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Ergebnisziel kassiert: Energiewende frisst Eon-Gewinn

Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch von 50 Prozent bei Eon. Und es kommt noch schlimmer. Der Versorger kürzt seine Jahresprognose. Einen Lichtblick für das größte deutsche Energieunternehmen liefern dagegen die Kostensenkungen.

Deutschlands größtem Versorger setzt die Energiewende weiter massiv zu. Angesichts der immer bedeutsameren Konkurrenz durch Strom aus Wind und Sonne hat Eon auch im dritten Quartal deutlich weniger an der konventionellen Stromerzeugung verdient als noch ein Jahr zuvor. Die Ergebnisse des Versorgers schrumpften zudem wegen steigender Ausgaben für CO2-Zertifikate, des Verkaufs von Konzernteilen und eines Ergebnisrückgangs im Gas-Transportgeschäft. Eon senkte vor dem Hintergrund auch die eigene Gewinnprognose. Der Konzern geht für das Gesamtjahr nun von Ergebnissen am unteren Rand der früheren Schätzungen aus. Am Markt rücken die Eon-Titel in den Fokus.

Angesichts der Analystenvorhersagen kann die Ergebnisentwicklung der vergangenen Monate allerdings nicht überraschen. Das um Sonderfaktoren bereinigte nachhaltige Nettoergebnis, nach dem Eon die Dividende bemisst, schrumpfte in den ersten neun Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 53 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Analysten hatten mit der Halbierung gerechnet. Sie prognostizierten im Durchschnitt einen Einbruch um 52 Prozent.

Die Entwicklung ist allerdings nicht allein den Verwerfungen auf dem Strommarkt geschuldet: Im Ergebnis des Vorjahres ist eine einmalige Rückzahlung des Gaslieferanten Gazprom in Höhe von rund 1 Milliarde Euro enthalten gewesen. Unter dem Strich - also nach Berücksichtigung aller Sonderfaktoren - ging der Gewinn im Neunmonatszeitraum von 2,7 Milliarden Euro auf 2,6 Milliarden Euro zurück.

Kostensenkungen machen sich positiv bemerkbar

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Auch im operativen Geschäft fiel der Gewinnrückgang gravierend aus. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank zwischen Januar und Ende September um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 7,1 Milliarden Euro. Die Analysten hatten mit einem Minus um 18 Prozent gerechnet.

Unter anderem Kostensenkungen durch das Sparprogramm Eon 2.0 machten sich positiv bemerkbar. Sie konnten die Gewinnrückgänge etwa im Stromerzeugungsgeschäft aber nicht ausgleichen. Auch der Umsatz nahm ab: Eon erlöste mit 89,3 Milliarden Euro rund 5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Unrentable Kraftwerke? Vom Netz!

Für das gesamte laufende Geschäftsjahr geht Eon nun von einem EBITDA zwischen 9,2 Milliarden und 9,3 Milliarden Euro aus. Dieser Wert berücksichtigt nach Angaben des Unternehmens schon den Wegfall von Ergebnisbeiträgen durch den Verkauf von Beteiligungen im Rahmen des Desinvestitionsprogramms. Den nachhaltigen Konzernüberschuss sieht Eon jetzt zwischen 2,2 Milliarden und 2,4 Milliarden Euro. Der Konzern ging bislang von einem EBITDA zwischen 9,2 Milliarden und 9,8 Milliarden Euro aus. Der nachhaltige Konzernüberschuss sollte vor der Aktualisierung 2,2 Milliarden bis 2,6 Milliarden Euro erreichen.

Die Ergebnisentwicklung der nächsten Jahre ist unter anderem von politischen Entscheidungen abhängig. Weil Strom aus Solar- und Windkraftanlagen zeitweise im Überfluss zur Verfügung steht, können Eon und andere Energiekonzerne Elektrizität etwa aus Gas- und Kohlekraftwerken immer seltener und nur zu sinkenden Preisen absetzen. Die Versorger hoffen deshalb auf eine zusätzliche Vergütung dafür, dass ihre Kraftwerke bei wenig Sonne und Wind die Stromversorgung stabilisieren.

Eon plant gleichwohl, unprofitable Kraftwerke vom Netz zu nehmen. Ähnlich reagieren die Konkurrenten RWE und EnBW.

Aktienkurs steigt

Anleger fanden erst auf den zweiten Blick Gefallen an den Eon-Zahlen: Die Aktien kletterten kurz nach Handelsbeginn um 1,4 Prozent auf 13,67 Euro. Im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz hatten die Titel noch leicht schwächer notiert. "Die Zahlen sind nicht berauschend, aber eben doch nicht so schlimm wie befürchtet ausgefallen," sagte ein Händler. Auch die Prognoseeinengung sei keine allzu große Enttäuschung. "Immerhin liegt sie noch im Rahmen der bisherigen Spanne." Vorstandschef Johannes Teyssen erwartet im Gesamtjahr ein bereinigtes Ebitda von 9,2 bis 9,3 Milliarden Euro statt 9,2 bis 9,8 Milliarden Euro.

RWE, die am morgigen Donnerstag ihre Zahlen vorlegen wollen, notierten 0,7 Prozent fester.

Quelle: n-tv.de

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