Wirtschaft

Geld verdienen mit AgrarrohstoffenDZ Bank stoppt Spekulationen

27.05.2013, 10:23 Uhr
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Ob Spekulation mit Agrarrohstoffen zum weltweiten Hunger beiträgt, ist umstritten. (Foto: picture alliance / dpa)

Im Gegensatz zur Deutschen Bank und zur Allianz wird die DZ Bank künftig keine Finanzprodukte mehr anbieten, die auf Agrarrohstoffen beruhen. Zugleich fordert der Vorstand, dass die entsprechenden Märkte stärker reguliert werden.

Die DZ Bank verzichtet künftig auf Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln. Die DZ Bank, Dachorganisation von 900 Volks- und Raiffeisenbanken, und ihre Fondstochter Union Investment ziehen sich komplett aus dem Geschäft mit Spekulationen auf Agrarrohstoffen zurück. Das geht aus einen Brief der Bank an die Verbraucherorganisation "Foodwatch" hervor. In dem Schreiben spricht sich Vorstand Lars Hille außerdem für eine strengere Regulierung der Agrarrohstoffmärkte aus.

Das Institut hatte den Grundsatzbeschluss für den Rückzug bereits im Januar gefällt. In dem Schreiben an "Foodwatch", datiert auf den 13. Mai, erläuterte Hille die Gründe nun näher: "Dass wir derzeit keine Nachfrage nach solchen Produkten verzeichnen, ist dabei in unsere Entscheidung eingeflossen. Wir begrüßen und fördern es zugleich ausdrücklich, dass die Wissenschaft sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt."

Die Bank werde Wertpapiere auf Basis von Agrarrohstoffen 2013 auslaufen lassen, hieß es weiter. Nachfolgeprodukte würden nicht emittiert, auch würden keine Agrarderivate anderer Banken gekauft. Auch für die Fonds von Union Investment gelte ein absoluter Verzicht auf Produkte, die Agrarrohstoffpreise abbilden.

Die Deutsche Bank hält dagegen am Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen fest. Das Management von Deutschlands größtem Bankhaus sieht anders als Verbraucherschützer-Organisationen wie "Foodwatch" keinen Zusammenhang dieser Geschäfte mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Auch der Versicherer Allianz hält an dem Geschäft fest.

Experten streiten

"Der Nächste bitte", so "Foodwatch"-Geschäftsführer Thilo Bode. "Der Entschluss der DZ Bank beweist vor allem deshalb gesellschaftliche Verantwortung, weil die Bank sich zugleich für die notwendige politische Regulierung der Rohstoff-Terminbörsen stark macht."

Verbraucherschutz-Organisationen beklagen seit längerem einen Zusammenhang von Nahrungsmittelspekulationen mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Ob Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte in armen Ländern tatsächlich nach oben treiben, ist unter Experten allerdings umstritten.

Die Deutsche Bank hatte im Januar erklärt, am Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen festzuhalten - und dafür viel Kritik eingesteckt. Zur Begründung hieß es, Untersuchungen hätten kaum stichhaltige Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht. Im Gegenteil: Agrar-Derivate erfüllten für Nahrungsmittelproduzenten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel. Mit dem Kauf dieser an Börsen gehandelten Papiere könnten sich Landwirte gegen fallende Preise absichern und ihr Angebot besser planen.

Für die Deutsche Bank ist der Rohstoffhandel auch viel wichtiger als für andere Institute: Er zählt zu den Wachstumssegmenten im lukrativen Kapitalmarktgeschäft.

Quelle: ntv.de, jga/rts