Wirtschaft
Wer mit seinem Geld nicht im Wealth-Report der Allianz auftauchen will, muss Diamanten kaufen. Oder alte Autos. Oder spenden.
Wer mit seinem Geld nicht im Wealth-Report der Allianz auftauchen will, muss Diamanten kaufen. Oder alte Autos. Oder spenden.(Foto: REUTERS)

Die Börse als Quelle des Wohlstands: Die Welt wird immer reicher

Wohl dem, der Aktien hat: Kursgewinne an den Märkten machen die Menschen weltweit trotz Krisen und Wachstumsschwächen so reich wie nie zuvor. Das Geldvermögen klettert einer Allianz-Studie zufolge auf kaum fassbare 111,2 Billionen Euro.

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Kräftige Kursgewinne an den Börsen haben das Geldvermögen der privaten Haushalte in aller Welt auf ein Rekordniveau getrieben. Allein in Deutschland stieg das Brutto-Geldvermögen inklusive Aktien, Einlagen und Versicherungsansprüche im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent auf die wahrhaft gewaltige Summe von 4939 Milliarden Euro.

Doch nicht nur die Deutschen sind so reich wie nie. Weltweit kletterte das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Bankeinlagen, Aktien oder Versicherungsverträgen um 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Berechnet hat diese Vermögenszuwächse der deutsche Versicherungskonzern Allianz. In Frankfurt präsentierten Experten des Versicherers nun den "Global Wealth Report" - eine Art Welt-Wohlstandsbericht, der die Entwicklung des weltweiten Reichtums anhand der finanziellen Rücklagen beleuchtet.

Die Dynamik ist dennoch beeindruckend: Das Wachstum lag zuletzt weit über dem Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2012. In diesem Zeitraum schwoll das Vermögen im Schnitt "nur" um 4,6 Prozent pro Jahr an. Selbst die Experten der Allianz zeigen sich beeindruckt: Im vergangenen Jahr vergrößerte sich der private Reichtum mit der genannten Rate von 8,1 Prozent so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das Jahr 2012 übertrifft damit sogar das Plus von 7,1 Prozent aus dem Jahr 2010. Im Jahr 2011 waren es lediglich 2,5 Prozent.

Der Geld-Vermögensbestand summierte sich nach den Angaben rund um den Globus auf das Rekordniveau von 111,2 Billionen Euro - das sind 111.200 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Höhe der deutschen Staatsverschuldung liegt nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat derzeit etwa bei 2166 Milliarden Euro. Grob gerundet sind das vergleichsweise überschaubare 2,2 Billionen Euro.

Ein Vielfaches der Athener Schulden

Die Eurozone kommt insgesamt - also inklusive der deutschen Lasten - auf einen Schuldenberg von 8,75 Billionen Euro. Und, noch eine Bezugsgröße: Griechenland leidet aktuell unter einer Staatsverschuldung von "lediglich" 303 Milliarden Euro (0,3 Billionen Euro) - allerdings bei deutlich geringerer Wirtschaftskraft als Deutschland, wie hinzugefügt werden muss.

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Ein wichtiger treibender Faktor für den weltweiten Vermögenszuwachs war den Angaben der Allianz-Experten zufolge insbesondere die gute Entwicklung an den Aktienmärkten: Das in Wertpapieren gehaltene Vermögen erreichte mit einem Plus von 10,4 Prozent das beste Ergebnis seit der Finanzkrise. Auch die Ansprüche der Haushalte gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen wuchsen 2012 kräftig um 7,4 Prozent.

Unter den drei großen Anlageklassen schnitten die Bankeinlagen mit plus 6,7 Prozent am schwächsten ab. Da aufgrund der extrem niedrigen Zinsen in vielen Ländern kaum Wertsteigerungen im Portfolio anfielen, sei dieses Wachstum auf "frische" Anlagegelder zurückzuführen. Andere Vermögensgegenstände wie Autos, Schmuck oder Kunst sind in der Statistik nicht enthalten. Immobilien, die einen Großteil der Vermögen privater Haushalte ausmachen, wurden ebenfalls nicht berücksichtigt.

Osteuropa stärker als Westeuropa

Zum Zuwachs der Geldvermögen trugen alle Regionen bei: Am höchsten fiel das Plus mit knapp 16 Prozent in Asien (ohne Japan) aus, auch Lateinamerika und Osteuropa wuchsen zweistellig. Dank boomender Börsen erzielten auch Nordamerika und krisengeplagte Westeuropa mit 8,3 Prozent beziehungsweise 5,3 Prozent noch deutliche Zuwächse.

In Deutschland ist das Vermögen der privaten Haushalte in der vergangenen Dekade nahezu kontinuierlich gewachsen. Wie aus den Daten der Bundesbank hervorgeht, werden die Deutschen insgesamt immer reicher, allen Rückschlägen und Risiken am Aktienmarkt zum Trotz.

Auch wenn die Studie der Allianz und die Zeitreihen der Bundesbank mit imposanten Zahlen hantieren - eine Schwäche haben beide Erhebungen dennoch: Die Datensätze zum Geldvermögen messen lediglich das Wachstum des Vermögens insgesamt. Über die tatsächliche Verteilung der Geldmengen, Aktien, Sparguthaben und Versicherungsansprüchen innerhalb der Bevölkerung sagen die Daten zunächst nichts.

In ihrer Studie bemüht sich die Allianz, diese Schwachstelle auszugleichen, indem sie auch die Entwicklung auf der anderen Seite beleuchtet: Die Zahl der Armen ist demnach in den vergangenen Jahren selbst in den vergleichsweise reichen Regionen der Welt deutlich angeschwollen. Laut Studie nahm die Zahl der Menschen, die ein Geldvermögen von umgerechnet weniger als 4900 Euro besaßen, in den USA, den Ländern der Eurozone und Japan um 67 Millionen zu.

Zugleich verringerte sich die Zahl der Reichen mit einem Vermögen von mehr als 29.000 Euro um 30 Millionen. Damit zeichnet die Studie ein klares Bild von einer sich vergrößernden Spaltung der Gesellschaft: Das wachsende Geldvermögen verteilt sich auf eine dünner werdende Spitze des Wohlstands.

Allerdings sind die USA, Europa und Japan im Vergleich zu allen anderen Weltregionen nach wie vor immens reich: Während etwa der durchschnittliche US-Amerikaner auf ein Vermögen von umgerechnet fast 100.000 Euro zurückgreifen kann, verfügt ein Südamerikaner im Schnitt nur über 3600 Euro, ein Osteuropäer sogar nur über 2600 Euro.

Quelle: n-tv.de

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