Wirtschaft
Ex-Vorstandschef von Volkswagen, Martin Winterkorn.
Ex-Vorstandschef von Volkswagen, Martin Winterkorn.(Foto: imago/Sven Simon)
Donnerstag, 05. Januar 2017

Winterkorns Rente sorgt für Ärger : 3100 Missverständnisse - pro Tag

Ein Kommentar von Axel Witte

Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Manager und einem Unternehmer? Richtig, ersterer muss für den Mist, den er baut, nicht geradestehen und kann dennoch reich werden. Zeit also, die Verantwortung von Industriesöldnern zu überdenken.

Nein, dies ist kein Text über Anstand oder Sozialneid. Auch wenn sich selbst Stimmen aus dem konservativen politischen Lager angesichts der Höhe der Rentenzahlungen für den früheren Vorstandschef von Volkswagen, Martin Winterkorn, empört zeigen. Vielmehr ist dies der Versuch, ein Nachdenken über Sinn und Unsinn von Unternehmensführung, Verantwortung und damit einhergehender Vergütung anzuregen. Denn die bisherige Handhabung ist - zurückhaltend formuliert - fragwürdig.

Klar ist: Der Mensch will vorankommen. Als Individuum und in der Gemeinschaft. Ohne diesen Antrieb gäbe es keine Entwicklung, keinen Fortschritt. Wir würden heute noch auf Bäumen leben oder in Höhlen wohnen, wenn dem nicht so wäre. Und das ganz ohne Smartphone. Undenkbar. Sprich: Der Mensch lebt von seinen Egoismen. Klar ist auch, dass unser heutiges Leben in weiten Teilen der Welt aus Angebot und Nachfrage besteht. Übertragen auf Deutschland und den VW-Konzern bedeutet dies, dass es vollkommen legitim ist, für sich selbst bei Vertragsverhandlungen die bestmöglichen Konditionen herauszuschlagen. Und seien es 3100 Euro Rente pro Tag, ein zuvor mehr als üppiges Gehalt und Bonuszahlungen. Alles zahlbar auch bei Misserfolg. Womit wir wieder bei Martin Winterkorn wären.

Dass dieser nicht angesichts dessen, wohin er als Verantwortlicher VW geführt hat, freiwillig auf seine Ansprüche verzichten möchte, mag den Otto-Normalverbraucher irritieren. Ein Recht auf Enteignung gibt es aber in Deutschland nicht. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch sind Verträge einzuhalten. Das gilt auch für den Kontrakt von Martin Winterkorn - dessen Forderungen im übrigen seinerzeit auch das Land Niedersachsen als Anteilseigner des Großkonzerns zugestimmt hat. Wohl auch aus dem Glauben heraus, dass Topkräfte auch nur gegen Topkonditionen ohne Einschränkungen zu haben sind. Und genau hier liegt mitunter der große Irrtum bei der Unternehmensführung international tätiger Großkonzerne, welche deren leitendenden Angestellten für sich zu nutzen wissen.  

Denn dass es auch anders geht, zeigen zigtausende erfolgreiche Unternehmer in Deutschland: Die kassieren nur im Erfolgsfall. Bei Misserfolg ist die Kohle weg. Das führt in aller Regel zu Sorgfalt und Verantwortung bei unternehmerischen Entscheidungen. Im Falle von Industriesöldnern wie Martin Winterkorn führt so ein Funktionärsdasein stattdessen dann eben auch mal zu persönlicher Hybris, Unbescheidenheit - und noch schlechter: zur Gefährdung vieler Existenzen. Allerdings die der Mitarbeiter und nicht der eigenen. 

Keine schlechte Zeit also, mal wieder ernsthaft über die Rolle von Top-Managern und deren Vergütung in Relation zu ihrer Verantwortung nachzudenken. Es wäre sicher nicht das Schlechteste, diese bei mieser Perfomance finanziell weniger üppig zu bedenken - großzügige Gehälter, Boni und Versorgungsansprüche also vertraglich auszuschließen. Im Falle der Personalie Winterkorn ist daran aber nichts mehr zu ändern. Auch wenn dies viele bedauern mögen.  

Quelle: n-tv.de

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