Wirtschaft
Wie geht es weiter bei VW?
Wie geht es weiter bei VW?(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 11. Oktober 2015

Firmenflotte, Kunstförderung, Sport: Bei Volkswagen "ist die Party vorbei"

Die Abgasaffäre wird den VW-Konzern mehrere Milliarden Euro kosten. Deshalb soll alles auf den Prüfstand. Dazu gehören das teure Sport-Sponsoring und die Kulturförderung. Unklar ist, ob es auch weiterhin Freiflüge für Manager geben wird.

Der Volkswagenkonzern steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte. Die Affäre um manipulierte Abgaswerte seiner Diesel-Flotte wird dem Autobauer Milliarden kosten. Ein Konzernumbau steht an. "Jetzt kommt alles auf den Prüfstand", kündigte der neue Konzern-Chef Matthias Müller auf der Betriebsversammlung am vergangenen Dienstag an. Er wolle "jeden Stein umdrehen". Vor allem gelte es, die kostenintensiven Bereiche des Unternehmens zu prüfen. Dazu gehört auch das Sponsoring in den Bereichen Sport und Kultur.

Dennoch leistet sich der Autobauer auch weiterhin den Luxus, seine Top-Manager am Wochenende in firmeneigenen Jets kostenlos nach Hause zu fliegen. Das bestätigt ein VW-Sprecher in der "Bild am Sontag". Alle Konzernvorstände, viele Vorstände der zwölf Marken sowie etliche Generalbevollmächtigte hätten laut ihren Verträgen Anspruch auf die Heimflüge. In der Regel würden die Jets mit den Top-Managern am Freitagnachmittag vom Flughafen Braunschweig starten und am Montagmorgen wieder zurückkehren.

Die VW-Tochter Lion Air Service kümmere sich um sämtliche Firmenflüge, so die "BamS". Deren Flotte bestehe aus zehn Jets, darunter vier supermoderne Dassault Falcon 7X. Der größte Flieger ist ein Airbus ACJ319 mit einem Anschaffungspreis von 70 Millionen Euro. Eine Flugstunde mit diesem Firmenjet kostet nach Angaben der Zeitung rund 22.000 Euro. Wie viele Millionen die Heimflüge der Top-Manager tatsächlich kosten, könne VW nicht beziffern. Unklar sei auch, wie lange es dieses Privileg noch geben werde.

Motorsport wird ausgebremst

Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte zu den Freiflügen: "Wir erwarten, dass der Vorstand jeden Einschnitt, den er bei der Belegschaft vornimmt, in gleicher Relation auch sich selbst abverlangt." Osterloh geht davon aus, dass der Vorstand, "so wie ich ihn kenne, mit gutem Beispiel vorangehen und sich der Situation im Verhalten anpassen wird". Ein VW-Aufsichtsrat sagte dazu: "Freiflüge im Firmenjet gehen gar nicht und gehören zügig abgeschafft."

Überhaupt kommt in Wolfsburg dieser Tage vieles auf den Prüfstand, was bislang als unantastbar galt. Das gilt auch für den Motorsport. Laut "BamS" sponsert der Konzern den Rennbetrieb mit mehr als einer Milliarde Euro jährlich. Zu den Veranstaltungen gehörten die Deutschen Tourenwagen-Masters und Rallye Dakar. An teuersten sei jedoch das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, wo die Konzerntöchter Porsche und Audi gegenseitig antreten. Audi zahlt rund 300 Millionen Euro für das Spektakel, Porsche sogar 400 Millionen.

Kürzungen auch im Fußball

Auch im Fußball trat VW bislang als großzügiger Sponsor auf. Angesichts der Abgasaffäre und dem damit verbundenen Risiko von Strafzahlungen in Milliardenhöhe will der Autobauer jedoch den Vertrag mit den Ausrichtern des DFB-Pokals aufheben. Allerdings war das Budget mit fünf Millionen Euro jährlich auch eher gering. Volkswagen war seit 2012 Sponsor des DFB-Pokals. Neben umfangreichen Werbe- und Marketingrechten ist das VW-Logo auf den Trikot-Ärmeln aller 64 teilnehmenden Mannschaften zu sehen.

Für insgesamt 17 Clubs aus der ersten und zweiten Bundesliga war der Autobauer bislang ein verlässlicher Geldgeber. Das meiste Geld fließt allerdings an den VfL Wolfsburg. Der Werksklub muss sich darauf einstellen, künftig auf teure Transfers zu verzichten.

Zudem förderte der Autobauer bislang großzügig Kunst und Kultur. Noch im Sommer hatte der damalige VW-Chef Martin Winterkorn den Sponsor-Vertrag mit dem weltberühmten Museum of Modern Art in New York verlängert. Auch auf Events mit Stars wie Robbie Williams muss der Autobauer wohl verzichten. Ein VW-Manager bringt in der "BamS" auf den Punkt: "Die Party ist vorbei." 

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen