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"Dieses Format hält alles aus, selbst mich."
"Dieses Format hält alles aus, selbst mich."(Foto: dpa)

Lanz trifft Gottschalk: Thea war 'ne Granate

Von Sabine Oelmann

Von einem Versöhnungstreffen war die Rede, von einer Aussprache, vielleicht sogar von einer Entschuldigung. Doch nichts davon geschieht: Zwei Männer sitzen sich gegenüber. Der eine stellt, wie üblich, gut vorbereitete Fragen. Der andere redet. Viel. Vor allem über seine Frau.

Der neue und der alte "Wetten dass ..?"-Moderator: Thomas Gottschalk (r.) besucht Markus Lanz.
Der neue und der alte "Wetten dass ..?"-Moderator: Thomas Gottschalk (r.) besucht Markus Lanz.(Foto: dpa)

Wenn Gottschalk der Papst ist, wer ist dann Markus Lanz? So eine Art Messdiener? Oder eher so etwas wie Georg Gänswein, sein Privatsekretär? Der Georg Clooney unter den Privatsekretären, wenn man es genau nimmt. Wie kommen wir darauf? Naja, es wurde einmal behauptet, der einzige Mann, der in lila und in einem Rock gut aussehen würde, wäre Thomas Gottschalk – diese Kombination wird sonst nur hinter den Mauern des Vatikans getragen. Jedenfalls saßen da nun zu später Stunde zwei "krankhafte Quatschonkel", wie sie sich selbst bezeichneten, im ZDF-Studio in Hamburg, und statt weiteren Gästen, wie sonst, widmete sich Markus Lanz komplette 76 Minuten seinem einzigen Gegenüber, Thomas Gottschalk.

Der fühlte sich sichtlich wohl bei seinem Gastgeber und "Wetten, dass..?"-Nachfolger Markus Lanz. Gottschalk, wie immer extravagant gekleidet, mit goldlockigem Haar, machte deutlich, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehöre und der Fernsehnation – unter Umständen auf mehreren Kanälen – noch immer sehr viel mitzuteilen habe. Nur eines stellte er gleich klar: Gegen seinen jüngeren Kollegen parallel ansenden werde er nie, versprach der Show-Mann.

Markus Lanz hatte dieses Mal ein einfaches Spiel: Gottschalk braucht nur ein kleines Stichwort, schon plappert er los. Und das muss man ihm lassen: Er kann es. Er gewinnt das Publikum für sich. Mit seiner flapsigen Art verging die Zeit wie im Flug: Immer einen Spruch auf den Lippen, mit Anekdoten aus vier Jahrzehnten Showbusiness und einer großen Portion Selbstironie.

Eigentlich hätte Lanz nur eine einzige Frage stellen müssen – es wäre kein Problem für Gottschalk gewesen, das Format zu füllen. Braucht ein Thomas Gottschalk zu Hause eigentlich auch den Applaus? "Wie sollte man sich das denn vorstellen", will er wissen. "Dass eine Erkennungsmelodie beginnt, sobald ich die Küche betrete? Dass meine Kinder klatschen und meine Frau auf die Knie sinkt, weil sie mich so anbetungswürdig findet?"

Gottschalk plaudert übers Private

Gottschalk lacht, er weiß, das sind die Dinge, die die Leute hören wollen. Noch etwas wollen die Menschen von ihm: Nähe. Und die gibt er. So erzählt er, wie es ist, wenn er beispielsweise die Straße überquert oder eine Bäckerei betritt und wie er möglichst wenig Distanz zu anderen sucht. Er will einfach der Thommy sein. Es gelingt ihm. Thomas Gottschalk gehört zu den ganz wenigen, denen es anscheinend in die Wiege gelegt wurde, ein begnadeter Fernsehmoderator zu werden. Sicher hatte er seine Ausfälle und Momente, wo man dachte, jetzt könnte er mal eine Weile vom Bildschirm verschwinden, aber dazu besitzt das Fernsehgerät ja auch eine Aus-Taste auf der Fernbedienung.

Bilderserie

Es ging um Vieles in dieser guten Stunde – um das Älterwerden, das ihm keine Angst macht, um Klamotten, Häuser, Sendungen – und bei allem findet er den Dreh doch glaubhaft zu versichern, dass er auch gut ohne den ganzen Zinnober könnte. Viel erfahren wir jedoch in so noch nie da gewesener Offenheit über den privaten Thomas Gottschalk.

Er verrät uns das Geheimnis seiner langen Ehe ("Thea ist nie vor mir in die Knie gegangen") und was sie ausmacht: "Thea und ich sind in einer Kellerwohnung gestartet, haben uns ins Dach hochgearbeitet, und jetzt haben wir wohlverdient in meinem Schloss gesessen", grinst er. "Das ist gut. Aber das Beste daran ist, dass Thea und mir immer klar war, diese Zeit könnte einmal zu Ende gehen. Und dann müssen wir wieder zurück in die Kellerwohnung – und sie wäre immer an meiner Seite gewesen, ohne Wenn und Aber." Er meint tatsächlich, er hätte überhaupt kein Problem damit gehabt, wenn alles in die Hose gegangen wäre. Man könnte es ihm fast glauben.

Kein "Vorabendversager"

Um aber auch ab und zu zum Zuge zu kommen, hält Lanz sich dieses Mal mit gegoogelten Weisheiten zurück, und darum will er zwischendurch lieber auch mal wissen: "Ist das ein privater oder ein dienstlicher Anzug?" Und endlich erfahren wir, wie Gottschalk so ist im wirklichen Leben: Er geht tatsächlich gerne einkaufen, er mag Mode, er wurde von seiner Mutter geerdet, und er scheint tatsächlich nicht abgehoben. Gottschalk freut sich über das tägliche Leben. Und: "Ich kann mir Scheiße schönreden, das mach' ich dauernd, ich guck in den Spiegel und denke, willst du das wirklich sehen?"

Lanz (l.) sieht mit angegrautem Haar jünger aus als die blonde Showmaster-Legende Gottschalk.
Lanz (l.) sieht mit angegrautem Haar jünger aus als die blonde Showmaster-Legende Gottschalk.(Foto: dpa)

Er wirkt recht ironisch, als er über seine "vergeigte Zeit am Vorabend" redet. "Mir ist aber noch nie jemand begegnet, der mich mit "Vorabendversager" bezeichnet hätte. Und wenn der Lanz eine echte Steilvorlage bekommt, dann greift er auch zu: "Dieses Format hält alles aus, selbst mich", sagt er und lacht. Hier sitzen zwei, die sich ernst nehmen und mögen, deswegen hat Gottschalk auch noch ein paar Lebenstipps für den Markus und die Zuschauer: " Bloß nicht alles so ernst nehmen", rät er.

Gottschalk beweist, dass er tatsächlich zu den wenigen Menschen gehört, die Schund in Gold verwandeln können. "Nach meinem Streit mit Silbereisen hab’ ich mich mit dem doch längst wieder vertragen, dafür lasse ich sogar James Bond beziehungsweise Pierce Brosnan an einer Bar auf Mallorca sitzen."

In der "Loslassphase" angekommen

Aber bleiben wir noch ein bisschen bei Thea, denn diese Gelegenheit wird so schnell nicht wiederkommen – man weiß tatsächlich wenig über ihn und seine Familie und das Geheimnis seiner langen Ehe. Gottschalk braucht die Sicherheit in der Ehe und in der Familie ("Ich kann mich auf Thea verlassen").

Gegen Klatsch und Tratsch und sogar Gossip aus dem Internet hat Gottschalk prinzipiell nichts, außer, wenn es ans Eingemachte geht: "Bloß, wenn man einmal neben John Travolta steht, ist man schon Scientologe." Aber er sei in einer Loslassphase, behauptet der TV-Veteran, ihm mache vieles nicht mehr so viel aus wie früher. "Zum Glück sind meine Kinder ganz anders, sie denken zuerst und reden dann, ganz anders als ihr Vater", gibt er noch zu bedenken, als Lanz nochmal nach seinen Kindern fragt.

"Sie redet mehr als ich"

Und dann verrät er noch, was er seit mittlerweile 40 Jahren macht, um seine Ehe auch weiterhin am Leben zu erhalten: "Als ich Thea 1972 auf dem Medizinerball in München kennengelernt habe, war sie eine echte Granate", und der junge Radiomoderator mit der Absicht, Germanistik zu studieren und dann Lehrer zu werden, wollte unbedingt ein Date. Er bekam es. Seitdem versucht er, seiner Frau Spaß zu bereiten. "Was passiert nach der ersten Verliebtheit? Was ist, wenn das weg ist? Da helfen dann gemeinsame Interessen und der Spaß."

Und vielleicht auch, dass der Schnell- und Vielredner ab und zu doch mal Luft holen muss – das sind nämlich die Gelegenheiten, bei denen sowohl seine Frau reingrätscht ("Sie redet mehr als ich") und auch Markus Lanz, der sich jedoch dezent zurücknimmt an diesem Abend.

Noch einmal "Supertalent"?

Und so erfahren wir noch, dass Gottschalk den größten Respekt vor Günther Jauch und Frank Elstner hat, dass er bei seiner verpatzten ARD-Vorabend-Show ordentlich Federn gelassen hat, sich dennoch nicht als Verlierer fühlt, und dass er noch darüber nachdenken muss, ob er eine weitere Runde "Supertalent" mitmachen möchte.

"Jetzt kommen die Live-Shows, da greif’ ich an", sagt er noch und schon ist die Zeit zu Ende. Da geht noch was beim Herrn Gottschalk, soll das vermutlich heißen, da ist noch lang noch nicht Schluss.

Quelle: n-tv.de

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