Wirtschaft
Nach dem Importsstopp für EU-Fleisch werden in dieser Markthalle in St. Petersburg künftig wohl vermehrt heimische Produkte angeboten.
Nach dem Importsstopp für EU-Fleisch werden in dieser Markthalle in St. Petersburg künftig wohl vermehrt heimische Produkte angeboten.(Foto: picture alliance / dpa)

"Nicht klein beigeben": Deutscher rät Putin zu Sanktionen

Als Eigentor wird Russlands Einfuhrstopp von Agrargütern aus der EU im Westen gerne dargestellt. Dabei ist es ausgerechnet ein deutscher Unternehmer, der nach eigenen Angaben Putin zu den Maßnahmen riet. Diese hätten nämlich zwei Vorteile für das Land.

Der deutsche Unternehmer Stefan Dürr, nach eigenen Angaben größter Milchproduzent Russlands, hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im persönlichen Gespräch zu Sanktionen gegen den Westen geraten. Die Gegenmaßnahmen würden "dem Westen vor Augen führen, wie stark man in vielen Bereichen voneinander abhängig ist", sagte Dürr der "Zeit".

Putin schlage mit den Sanktionen zwei Fliegen mit einer Klappe: Er antworte auf die Strafmaßnahmen des Westens - "was, glaube ich, die Voraussetzung dafür ist, dass sich beide Parteien irgendwann wieder an einen Tisch setzen" - und er gebe der russischen Landwirtschaft die Chance, sich in einer geschützten Übergangszeit zu entwickeln.

"Putin ist kein harter Macher"

Dürr stammt aus dem Odenwald; Putin verlieh ihm laut "Zeit" Anfang des Jahres die russische Staatsbürgerschaft. Der Milchproduzent gibt dem Westen die Hauptschuld am Konflikt mit Russland, weil er "immer wieder Öl ins Feuer gießt". Putin sei nicht "der harte Macher, als der er im Westen immer dargestellt wird", sagte Dürr weiter. Er sei aber auch "der Letzte, der im aktuellen Konflikt klein beigeben würde".

Dürrs Ekoniva-Gruppe verfügt nach eigenen Angaben über 200.000 Hektar Land in Russland, hat einen Bestand von 49.300 Rindern, davon 20.500 Milchkühe, und erzeugt jährlich 120 Millionen Liter Milch. Dürr ist seit Ende der 80er Jahre in Russland aktiv.

Die russische Einfuhrsperre richtet sich ebenfalls gegen Milchprodukte - darüber hinaus auch gegen zahlreiche andere landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Fleisch, Käse, Gemüse und Obst.

Deutsche Apfelbauer rechnen mit Umsatzeinbußen

Neben den Obstexporteuren aus Polen und dem Baltikum dürften auch deutsche Obstbauern unter den russischen Verboten leiden:Die Obstbauversuchsanstalt (OVA) in Jork rechnet damit, dass die Bauern im Alten Land bei Hamburg knapp 10.000 Tonnen Äpfel auf dem russischen Markt nicht absetzen können. Das mache etwa 2,5 bis drei Prozent der gesamten Erntemenge von 330.000 Tonnen aus, sagte ein OVA-Sprecher.

Für die Verbraucher in Russland seien im Alten Land besonders große und dunkelrote Äpfel der Jonagold-Untersorten angebaut worden. Dafür müssten sich die Obstbauern an der Niederelbe nun neue Vermarktungswege suchen. Das Alte Land ist eines der größten Obstanbaugebiete in Deutschland.

Experten befürchten, dass aufgrund der Sanktionen nun das Angebot von Äpfeln auf den europäischen Markt ansteigt. Etwa eine Million Tonnen mehr als üblich dürften in diesem Jahr angeboten werden, sagte ein Sprecher der Erzeugerorganisation Elbe-Obst in Stade. Dadurch nehme der Druck auf den Markt zu und es komme zu Dumpingpreisen. Der Sprecher der OVA setzt jedoch darauf, dass die deutschen Anbauer mit Qualität und Regionalität punkten könnten.

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Quelle: n-tv.de

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