Heimlichtuerei beim StresstestDeutsche Banken wehren sich
Die Zahlen waren doch veraltet oder schon bekannt: Die deutschen Großbanken verstehen die Aufregung um den Stresstest nicht. 6 der 14 teilnehmenden deutschen Institute sind der Ansicht, dass eine freiwillige Veröffentlichung der Stresstestdaten eben genau das ist: Freiwillig.
Die deutschen Großbanken wehren sich gegen den Vorwurf der Heimlichtuerei bei den Stresstests. 6 der 14 teilnehmenden deutschen Institute hatten ihr Engagement in europäischen Staatsanleihen anders als viele Wettbewerber in Europa nicht veröffentlicht und dafür Kritik des Organisators des Tests, der Bankenaufsicht CEBS, geerntet. Die Bekanntgabe dieser Daten war freiwillig.
Ein Sprecher der Postbank begründete den Verzicht auf die Offenlegung damit, dass die Zahlen veraltet gewesen seien. In dem Stresstest waren die Bilanzen per Ende März geprüft worden. Die Postbank nannte nun aktuelle Zahlen. Sie hielt zum 20. Juni 4,6 Mrd. Euro in italienischen Staatspapieren, 1,3 Mrd. in griechischen, 1,2 Mrd. in spanischen, 300 Mio. in irischen und 50 Mio. in portugiesischen Papieren. Die Commerzbank und die LBBW hatten jeweils Milliarden-Engagements in Griechenland, Portugal und Spanien offengelegt.
Unzufrieden mit der Deutschen Bank
Branchenprimus Deutsche Bank verwies darauf, dass ihr Vorstand Hugo Bänziger im Juni schon die Zahlen genannt habe. Diese zeigen mit Ausnahme Italiens ein verschwindend geringes Engagement in den hoch verschuldeten Ländern am Rande Europas. Ein Sprecher deutete an, dass die Bank sich am Dienstag mit den Quartalszahlen zu ihrem aktuellen Engagement äußern werde. Neben den beiden börsennotierten Instituten hatten auch die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ und WGZ Bank, die Landesbank Berlin und die durchgefallene Hypo Real Estate keine Details zu den Staatsanleihen genannt.
Die Deutsche-Bank-Aktie fiel um 1,4 Prozent, was Börsianer mit dem Verhalten des Instituts erklärten: "Einige sind unzufrieden, da die Deutsche Bank ihr Staatsanleihen-Portfolio nicht im Detail veröffentlichen wollte", sagte ein Händler. Zudem fürchteten einige Anleger, dass die Bank im Krisenfall für das nicht allzu gute Abschneiden der künftigen Tochter Postbank geradestehen müsste. Sie hatte den Stresstest nur knapp bestanden.
Beim Generalsekretär des Ausschusses der Bankenaufseher, Arnoud Vossen, stieß die Weigerung der sechs Institute auf Missfallen. "Wir waren uns mit allen Aufsichtsbehörden und mit den teilnehmenden Banken einig, dass die Staatsrisiken Bank für Bank veröffentlicht würden", sagte Vossen der "Financial Times". Dem Bericht zufolge will er mit den Aufsichtsbehörden in Deutschland über den Fall sprechen.