Centre Pompidou bringt Metz GlanzFrankreichs Museum Nummer 1
Spektakuläre Holz- und Stahlarchitektur: Vor etwa einem Jahr, am 12. Mai 2010, hat das Centre Pompidou-Metz seine Pforten geöffnet. Es ist der erste Ableger des gleichnamigen großen Pariser Museums in der französischen Provinz. Mit fast drei Mal so viel Besuchern wie ursprünglich erhofft hat das neue Kunst- und Kulturzentrum alle Erwartungen übertroffen.
Metz hat viel gewagt und haushoch gewonnen. Ein Jahr nach seiner Eröffnung hat das Centre Pompidou-Metz (CPM), der erste Ableger des gleichnamigen Pariser Museums, rund 800.000 Besucher angezogen und damit alle Erwartungen übertroffen. Das Kunst- und Kulturzentrum ist auf dem besten Weg, das neue Wahrzeichen der lothringischen Hauptstadt nahe der deutschen Grenze zu werden.
Der Leiter des Centre Pompidou-Metz, Laurent Le Bon, lässt jedoch Vorsicht walten. Er will keine voreiligen Schlüsse ziehen und weder von Triumph noch von einem Siegeszug reden. "Das ist ein schönes Abenteuer, das jedoch erst beginnt", erklärt er bescheiden.
Fast dreimal so viele Besucher wie erhofft
Auf 300.000 Besucher hat man gehofft, fast drei Mal so viel sind gekommen. Damit ist das Centre Pompidou-Metz die Nummer 1 auf der Liste der meistbesuchten Museen der französischen Provinz. Ein Erfolg, der auf die spektakuläre Holz- und Stahlarchitektur zurückzuführen ist, die Eröffnungsausstellung "Meisterwerke?" oder dem Neuheitseffekt? "Das ist schwer zu sagen. Von allem etwas, denke ich", sagt Le Bon.
87 Prozent der Besucher stammen aus Lothringen. Für den CPM-Chef ein Erfolg, denn die lokale und regionale Akzeptanz sei für die dauerhafte Zukunft der Dependance wichtig. Aus dem Leiter spricht ein Pragmatiker und Realist, der Angst vor Strohfeuern hat. Eine durchschnittliche Besucherzahl von 400.000 wäre für ihn ideal und vom vorhandenen Personal auch zu bewältigen.
Mehr Kultur in die Provinz
Damit scheint das Konzept der französischen Regierung, die Kultur mehr zu dezentralisieren und in die Provinz zu bringen, aufzugehen. Aber auch der von den Stadtoberen angestrebte "Bilbao-Effekt", Metz - wie die spanische Stadt mit ihrer Guggenheim-Filiale - zum Touristenmagnet zu machen, hat sich offenbar schon eingestellt.
Rund zwei Fünftel der Museumsbesucher hätten erstmals ihren Fuß in die Stadt gesetzt, rechnete der Chef der Wirtschaftsentwicklung für die Metropolregion, Thierry Jean, schon im November vor. Viele Touristen hätten nicht nur in der Stadt eingekauft, gegessen oder übernachtet, sondern auch die Schönheiten von Metz schätzen gelernt.
Weg vom Bergbau-Image
"Metz ist das Aix-en-Provence von Ost-Frankeich", meint Emmanuel Martinez, den es für seinen Job als CMP-Generalsekretär aus Paris in die Provinz verschlug. Denn die lothringische Metropole im oft vergessene" Ostfrankreich will weg von ihrem Image einer von Industrie und Bergbau geprägten schmutzigen Garnisonsstadt.
Metz hat sich seine 10.000 Quadratmeter große Kulturlokomotive, die manche an einen chinesischen Strohhut, andere an ein Zirkuszelt oder gar an eine Schlumpfhütte erinnert, einiges kosten lassen: rund 70 Millionen Euro. Den Löwenanteil für das Gebäude des japanisch-französischen Architekten-Duo Shigeru Ban/Jean de Gastines hat die Stadt übernommen.
Vielversprechendes Programm
Eine Bilanz ohne Fehl und Tadel? Fast. Im Winter gab es den ersten Bauschaden. Unter der Schneelast riss an einer Ecke die Zeltplane ein. Das Museum hatte damals vorsichtshalber für einen Tag geschlossen. Doch das hat dem Image des Museums offenbar keinen Schaden zugefügt. Wenn es etwas zu verbessern gäbe, dann den Prozentsatz der ausländischen Besucher, von denen die meisten aus Luxemburg angereist kamen, gefolgt von Belgien, Deutschland und den Niederlanden.
Auch diese Herausforderung könnte das Centre Pompidou-Metz mit Bravour meistern. Das zukünftige Programm ist vielversprechend. Mit dem Starkünstler und vierfachen Dokumenta-Teilnehmer Daniel Buren, der derzeit "Echos, Arbeiten in situ" zeigt und der am 11. September beginnenden Ausstellung "Verirre dich, labyrinthische Variationen" mit Werken bekannter Künstler wie Marcel Duchamp und Thomas Hirschhorn setzt Metz wieder auf Siegerkarten.