Wirtschaft
Postboten sehen anders aus: Am Hockenheim-Ring marschieren Grid-Girls mit dem Posthorn auf.
Postboten sehen anders aus: Am Hockenheim-Ring marschieren Grid-Girls mit dem Posthorn auf.(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr Gewinn, weniger Umsatz: Deutsche Post beeindruckt Analysten

Starke Zwischenergebnisse aus Bonn: Das traditionell eher schwache Frühsommerquartal läuft bei der Post besser als erwartet. Der maue Jahresauftakt ist fast vergessen - der Logistikkonzern steht offensichtlich sehr viel robuster im Markt als die Konkurrenz.

Der Online-Boom im Versandhandel, das florierende internationale Expressgeschäft und starke Standbeine in den Wachstumsregionen Asiens und Südamerikas bescheren der Deutschen Post kräftige Zuwächse beim Gewinn: Das operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 619 Millionen Euro, wie der Logistikkonzern am Morgen mitteilte.

Einzelne Kennzahlen machten an der Börse ordentlich Eindruck: Der Konzerngewinn zum Beispiel fiel nach Abzug von Zinsen, Steuern und Minderheitsanteilen mit unterm Strich 422 Millionen Euro sogar mehr als doppelt so hoch aus wie vor Jahresfrist. Allerdings, so gaben Beobachter zu bedenken, trugen zu den beeindrucken Zahlen auch teils kräftige Einmaleffekte bei. Positiv wirkten sich zum Beispiel ein zusätzlicher Arbeitstag und die Nachwirkungen einer Portoerhöhung zum 1. Januar 2013 aus. Im Vorjahreszeitraum belastete zudem eine Umsatzsteuernachzahlung das Ergebnis mit 181 Millionen Euro.

Ein Wermutstropfen im aktuellen Zwischenbericht erkannten Beobachter beim Umsatz. Der ging von April bis Juni um 0,6 Prozent auf 13,65 Milliarden Euro zurück. Das zweite Quartal gilt bei der Post allerdings auch traditionell als schwach. Negative Währungseffekte hätten die Einnahmen zusätzlich gedrückt, hieß es.

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Insgesamt blieb auch die Post von den Auswirkungen der lahmenden Weltwirtschaft nicht völlig verschont. Vor allem im Speditionsgeschäft verbuchte das Unternehmen spürbare Umsatz- und Ergebniseinbußen. Sowohl in der Luft- wie in der Seefracht spüre der Konzern das angespannte Marktumfeld, sagte Finanzvorstand Larry Rosen am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen. Insgesamt bleibt ein ermutigender Eindruck: Analysten hatten im zweiten Quartal mehr Umsatz, aber weniger Gewinn erwartet. Die Aktien der Deutschen Post zogen am Morgen nach der Vorlage des Zwischenberichts zeitweise mehr als 3 Prozent an. Die Post war damit der stärkste Titel im Leitindex. Ein frühes Tageshoch aus dem Verlauf liegt bei 22,35 Euro.

In den ersten drei Monaten des Jahres hatte sich das Wachstum des Bonner Brief- und Paketdienstleisters durch die Konjunkturflaute bereits deutlich abgeschwächt. Effekte wie zum Beispiel die Portoerhöhungen zum Jahresanfang hatten dem Konzern aber zumindest noch ein leichtes Umsatzplus gesichert.

Besser als die Konkurrenz

Für das Gesamtjahr gibt sich die Deutsche Post etwas zuversichtlicher als zuletzt: Das Unternehmen mit dem schwarzen Posthorn im Logo hob die Gewinnprognose leicht an. Auslöser dafür war allerdings ein positiver Einmaleffekt durch die Auflösung von Rückstellungen im Briefbereich. Bislang erwartete das Unternehmen für das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) einen Anstieg auf 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Jetzt rechnet die Konzernführung für 2013 mit einem Anstieg auf 2,75 bis 3,0 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte die Post hier noch ein Ebit von 2,67 Milliarden Euro erzielt.

"Unsere Stärke im internationalen Expressgeschäft und im deutschen Paketmarkt hat sich in den letzten Monaten einmal mehr ausgezahlt", sagte Post-Chef Frank Appel. Dank der Begeisterung der Bundesbürger für den Online-Einkauf stiegen die Umsätze im Paketgeschäft im zweiten Quartal um knapp 9 Prozent. Auch im internationalen Expressgeschäft setzte der Konzern das organische Umsatz- und Ergebniswachstum fort. Über das laufende Jahr hinaus sei weiterhin mit einer Fortsetzung des positiven Ergebnistrends zu rechnen, hieß es.

Im Vergleich zu Wettbewerbern wie UPS, FedEx und TNT steht die Deutsche Post nach Ansicht von Experten gegenwärtig sehr gut da: Alle drei Konkurrenten klagen über Kundenrückgänge und die schwächelnde Konjunktur. UPS musste zuletzt eine Gewinnwarnung herausgeben.

TNT Express rutschte im Zweitquartal sogar tief in die Verlustzone und erwartet wegen der Rezession in Europa ein anhaltend schwieriges Umfeld. Auch FedEx äußerte sich vorsichtig zum Verlauf der kommenden Monate. Die Deutsche Post dürfte indes Marktanteile gewonnen haben, hieß es am Markt.

Quelle: n-tv.de

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