Wirtschaft
Das Schloss ist für die Stiftung: Frank Asbeck (Archivbild).
Das Schloss ist für die Stiftung: Frank Asbeck (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Solarworld-Chef investiert in Immobilien: Asbeck kauft Gottschalk-Schloss

Rechtzeitig vor dem jüngsten Kursrutsch bei Solarworld trifft Frank Asbeck eine pikante Anlageentscheidung: Der Solar-Pionier lenkt einen Teil seines Vermögens in eine herausragend gelegene Immobilie. Hoch über dem Rhein übernimmt er das Schloss von TV-Star Thomas Gottschalk.

Ein Schloss am Mittelrhein: Schutz und Trutz in Börsenstürmen.
Ein Schloss am Mittelrhein: Schutz und Trutz in Börsenstürmen.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Der Chef des Bonner Photovoltaikkonzerns Solarworld, Frank Asbeck, hat dem Entertainer Thomas Gottschalk ein Schloss abgekauft. Der Erwerb liege schon länger zurück, erklärte Asbeck, dessen Konzern Solarworld derzeit wirtschaftlich schwere Zeiten durchläuft. Vor dem Wochenende war der Aktienkurs des Unternehmens um gut 30 Prozent abgerutscht. Zuvor hatte der TecDax-Konzern seine Anteilseigner auf "gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegeben Anleihen und Schuldscheindarlehen" vorbereitet.

Das Anwesen Marienfels bei Remagen am Mittelrhein soll Sitz seiner gemeinnützigen Stiftung werden, sagte Asbeck und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers". Dass Gottschalk sich von der Immobilie trennen wolle, war erst Mitte November des vorigen Jahres bekannt geworden. "Der potenzielle Käufer sollte schon einen Bausparvertrag von deutlich über fünf Millionen Euro haben, wenn er sich ein Schloss leisten will", hatte der Entertainer damals erklärt. Namen etwaiger Interessenten hatte Gottschalk dabei nicht genannt.

Der Preis für das Schloss mit 14 Zimmern und 800 Quadratmetern Wohnfläche sowie freskenverziertem Pool soll nun Zeitungsberichten zufolge tatsächlich bei mehr als fünf Millionen Euro gelegen haben. Zu dem Anwesen gehören demnach weitere 100.000 Quadratmeter Waldgelände. Der Käufer wollte sich nicht zur Investitionssumme äußern.

Asbeck zählt zu den schillerndsten Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. Unbestritten ist, dass er das Potenzial der klimafreundlichen Sonnenenergie sehr viel früher als die meisten anderen Investoren erkannte und über lange Zeit auch profitabel zu nutzen wusste. Mit der Gründung der Firma Solarworld im Jahr 1998 in seiner Bonner Heimat bewies der heute 53-jährige Unternehmer ungewöhnliche Weitsicht und Pioniergeist.

Gespür für langfristige Entwicklungen

Im Zuge der rasch anwachsenden Geschäfte mit "sauberer Energie" brachte er das Unternehmen bereits 1999 an die Börse - lange vor der Fukushima-Katastrophe und der anschließenden großen Wende in der deutschen Energiepolitik hatte Asbeck einen der wichtigsten Adressen in der jungen Photovoltaikbranche geschaffen. Jahrelang gehörte die Aktie zu den Börsenstars. Asbeck hält rund 28 Prozent an dem Unternehmen.

Seine gesamte Karriere ist außergewöhnlich. Der Diplom-Ingenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika auf der Suche nach Geschäftsmöglichkeiten. Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Selfmademan zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen.

Im November 2008 sorgte Asbeck für Schlagzeilen, als er das angeschlagene Autounternehmen Opel vom Mutterkonzern General Motors für eine Milliarde Euro übernehmen und zu einem "grünen Autobauer" machen wollte. Der Plan scheiterte an den undurchsichtigen strategischen Überlegungen in Detroit.

"Das hat nichts mit Insolvenz zu tun"

Zum Schrecken aller Solarworld-Aktionäre muss das einstige Vorzeigeunternehmen mittlerweile um seine Zukunft kämpfen. Die anhaltende Krise in der Solarbranche und der harte Wettbewerb mit China bringen den Bonner Konzern finanziell immer stärker in Bedrängnis. Gläubigern droht nun eine Art Schuldenschnitt.

Der Aktienkurs von Solarworld brach vor dem Wochenende scharf ein. Börsianer reagierten damit auf die jüngsten Ankündigungen zur Stabilisierung des Unternehmens. Solarworld-Chef Asbeck sieht trotz allem eine positive Perspektive für sein Unternehmen. Er kündigte weitere Maßnahmen zur Kostensenkung an.

Es gehe zur Schuldenreduzierung um unterschiedliche finanzwirtschaftliche Maßnahmen, sagte Asbeck. Dabei würden auch Gespräche mit Banken geführt. "Das hat nichts mit einer Insolvenz zu tun." Daneben könne es im operativen Bereich bei den Arbeitsplätzen zu "geringfügigen weiteren Anpassungen" auf der Lohnkostenseite kommen, sagte Asbeck.

Schuldenschnitt für Gläubiger

Hier sei die wesentliche Arbeit aber bereits im Jahr 2012 "mit einem umfangreichen Paket" auch mit Entlassungen und Kurzarbeit gemacht worden. Derzeit gebe es Kurzarbeit am Produktionsstandort Freiberg (Sachsen). Bei neuen Umstrukturierungen gehe es um Reduzierung der Lohnkosten von unter 10 Prozent. Solarworld hat bereits rund 500 Stellen abgebaut und inzwischen rund 2500 Beschäftigte.

Es stünden "gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegeben Anleihen und Schuldscheindarlehen" an, hatte das Unternehmen vor zwei Tagen mitgeteilt. Solarworld sprach zugleich von einer "positiven Fortführungsprognose". Nach Ansicht von Experten dürfte aber ein Gläubigerverzicht unumgänglich sein.

Der frühere Schlossbesitzer, der bekannte TV-Moderator Thomas Gottschalk, sucht unterdessen weiter nach einem neuen beruflichen Betätigungsfeld. Nach seinem Abschied als Gastgeber bei "Wetten, dass ..?", dem Scheitern eines Vorabendprojekts bei der ARD und den Gastauftritten beim RTL-"Supertalent" verhandelt der Entertainer derzeit unter anderem mit dem Westdeutschen und Bayerischen Rundfunk über eine neue Abendshow.

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Quelle: n-tv.de

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