Wirtschaft
So könnte die iWatch aussehen, finden Apple-Fans. (Bild: Redmond Pie/ Blog)
So könnte die iWatch aussehen, finden Apple-Fans. (Bild: Redmond Pie/ Blog)

"Es ist Zeit": Aufregung um iWatch

Von Samira Lazarovic

Kommt nach dem iPhone und dem iPad jetzt die iWatch? Die Gerüchte verdichten sich, dass Apple über eine smarte Uhr nachdenkt. Höchste Zeit, heißt es in der eingeschworenen Apple-Gemeinde. Die Konkurrenz brachte bisher noch kein Erfolgsprodukt hervor. Nur ein Startup sorgt für Furore.

Ist das das Comeback der Armbanduhr? Das Accessoire schien in den vergangenen Jahren vom Aussterben bedroht zu sein, mehr und mehr ersetzte die Zeitanzeige auf den Handys den Chronographen am Handgelenk. Doch was wäre, wenn eine Uhr mehr könnte als nur die Zeit anzeigen? Und wenn das Ganze auch noch von Apple käme? Die Aufregung ist so groß, wie sie 1974 gewesen sein muss, als Casio mit seiner ersten Digitaluhr für große Augen sorgte. Sechs Jahre später verblüffte das japanische Unternehmen mit der ersten digitalen Armbanduhr mit Rechnerfunktion. Wer so was trug, konnte quasi auch ins Weltall fliegen.

Ein Taschenrechner holt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, aber was wäre, wenn man das ganze Internet in einer Uhr haben könnte? Das wäre wie James Bond, Star Trek und MacGyver zusammen, schwärmen Technikfans. Und möglicherweise müssen sie nicht mehr lange darauf warten: Apple experimentiere mit verschiedenen Design-Varianten, schreiben das "Wall Street Journal" und die "New York Times". Demnach schweben dem Konzern Geräte mit einer Oberfläche aus gebogenen Glas vor, die wie das iPhone mit dem Betriebssystem iOS laufen sollen. Über die Funktechnik Bluetooth sollen die Nutzer Daten ans iPhone weiterleiten können, heißt es. So könnten Schlafgewohnheiten aufgezeichnet oder wichtige Körperfunktionen beim Jogging überwacht werden. Ähnliche Fähigkeiten haben die beliebten Sportarmbänder von Nike und Jawbone. Mit der Nike-Variante ist Apple-Chef Tim Cook bereits selbst gesehen worden.

Uhr an iPhone, bitte kommen!

Die Blogs der Apple-Fans sind da schon deutlich präziser in ihren Vorstellungen: Demnach sollte ihr Wunschgerät natürlich Features wie FaceTime und Bluetooth beinhalten und mit dem 4G LTE-Standard ordentlich Gas geben. Bislang ist die schnelle Netzverbindung nur für die letzten zwei Generationen des iPads und das neueste iPhone-Modell erhältlich. Außerdem stehen auf der Wunschliste ein kleiner 16:9-Bildschirm, um Filme abspielen zu können und die Möglichkeit, endlich mal mit Siri kommunizieren zu können, wie einst "Knight Rider"-David Hasselhoff mit seinem sprechenden Auto K.I.T.T.

Blogger und Insider wie der ehemalige Apple-Mitarbeiter Bruze "Tog" Tognazzini sind sich sicher, dass eine Apple-Armbanduhr geschmeidig mit anderen Apple-Produkten zusammenarbeiten würde, besonders natürlich mit dem iPhone. Praktisch wäre es doch, wenn ein iPhone oder Mac registrieren würde, dass sich die Uhr des Benutzers in der unmittelbaren Umgebung befindet, dann müsste man keine Passwörter mehr eingeben, fabuliert Tognazzini. Außerdem könnte sich die Uhr melden, wenn sich der Benutzer von seinem iPhone entfernen sollte. Umgekehrt wird daraus eine Diebstahlsicherung. Zudem könnte eine iWatch auch das lästige Kleingeld in der Hose ersetzen, wenn man mit ihr dank eines NFC-Chips drahtlos bezahlen könnte, meint "Tog".

SmartWatch von Sony: Cool aber nutzlos.
SmartWatch von Sony: Cool aber nutzlos.

Eine solche Marktlücke wartet natürlich nicht darauf, bis sich die Tüftler in Cupertino inspiriert fühlen. Und so legten Sony bereits mit einer Smartwatch vor: "Wie oft hast Du bereits einen wichtigen Anruf oder eine wichtige Nachricht verpasst, weil Du den Klingelton nicht gehört hast, oder es unangebracht gewesen wäre, auf Dein Handy zu schauen?", fragt der Konzern und liefert gleich die Lösung für dieses Problem: "Mit einer SmartWatch wirst Du nichts mehr verpassen. Wie eine Miniaturausgabe deines Smartphones informiert dich die SmartWatch in Echtzeit über alles, was in deiner Welt passiert."

Doch im Praxistest enttäuschte das Sony-Modell. Das Gerät sei eine 99-Euro-Fernbedienung für das Handy, ätzte es in den Branchenblogs. Die SmartWatch funktioniere nur mit einer permanenten Bluetooth-Verbindung mit einem Android-Gerät. Und selbst wenn das "Mutterschiff" in der Nähe sei, funktioniere das Abrufen von Facebook-Nachrichten, Tweets oder anderen Nachrichten nur sehr holprig. Eine schicke Oberfläche, die im Grunde aber nur als Uhr wirklich gut funktioniere, so das vernichtende Urteil kurz nach der Markteinführung.

Smarter Quereinsteiger

Begeisterung noch vor dem Start: Die Smartwatch von Pebbles.
Begeisterung noch vor dem Start: Die Smartwatch von Pebbles.

Überraschend die Nase vorn in der Verbrauchergunst hat ein Startup-Unternehmen namens Pebbles. Das Unternehmen arbeitet an einer smarten Uhr, dessen Display – ähnlich den Ebook-Readern – mit elektronischer Tinte beschriftet wird. Um das Projekt auf den Weg zu bringen, sammelte Pebbles auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter mehrere Millionen US-Dollar ein. Noch wurde das Smartphone nicht endgültig aus der Taufe gehoben, aber jede Produktinformation wird bereits begeistert gefeiert. Das Gerät verbindet sich via Bluetooth zu iPhone und Android Smartphones. Zudem plant Pebbles ein offenes App-Ökosystem, das Entwicklern ermöglicht, eigene Anwendungen speziell für die Uhr anzupassen – eine Freude für alle, denen die Apple-Welt zu eng und reglementiert ist. Ähnlich wie die Ebook-Reader verwendet Pebbles ein E-Paper-Display. Nicht zuletzt lässt sich die Uhr auch als Fernbedienung für iTunes, Google-Music oder andere Medien benutzen.

Ob Apple nun demnächst eine iWatch auf den Markt bringt oder nicht, das leichte, unbeschwerte Gefühl am linken (oder wahlweise auch rechten) Handgelenk sollte man noch eine Weile auskosten. Denn der Platz wird gebraucht.

Quelle: n-tv.de

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