml, sondern aus einer Stasi-Direktive aus dem Jahr 1976. Aber genau das ist es, was russische Staatsmedien versuchen. Genau das war das Ziel des NDR-Interviews vom Sonntagabend. Und das ist es auch, was Putin in EU-Staaten wie Ungarn, Bulgarien oder Zypern anstrebt - und in Serbien, das der Europäischen Union nicht angehört, sich ihr aber annähern will.

Putin gibt sich gern defensiv, er spricht gern darüber, dass die unipolare Weltordnung auf eine Diktatur über Völker und Länder hinauslaufe. Sein Ziel ist jedoch nicht eine auf Ausgleich und Verständigung gerichtete Ordnung. Sondern eben die "Zersetzung" des Westens. Es gibt durchaus gemeinsame Interessen zwischen Europa und den USA auf der einen und Russland auf der anderen Seite, doch sie interessieren ihn nicht. Das macht den Umgang mit Putin so schwierig.

Quelle: n-tv.de

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