Wirtschaft

Den Kunden geht es wieder besserAmex legt kräftig zu

23.07.2010, 07:23 Uhr

Die wiedererwachte Lust am Konsum und geringere Kreditausfälle bescheren American Express ein glänzendes Quartalsergebnis: Der US-Kreditkartenanbieter kann seinen Gewinn verdreifachen. Amex-Chef Chenault bleibt trotzdem vorsichtig.

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Kenneth Chenault sieht sofort, wie es um die Finanzen der Amerikaner steht. (Foto: Reuters)

Der US-Finanzkonzern American Express (Amex) muss sich in den letzten Monaten mit deutlich weniger Schuldnern herumschlagen. Nachdem sich die wirtschaftliche Lage

entspannt hat, zahlen immer mehr Kunden ihre Kreditkarten-Rechnungen wieder pünktlich.

Im zweiten Quartal verdreifachte sich der Gewinn gegenüber dem krisengeschüttelten

Vorjahreszeitraum auf 1,02 Mrd. Dollar, wie der Konzern am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte. Das entspricht einem Gewinn je Aktie von 84 Cent. Analysten hatten im Schnitt lediglich

mit 78 Cent gerechnet. Im Vorjahresquartal war die Bilanz von der Rückzahlung von

Staatshilfen in Höhe von 3,4 Mrd. Dollar belastet worden. Der Umsatz des Plastikgeld-Anbieters

legte im zweiten Quartal 2010 um 13 Prozent auf 6,9 Mrd. Dollar zu.

Bei der Vorstellung der Zahlen in New York brach Konzernchef Kenneth Chenault dennoch nicht in Jubel aus: "Wir bleiben vorsichtig in punkto Wirtschaft". Auch

neue Gesetze könnten laut Chenault Gefahren für das Unternehmen bergen. Mit dieser Aussage bezog sich Chenault offensichtlich auf die Finanzmarktreform in den USA. Das Gesetz dazu hatte US-Präsident Barack Obama erst Mitte der Woche .

Doch im abgelaufenen Quartal brummte das Amex-Geschäft noch unabhängig von den künftigen Rahmenbedingungen. Die Kunden gaben nach Konzernangaben mit ihrem Plastikgeld 16 Prozent

mehr aus. Das war vor allem den Geschäftskunden geschuldet.

Viele Privatleute hielten sich dagegen weiter zurück und zahlten lieber ihre angehäuften

Schulden ab.

Der Konsummotor springt an

Die positive Seite: American Express musste für ausstehende Kredite

nur noch Rückstellungen über 652 Mio. Dollar bilden. Im Vorjahreszeitraum waren

es noch 1,6 Mrd. Dollar gewesen. Bereits seit dem Jahreswechsel hatte sich

die Lage deutlich entspannt. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 22 Prozent auf 16,0 Mrd. Dollar. Vor

allem das Geschäft in der Heimat legte zu und warf wieder dicke Gewinne ab. In der

Rezession hatte American Express hier hohe Verluste eingefahren. Das internationale

Geschäft dagegen hielt sich die ganze Zeit über vergleichsweise gut.

Anders als die Wettbewerber Visa und Mastercard muss American

Express platzende Rechnungen selbst verkraften. Bei den zwei Rivalen liegt das Risiko

bei den Partnern, die die Karten ausgeben. Visa will seine Zwischenbilanz am 28.

Juli vorlegen, Mastercard folgt am 3. August.

Die großen Wall-Street-Häuser hatten bereits in den vergangenen

Tagen Hoffnung auf ein Ende der massiven Kreditausfälle gemacht. Der Chef eines

der größten Kreditgebers der Vereinigten Staaten, , sprach von einer

Wende. In der Krise waren viele Firmen pleite gegangen, die Menschen wurden arbeitslos

und konnten ihre Raten nicht mehr zahlen.

Vor diesem Hintergrund kamen die American-Express-Zahlen an den Börsen gut an. Die Aktie des Visa-Konkurrenten stieg nachbörslich um fünf Prozent.

Quelle: mmo/dpa/rts