Wirtschaft
Schlechte Zeiten für Sparschweine: Geld auf der hohen Kante scheint sich derzeit einfach nicht zu lohnen.
Schlechte Zeiten für Sparschweine: Geld auf der hohen Kante scheint sich derzeit einfach nicht zu lohnen.(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr Konsum, mehr Kredit: Deutsche geben das Sparen auf

Diese Entwicklung gibt Experten zu denken: Das Finanzgebaren der Bundesbürger erfährt offenbar fundamentale Veränderungen. Die Sparquote gibt unter dem Eindruck niedriger Zinsen immer weiter nach. Konsumkredite haben Konjunktur.

Eine ungewöhnliche Mischung aus gefühlter Job-Sicherheit und niedrigen Zinsen führt im finanziellen Verhalten der Deutschen zu tiefgreifenden Veränderungen. Die Sparneigung der Bundesbürger fällt mittlerweile so gering aus wie seit zwölf Jahren nicht mehr.

Die Sparquote sank im dritten Quartal auf 8,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. In den vergangenen Jahren legten die Verbraucher noch durchschnittlich mehr als zehn Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante.

"Hauptgrund für diese Entwicklung ist der Arbeitsmarkt: Angesichts der Rekordbeschäftigung steigt die Jobsicherheit, weshalb weniger gespart wird", erklärt der Deutschland-Chefvolkswirt der Großbank UniCredit, Andreas Rees. Hinzu kämen allerdings auch die niedrigen Zinsen, die Sparen generell weniger attraktiv machten, ergänzt Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel.

Für Tagesgeld gibt es derzeit teilweise nur noch 1,0 Prozent Zinsen. Grund dafür ist die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank: Sie hat im Zusammenhang mit der konjunkturellen Krise im Euroraum und der sich abschwächenden Inflation den ohnehin schon historisch niedrigen Leitzins zuletzt noch einmal überraschend bis auf das Rekordtief von 0,25 Prozent abgesenkt.

Einkaufen auf Pump

Die Nebenwirkungen dieser extremen geldpolitischen Maßnahme treten mittlerweile an verschiedenen Stellen offen zutage: Banken laufen Sturm gegen drohende "Strafzinsen", also eine möglicherweise bevorstehende Senkung des Leitzinses in Bereiche unter Null. Versicherer ächzen unter der Last der Niedrigzinsen: Die aktuellen Konditionen schneiden ihnen tief ins Kerngeschäft. Im Aktienhandel und an den Immobilienmärkten beobachten Experten einen anhaltenden Zustrom von Anlegergeld. Der Börsenleitindex Dax bewegt sich seit Monaten von einem Allzeithoch zum nächsten.

Auch im privaten Konsum sind die Folgen der EZB-Politik längst nicht mehr zu übersehen. Dass Sparneigung der Deutschen derzeit ungewöhnlich gering ausfällt, zeigt sich auch in einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). "Für die Verbraucher ist es nicht sehr attraktiv, Geld in Form der klassischen Sparanlagen anzulegen", bestätigt GfK-Experte Rolf Bürkl. "Stattdessen finanzieren immer mehr Bundesbürger in Zeiten niedriger Zinsen ihre Anschaffungen auf Pump."

Prozentual gesehen fällt die Bewegung klein aus. In absoluten Zahlen handelt es sich jedoch um Milliardensummen: Derzeit, so Bürkl, nutzt jeder dritte Haushalt einen Ratenkredit für größere Anschaffungen wie Autos, Küchen oder Fernsehgeräte. Vor einem Jahr waren es nur 29 Prozent.

Eine solche Veränderung hat unmittelbar Folgen für die Nachfrage: Die Wirtschaftsweisen gehen davon aus, dass der private Konsum 2014 um 1,4 Prozent spürbar zulegen wird. Für das zu Ende gehende Jahr wird ein Plus von 1,0 Prozent erwartet.

Quelle: n-tv.de

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