Wirtschaft
Projekt "Neuron": Dassault kann bereits einen flugfähigen Stealth-Prototypen vorweisen (Archivbild).
Projekt "Neuron": Dassault kann bereits einen flugfähigen Stealth-Prototypen vorweisen (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Britisch-französisches Bündnis: Dassault entwickelt Kampfdrohne

Die Einigung macht den Weg frei für ein neues europäisches Drohnen-Projekt: Auf der Luftfahrtmesse in Farnborough schmiedet die britische Regierung eine wegweisende Allianz mit den Franzosen. Ist Airbus beim Drohnenbau aus dem Rennen?

Video

Großbritannien und Frankreich wollen gemeinsam die Entwicklung einer Kampfdrohne vorantreiben. Am Rande der Luftfahrtmesse in Farnborough unterzeichneten das britische Kabinettsmitglied Philip Hammond und Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian eine entsprechende Vereinbarung. Das Schriftstück sieht zunächst die Bereitstellung von insgesamt 151 Millionen Euro für eine Machbarkeitsstudie vor.

An dem Rüstungsprojekt sind demnach der französische Konzern Dassault Aviation und das britische Unternehmen BAE Systems sowie Thales, Selex, Snecma und Rolls-Royce beteiligt. Le Drian hatte letzte Woche gesagt, die entsprechenden Verträge könnten bereits im Herbst unterzeichnet werden.

Der Bau einer eigenständigen europäischen Kampfdrohne wäre ein wichtiger Erfolg für die beteiligten Rüstungsunternehmen. Bislang dominieren noch Hersteller aus den USA das schnell wachsende Segment der Unbemannten Militärfluggeräte. Airbus bleibt bei dem britisch-französischen Rüstungsvorhaben offenbar außen vor.

Binational statt Europäisch?

Mit BAE Systems und Thales kann sich die neue Drohnen-Allianz auch so schon auf zwei Schwergewichte aus der europäischen Luftfahrt- und Rüstungsindustrie stützen. Der britische BAE-Konzern ist unter anderem am Eurofighter-Konsortium beteiligt. Die französische Thales-Gruppe beliefert unter anderem Flugzeugbauer und Waffenbauer mit elektronischen Bauteilen, Waffentechnik und Militärtechnologie. Beide Unternehmen arbeiten bereits beim Bau der neuen britischen Flugzeugträger-Generation zusammen. Der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce dürfte die Antriebseinheit beisteuern. Dassault wiederum verfügt über Erfahrungen im Bau von Kampfjets wie etwa der "Mirage" oder der "Rafale", einem Konkurrenzmodell zum Eurofighter.

Auf politischer Ebene wäre der Aufbau einer eigenen Drohnen-Industrie ein Durchbruch in einem Markt, der zunehmend geostrategisches Gewicht erlangt. Bislang verfügen die Europäer über keine eigenen Aufklärungs- oder Kampfdrohnen, sondern sind auf Modelle aus den USA oder Israel angewiesen. Vor diesem Hintergrund hatte sich der Flugzeubauer Dassault bereits früh in Position gebracht: Vor gut zweieinhalb Jahren stelle Dassault das Projekt "Neuron" vor. Der Prototyp einer europäischen Tarnkappen-Kampfdrohne ist bereits flugfähig.

Lehren aus dem Eurohawk-Debakel

Bemühungen Deutschlands zur Anschaffung eines unbemannten Aufklärungsflugzeugs namens "Eurohawk" aus den USA waren letztlich nur an Problemen bei der Zulassung für den europäischen Luftraum gescheitert. Die Eurohawk-Drohne sollte auf dem bewährten US-Aufklärungssystem Global Hawk aufbauen. Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus wollte die Sensortechnik beisteuern.

Als unüberwindliches Hindernis stellte sich schließlich die Weigerung des US-Herstellers Northrop Grumman heraus, die Baupläne zur Steuerungselektronik den europäischen Luftfahrtaufsehern offenzulegen. Die Steuerung unterliege der Geheimhaltung, hieß es. Mit der Entwicklung eines rein europäischen Konkurrenzmodells ließe sich diese Problematik aus dem Weg räumen.

Im November 2013 vereinbarten daher bereits Deutschland, Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien, die Niederlande und Polen, in den kommenden Jahren bei der Entwicklung einer eigenen Aufklärungsdrohne zusammenzuarbeiten. Aus der Sicht der Militärs könnten Drohnen schon bald bemannte Kampfflugzeuge in vielen Einsatzszenarien komplett ersetzen. Die unbemannten Fluggeräte sind nicht nur billiger im Betrieb, sondern auch sehr viel ausdauernder in der Luft - und schlimmstenfalls auch leichter zu ersetzen.

Kommt Deutschland zu spät?

Im Vorfeld der Berliner Luftfahrtmesse ILA hatten führende europäische Luftfahrtkonzerne einen gemeinsamen Vorstoß für ein militärisches Drohnenprojekt gewagt. Damals wollte Dassault Aviation noch zusammen mit Airbus und dem Partner Alenia Aermacchi aus Italien gemeinsam militärische Drohnen entwickeln.

Diese Idee einer deutsch-französisch-italienischen Drohnenpartnerschaft scheint nun der Vergangenheit anzugehören. Letztlich könnte sie auch an der lange Zeit zögerlichen Haltung der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gescheitert sein. Die deutsche Spitzenpolitikerin hatte den Vorschlag Ende Mai noch sehr reserviert aufgenommen. Allerdings stieß die Idee auch in Teilen der deutschen Rüstungsindustrie auf Kritik.

Das Berliner Zögern könnte nun den Weg freigemacht haben für eine britisch-französische Partnerschaft. Welche konkreten Auswirkungen die Vereinbarung in Farnborough auf die Zusammenarbeit von Dassault mit Airbus haben werden, blieb zunächst noch offen. In jedem Fall aber dürfte die Drohnen-Allianz die Rüstungsindustrie in Großbritannien und Frankreich weiter zusammenrücken lassen. Airbus arbeiten unterdessen an eigenen Projekten. Unter anderem will Airbus zusammen mit dem israelischen Heron-Hersteller IAI eigene Aufklärungsmodelle entwickeln, um damit die Bundeswehr zu beliefern.

Die Ansatzpunkte für eine weitere militärische Kooperation sind vielfältig und gehen über die Arbeitsbeziehungen beim Bau der Queen-Elizabeth-Träger hinaus. In Farnborough unterzeichnete Hammond die Vereinbarung mit Le Drian noch in seiner Eigenschaft als bisheriger Verteidigungsminister, im Rahmen einer Kabinettsumbildung wurde ihm am Dienstag das Amt des Außenministers anvertraut.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen