Wirtschaft
Lokomotiven haben es auch nicht immer leicht.
Lokomotiven haben es auch nicht immer leicht.(Foto: dpa)

Konjunkturlok oder Wackelkandidat? : Deutschlands Aussichten

Die Wirtschaft ist sich nicht einig, ob der Aufschwung bis in das neue Jahr trägt. Während der Deutsche Gewerkschaftsbund die Konjunkturerholung auf wackligen Füßen sieht, gibt sich das Ifo-Institut optimistischer. Deutschland könnte 2011 die Konjunkturlokomotive Europas sein.

Das Ifo-Institut prognostiziert der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr ein Wachstum von 2,4 Prozent. "Der Aufschwung geht kräftig weiter, wenn auch nicht mehr ganz so stürmisch, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn der "Bild"-Zeitung. Mit einem Wachstum von 2,4 Prozent könne Deutschland aber im Jahr 2011 die Konjunkturlokomotive Europas sein.

Die Lage am Arbeitsmarkt bleibe auch im Jahr 2011 "sehr erfreulich". "Die Zahl der Arbeitslosen sinkt um weitere 300.000 auf durchschnittlich etwa 2,9 Millionen", führte Sinn aus. Auch bei der Lohnentwicklung gebe es positive Vorzeichen: "Die Löhne werden nach langen Jahren der Flaute nun wieder etwas stärker steigen, die Menschen werden mehr im Geldbeutel haben."

Skepsis beim Gewerkschaftsbund

Der Deutsche Gewerkschaftsbund blickt dagegen etwas skeptischer in die Zukunft: "Es gibt nach wie vor Gefahren, dass dieser Aufschwung durch externe Faktoren wieder kaputt gemacht werden könnte", sagte DGB-Chef Michael Sommer der dpa. Gehe man jedoch konsequent gegen die Spekulation vor und stärke auch die Binnenkonjunktur umfassend, etwa durch kräftige Lohnsteigerungen, könnte Deutschland nach Sommers Worten "am Beginn eines wirklich goldenen Jahrzehnts stehen".

Brechen goldene Zeiten an?
Brechen goldene Zeiten an?(Foto: picture-alliance/ dpa)

Voraussetzung sei aber ein Kurswechsel. "Das, was wir heute in der Euro- Debatte erleben, ist nichts anderes als die Fortsetzung der Spekulation im Bereich der Währungen." Bekomme man dieses Problem nicht in den Griff, "dann allerdings könnte der Aufschwung schneller gefährdet sein als man denkt".

Der DGB-Chef machte die Politik für Versäumnisse verantwortlich: "Da rächt sich, dass die Regierungen - auch die Bundesregierung - in der Krise zwar gesagt haben, sie wollten alles tun, um den Tätern das Handwerk zu legen. Nur, sie haben es nicht getan. Diese Versäumnisse in mangelnder Regulierung des Finanzsektors können sich bitter rächen und den Aufschwung kaputt machen."

Aufschwung nur beim Export?

Der Aufschwung wird aus Sicht Sommers auch "dadurch geschmälert, dass er fast ausschließlich im Bereich des Exports stattfindet" - und dort "auch noch nicht überall", wie sich im Maschinenbau zeige. In der Binnenwirtschaft und bei den öffentlichen Händen gebe es "viel zu wenig Investitionstätigkeit". In diesen Bereichen müsse nachgesteuert werden.

Die Forderungen der Gewerkschaften für die anstehenden Tarifrunden - sie reichen von fünf bis über sechs Prozent mehr Einkommen - hält der DGB-Chef für "mehr als angemessen". Wegen Reallohnverlusten in den vergangenen Jahren hätten die Beschäftigten "einen wirklichen Nachholbedarf". Deshalb müsse im Aufschwung jetzt gelten: "Leute, wir brauchen mehr Geld in der Tasche, und zwar real mehr Geld." Der Bund der Steuerzahler hatte vor wenigen Tagen vorgerechnet, dass die Deutschen aufgrund von höheren Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse und für die Arbeitslosenversicherung 2011 ganze 94 Euro weniger im Portemonnaie haben werden.

Wachsende Reallöhne trügen zur Verbesserung der Binnenkonjunktur bei, meint nun der DGB. "Damit hätten wir auch das zweite Standbein für einen dauerhaften Aufschwung: Die Stärkung der Binnennachfrage."

Goldenes Jahrzehnt mit Prämissen

Das "goldene Jahrzehnt" werde nicht kommen, solange Arbeit nicht "anständig bezahlt" werde, die Binnenkonjunktur nicht dauerhaft stabilisiert und den Spekulanten an den Börsen das Handwerk nicht gelegt sei. "Wenn man das täte, und das flankiert mit einer vernünftigen Innovations- und Industriepolitik, dann könnte Deutschland tatsächlich am Beginn eines langen Aufschwungs stehen."

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Quelle: n-tv.de

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