Wirtschaft
Eine Chance zu Arbeiten für Karsten Mühlenfeld.
Eine Chance zu Arbeiten für Karsten Mühlenfeld.(Foto: picture alliance / dpa)

"Lasst ihn in Ruhe arbeiten": BER soll 2017 startklar sein

Von Diana Dittmer

Die fünfte Verschiebung am BER liegt in der Luft. Der Ärger um das Regierungsterminal und die Brandschutzanlage drohen den Zeitplan zu sprengen. Der BER-Chef steht im Feuer. Wie immer. Und kriegt die Kurve.

Die Zeit ist wieder reif gewesen. Der Aufsichtsrat des BER musste sich am Freitag wieder mal einen Überblick verschaffen, ob ein weiterer Eröffnungstermin - diesmal Ende 2017 - zu halten ist. Nach mehrstündiger Sitzung kam er zu dem Schluss, dass der Start trotz immer neuer Probleme nicht weiter verschoben werden soll. "Wir sind der Meinung, es gibt noch eine Chance, 2017 zu schaffen", sagte Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld nach einer Sondersitzung der Airport-Gesellschaft in Berlin.

Hauptsächlich ging es bei dem Treffen um den Standortstreit für den künftigen Regierungsterminal. Überraschend - wie sollte es am Pannenflughafen auch anders sein - war noch ein weiterer Punkt auf die Tagesordnung gerückt: Das Bauordnungsamt fordert weitere Nachweise sowie Nachbesserungen an den Unterlagen zum Umbau der Brandschutzanlage. Das könnte zusätzliche Bauarbeiten im Terminal nach sich ziehen, was fatal für den Zeitplan wäre. Die Zeitpuffer, die man sich für Unvorhersehbares eingeräumt hat, schwinden.

Mühlenfeld jedoch gab in beiden Punkten Entwarnung. Die Standortfrage für den Regierungsflughafen ist beigelegt. Es bleibt bei dem Beschluss, dass Staatsgäste nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens zunächst in einem Interimsbau empfangen werden und fünf Jahre später das endgültige Terminal für Staatsgäste in Betrieb geht. Auch bei der Brandschutz-Problematik sind die Kontrolleure laut Mühlenfeld einig, dass es noch eine Chance gibt, 2017 als Eröffnungstermin zu schaffen.

Zeitplan ist eng gestrickt

Für den Berliner Bürgermeister Michael Müller, Chef des Aufsichtsrats, ist der Flughafen ein politisches Prestigeprojekt. Im September wird in Berlin gewählt. Den Flughafengesellschaften muss also spätestens im Oktober definitiv der Starttermin mitgeteilt werden. Es wird eng, so viel steht fest.

Mühlenfeld bestach im September vergangenen Jahres vor allem durch eins: Realismus. Nur ein halbes Jahr nach Amtsantritt räumte der noch frische Flughafen-Chef und Mehdorn-Nachfolger ein, sicher zu sein, "dass wir auch künftig auf Vorgänge aus der Vergangenheit stoßen, die auf den ersten Blick unfassbar erscheinen." Auf gut Deutsch: Die Baustelle im märkischen Sand bleibt ein schwer kalkulierbares Risiko. So ist es geblieben.

Für seine wenig diplomatische Formulierung musste Mühlenfeld damals viel Schelte einstecken. Seine Äußerung galt als total verpfuschter PR-Auftritt, der dem Ansehen des neuen Hauptstadtflughafens noch weiteren Schaden zufügte. Danach hatte Mühlenfeld erst einmal Redeverbot. Alles danach war wohl abgewogen – und tendenziell optimistisch. Geändert hat es nichts: Planungsfehler, Baumängel, Technikprobleme und immer wieder die Suche nach Schuldigen. Die Abläufe erinnern immer wieder gefährlich an "Täglich grüßt das Murmeltier …".

Auch mit der neuen Ansage "wir schaffen das" wird die Nervosität bleiben. Das Säbelrasseln vor der Aufsichtsratssitzung war deutlich vernehmbar. Das Bundesverkehrsministerium ließ schon mal wissen, es erwarte, dass "die Geschäftsführung des Flughafens ihren Ankündigungen, was die Eröffnung betrifft, nachkommt". Auch drohte der Bund - neben Berlin und Brandenburg der dritte Flughafen-Eigentümer - im Streit um den Standort des künftigen Regierungsterminals dem Geschäftsführer mit Konsequenzen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke musste moderierend einschreiten. Er forderte Kompromissbereitschaft von beiden Seiten. "Drohungen dieser Art sind deplatziert", erklärte der SPD-Politiker. Die Nerven liegen blank.

"Normales Alltagsgeschäft"

Auch der für die Baugenehmigung des Hauptstadtflughafens BER zuständige Landrat Stephan Loge versuchte, zu beschwichtigen: Was zu tun sei, sei "völlig normales Alltagsgeschäft". Der Kontakt mit Flughafenchef Mühlenfeld sei gut. Die Brandenburger Infrastrukturministerin Kathrin Schneider von der SPD hält die verlangten Nachbesserungen ebenfalls für gar "nicht so ungewöhnlich". Aber es ist immer wieder das gleiche Lied. Wenn Mehdorn die Kraft hätte, er könnte sich nahtlos wieder einreihen. Seit seinem Abgang hat sich wenig geändert.

Auch das die Eigentümer sich schützend vor ihren BER-Chef stellen müssen, ist nicht neu. Alles war schon einmal da. Diesmal musste Woidke sich Mühlenfeld stellen - nicht ohne durchblicken zu lassen, dass er kein hunderprozentiger Fan ist: "Lasst ihn in Ruhe arbeiten", so Woidke. "Man muss nicht jede Aussage glücklich finden, aber er macht seine Sache gut. Versuche, ihn zu beschädigen, lassen den Flughafen nicht früher fertig werden."

Mühlenfeld hätte es damals im September 2015 nicht treffender sagen können. Ob Mehdorn oder Mühlenfeld, die Dinge wiederholen sich am BER. Alle sind siegesgewiss, sicher, dass es klappen wird, dann klappt es wieder nicht. Vier Eröffnungstermine wurden angesagt und wieder abgesagt. Zwei allein unter Mehdorn. Scheitert Mühlenfeld, wäre es seine erste Niederlage am Bau -  aber ein Beweis dafür, dass seine Einschätzung vor einem halben Jahr realistisch war. Das Monster-Projekt ist und bleibt gut für Überraschungen. Ärger ist und bleibt Programm.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen