Wirtschaft
Die Sorgen um China reißen nicht ab.
Die Sorgen um China reißen nicht ab.(Foto: REUTERS)

Angst vor China-Crash und Fed: Das große Börsen-Beben kommt noch

Von Diana Dittmer

Die Zweifel am Wachstum des Riesenreichs China und der Absturz an den dortigen Finanzmärkten könnten erst der Anfang sein. Aus den USA droht das nächste große Ungemach.

China ist für die Finanzwelt zurzeit ein rotes Tuch. Das Wirtschaftswachstum bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die inländischen Börsen crashen scheibchenweise. Dazu zieht der einstige Hoffnungsträger für die Weltwirtschaft auch noch alle anderen Schwellenländer mit herunter. Fast eine Billion Dollar sollen Unternehmen und Investoren laut dem Vermögensverwalter NN Investment Partners in den vergangenen 15 Monaten aus den Emerging Markets abgezogen haben. Offenbar haben die Anleger nicht nur das Vertrauen in die chinesischen Aktienmärkte verloren. Alles in allem keine guten Voraussetzungen für die weltweite Konjunkturentwicklung. Auch nicht für die Finanzmärkte.

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Die globalen Rohstoffmärkte haben die Probleme in China bereits zu spüren bekommen. Aufgrund des schwächeren Wachstums in der Volksrepublik wird immer weniger nachgefragt. Nicht nur der Ölpreis steht unter Druck. Auch das wichtigste Industriemetall Kupfer ist so billig wie seit sechs Jahren nicht mehr. Der Bloomberg-Index der Rohstoffpreise ist auf 13-Jahrestief. Die Rohstofflieferanten weltweit ächzen. Als internationale Konjunkturlokomotive hat China - im Moment zumindest - ausgedient.

Hinzu kommt die Abwertung der chinesischen Landeswährung Renminbi (Yuan). Wenn die chinesische Währung schwächer tendiert, steigen die Preise für importierte Güter und die entsprechende Nachfrage sinkt. Umgekehrt kurbelt die Abwertung die Exporte aus dem Reich der Mitte an. Die Exporteure im Rest der Welt jammern - zu Recht. Aber das ist Globalisierung - alles hängt mit allem zusammen.

Die Frage ist: Wie schlimm steht es um China? Ist das Schlimmste ausgestanden oder droht noch weiteres Ungemach? Betrachtet man nicht die Wachstumsraten, sondern den Stromverbrauch, sieht es nicht gut aus. Der Energiebedarf hat innerhalb eines Jahres gerade einmal um ein Prozent zugenommen. Und das liegt garantiert nicht daran, dass die chinesischen Verbraucher und Industriekonzerne gewissermaßen über Nacht zu ganz großen Stromsparern geworden sind.

Weitere Kapitalabflüsse erwartet

Aber Börsianer haben noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Sorgen bereitet die erwartete US-Zinserhöhung. Wird noch mehr Geld aus den Schwellenländern abgezogen, um es zu attraktiven Zinsen in den USA zu investieren, drohen in den Emerging Markets weitere Kursrutsche. Die Experten der Londoner Analyse- und Beratungsgesellschaft Fathom Consultung gehen deshalb davon aus, dass die bisherigen Kapitalabflüsse nur die Vorboten gewesen sind. Ihrer Ansicht nach haben die Schwellenländer die Zinswende in den USA und den teureren Dollar längst nicht eingepreist. Weitere Schockwellen aus den Schwellenländern sind ihrer Ansicht nach programmiert.

Dass die erste Zinsanhebung seit fast zehn Jahren ansteht, ist sicher. Nur wann genau sie kommt, ist ungewiss. Wie es aussieht, hat sich die Fed aber wieder einen Schritt weiter in Richtung Zinswende bewegt. In ihrer Sitzung im Juli äußerten die Fed-Mitglieder zwar Sorgen wegen der niedrigen Inflation und des schwachen Wachstums der Weltwirtschaft. Gleichzeitig lobten die US-Währungshüter aber auch die Verbesserungen auf dem Jobmarkt.

Die jüngsten Rückmeldungen von der US-Konjunktur sind positiv. Der Philly-Fed-Index, der das Geschäftsklima im Großraum Philadelphia misst und als wichtiger Frühindikator gilt, ist im August stärker gestiegen als erwartet. Auch die Daten vom US-Immobilienmarkt mit Verkäufen bestehender Häuser im Juli sind besser als erwartet. Eine Zinserhöhung im September wird damit immer wahrscheinlicher. Viele Börsianer gehen davon aus, dass die Wende im September bevorsteht.

Bislang hüstelt China. Trotzdem wächst die Wirtschaft immer noch deutlich stärker als die der westlichen Industrienationen. Mit der Zinswende in den USA besteht die Gefahr, dass aus dem China-Virus doch noch eine Epidemie wird.

Quelle: n-tv.de

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