Wirtschaft
Aus Sicht von Mody wäre es das Beste für alle Beteiligten, wenn Deutschland - und nicht Griechenland - die Eurozone verlassen würde.
Aus Sicht von Mody wäre es das Beste für alle Beteiligten, wenn Deutschland - und nicht Griechenland - die Eurozone verlassen würde.(Foto: picture alliance / dpa)

Vorschlag von Ex-IWF-Direktor: "Deutschland sollte den Euro verlassen"

Der Haussegen in der Eurozone hängt schief: Angesichts der griechischen Krise hält Finanzminister Schäuble den Grexit für eine gute Idee. Auch ein Ex-Direktor des IWF findet: Ein Land sollte den Euro verlassen - allerdings Deutschland.

Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag schaltet sich Ashoka Mody - ehemals Direktor beim Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Zuständigkeit für Europa - in die Debatte über die Zukunft der Eurozone ein. Angesichts des Gerangels um Schulden zwischen Griechenland und seinen Gläubigern, wäre es aus seiner Sicht das Beste für alle Beteiligten, wenn Deutschland - und nicht Griechenland - die Eurozone verlassen würde. Dies schreibt Mody in einem Beitrag für das Finanzportal Bloomberg View.

Also "Deuxit" statt "Grexit"? Was Mody zu dieser These veranlasst, begründet er wie folgt: Nach Wochen des Hin und Hers um Griechenlands Schulden gebe es trotz einer Einigung auf Reformpläne für Griechenland keine Gewinner. Griechenland würde dieselbe ökonomische Strategie fortführen, die bisher gescheitert sei. Und die Gläubiger würden wohl am Ende weniger von ihrem Geld wiedersehen, als mit einem Schuldenschnitt und einem Aufweichen der griechischen Sparpolitik, schreibt der Ökonom - seinerseits ein Gegner der Austeritätspolitik.

 "Die Deutschen würden mit einem Schlag reicher werden"

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Mody glaubt: Würde nun - angesichts der verfahrenen Lage - der bereits in Spiel gebrachte Grexit doch noch umgesetzt, träfe dieser Griechenland hart. Denn mit einer neuen Währung wäre das Land zwar wettbewerbsfähiger, müsste aber seine Schulden nach wie vor in Euro bedienen - was das Land noch teurer käme. Der ökonomische Druck würde somit anhalten und womöglich andere Länder in Mitleidenschaft ziehen. Gleiches würde auch auf Länder wie Portugal und Italien zutreffen, sollten diese ebenfalls den Euro verlassen.

Die Lösung des Problems (aus Sicht von Mody): Deutschland verlässt anstelle von Griechenland den Euro und kehrt zur D-Mark zurück. In diesem Szenario, glaubt der Wirtschaftswissenschaftler, würde der Wert des Euro rapide sinken. Dies wiederum würde die wirtschaftlich angeschlagenen Länder in der Euro-Peripherie wie Griechenland, Portugal und Italien auf einen Schlag wettbewerbsfähiger machen.

Aber auch für Deutschland hätte die Rückkehr zur D-Mark Vorteile, ist sich der an der US-amerikanischen Princeton-Universität als Gastprofessor im Fach Internationale Ökonomie lehrende Mody sicher. Sein Argument: Die D-Mark wäre im Vergleich zum Euro mehr wert - und Deutschland könnte mit derselben Geldmenge mehr Produkte und Dienstleistungen in der verbleibenden Eurozone und dem Rest der Welt einkaufen als bisher. "Die Deutschen würden mit einem Schlag reicher werden", konstatiert Mody.

"Europa sollte die Bande lockern, die es derzeit fesseln"

Bedenken, dass eine stärkere D-Mark die Wettbewerbsfähigkeit des exportorientierten Deutschlands schwächen könnte, versucht Mody zu zerstreuen. Denn ein leichter Rückgang der deutschen Exporte - und des deutschen Exportüberschusses - käme zum einen der Weltwirtschaft zugute. Zum anderen würde eine vergleichsweise teurere D-Mark deutsche Firmen dazu animieren, ihre Produktivität zu verbessern. Bereits zu D-Mark-Zeiten, argumentiert Mody, hätten deutsche Firmen angesichts einer stets im Wert steigenden Währung mit der Herstellung immer höherwertiger Produkte reagiert.

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen sieht Mody aber auch einen großen politischen Gewinn in einem "Deuxit": Mit der derzeitigen Haltung Deutschlands als Hegemon, der für diese Rolle aber nicht die Kosten tragen wolle, würde die Bundesrepublik Europa einen Bärendienst erweisen. Denn derzeit sei der Zusammenhalt des Kontinents mehr denn je infrage gestellt. "Um eng zusammen zu bleiben, sollte Europa lieber die Bande lockern, die es derzeit fesseln", schließt Mody.

Quelle: n-tv.de

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