Wirtschaft
Glücklicher Neubeginn in Trollhättan: Schwedens Wirtschaftsministerin Annie Lööf im "neuen Saab Nr. 1".
Glücklicher Neubeginn in Trollhättan: Schwedens Wirtschaftsministerin Annie Lööf im "neuen Saab Nr. 1".(Foto: REUTERS)

Schweden-Kult ab 34.000 Euro: Die Automarke Saab ist wieder da

Ein Eckpfeiler der Automobil-Kultur lässt sich nicht so einfach umwerfen. Die Schweden-Marke Saab liefert den Beweis. Nach den Pleiten mit GM und Spyker läuft die Produktion nun unter chinesisch-japanischer Hand wieder an.

Das wichtige steht links: Das Saab-Modell "9-3 Aero Sedan" neben dem Nevs-Chef Mattias Bergman, Ministerin Annie Lööf, dem Botschafter Chen Yuming und dem Haupteigentümer Kai Johan Jiang.
Das wichtige steht links: Das Saab-Modell "9-3 Aero Sedan" neben dem Nevs-Chef Mattias Bergman, Ministerin Annie Lööf, dem Botschafter Chen Yuming und dem Haupteigentümer Kai Johan Jiang.(Foto: REUTERS)

Im schwedischen Trollhättan ist nach zwei Jahren wieder ein Saab vom Band gerollt. Der neue Eigner, das chinesisch-japanische Konsortium National Electric Vehicle Sweden (Nevs), nahm die Produktion des Saab "9-3 Aero Sedan" wieder auf. Im nächsten Jahr will der Autobauer auch eine Elektrovariante der Limousine auf den Markt bringen.

"Ich bin sehr froh und stolz", sagte der Haupteigentümer Kai Johan Jiang. Jeden Tag hätten seine Mitarbeiter zehn Probleme gelöst, doch dann seien fünf neue entstanden. Die größte Herausforderung sei es gewesen, die Zuliefererkette wieder aufzubauen, fügte Nevs-Präsident Mattias Bergman hinzu. Allein für das Sedan-Modell sei man Partnerschaften mit 400 Lieferanten eingegangen. Nun freue er sich zu sagen: "Die Automarke Saab ist wieder da."

Schweden-Technik für China

Zunächst sollen pro Woche lediglich zehn Fahrzeuge die Werkshallen im nordschwedischen Trollhättan verlassen. Ab Dezember kann der Sedan für rund 300.000 schwedische Kronen (34.000 Euro) im Internet bestellt werden. Langfristig habe man den Fokus aber auf dem chinesischen Markt, sagte Bergman.

Saab gehörte bis 2010 zu General Motors und wurde dann vom Sportwagenbauer Spyker übernommen. Ende 2011 beantragte Saab Insolvenz. Mitte 2012 ging die Marke an das chinesisch-japanische Konsortium.

Schnelle Absatzerfolge halten Branchenbeobachter für kaum möglich: Der Vertrieb dürfte sich angesichts eines fehlenden Händlernetzes als schwierig erweisen, heißt es. Derzeit spricht Nevs noch mit Händlern. Bergman verfolgt auch betriebswirtschaftlich ehrgeizige Ambitionen: Die meisten Autobauer müssen Dutzende von Autos pro Stunde produzieren, um profitabel arbeiten zu können. Bei Saab sind es wie bereist erwähnt zunächst nur zehn pro Woche. Und nur wenige moderne Hersteller haben versucht, Autos ohne ein Händlernetz an den Markt zu bringen.

Autokauf im Online-Shop

An dieser Stelle könnte sich Saab durch einen Sprung nach vorne aus der Misere retten: Die neue Limousine, die zunächst in Schweden erhältlich ist, soll über den Internet-Verkauf zum Kunden kommen. Durch einen Online-Shop könnte Saab womöglich das nach der Pleite zusammengebrochene Händlernetz ersetzen. Einen Vorstoß in Richtung Online-Autoabsatz hatte zuletzt auch der deutsche Autobauer Daimler angekündigt. Der Benziner, der von dem einstigen Saab-Besitzer General Motors vor über einem Jahrzehnt entwickelt worden war, wird mit einem Verkaufspreis von umgerechnet gut 31.000 Euro an den Start gehen.

Wer vor seiner Bestellung eine Probefahrt mit dem neuen Auto unternehmen wolle, müsse nach Trollhättan kommen, etwa 35 Fahrminuten nördlich von Göteborg, bot Nevs-Chef Bergman an.

Trotz der bescheidenen Anfänge hält Nevs an den hochgesteckten Zielen fest. Bereits im kommenden Jahr soll in China eine elektrische Version auf den Markt kommen. 200 Vorbestellungen lägen dazu schon von der chinesischen Stadt Qingdao vor, die einen Minderheitsanteil an Nevs hält. Primär finanziell gestützt wird Saab aber von Kai Johan Jiang, der in China eine größere Firma namens National Modern Energy Holdings betreibt. Sein Geschäftsmodell stützt sich zu großen Teilen auf den angestrebten Wandel in China hin zu saubererer Energie.

Neuanfang mit Modell 9-3

Saabs wurden zuletzt 2011 von dem niederländischen Unternehmen Sypker NV gebaut. NEVS, die von chinesischen Investoren gestützt wird, hatte aus der Insolvenzmasse letztes Jahr einige der Saab-Vermögensgegenstände herausgekauft. Darunter war auch die Technologie für die Limousine 9-3. Zu Wochenbeginn wurde nun die Produktion in einem Werk gestartet, das lange Zeit die Heimat des Saab war. Das erste Modell des Typs 9-3 wird mit einem Turbo-Benzinmotor ausgestattet.

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Seit Jiang sich letztes Jahr die Saab-Vermögensgegenstände von Spyker gesichert hat, haben die Manager des Unternehmens an Verträgen mit Zulieferfirmen gearbeitet, um die Komponenten für ein Auto zu besorgen, das seit 2011 nicht mehr gebaut wird. In Trollhättan wurde dazu eine Belegschaft von 600 Mitarbeitern aufgebaut.

Für Jiang ist Saab bislang eine kostspielige Angelegenheit. In einem Bericht an die schwedischen Steuerbehörden hieß es, Nevs habe in den neun Monaten von April bis Dezember 2012 einen Verlust von 121,4 Millionen Schwedischen Kronen eingefahren bei einem Umsatz von nur 13,5 Millionen Kronen. Aktuellere Daten sind nicht verfügbar.

Die Marke Saab blickt auf eine lange Geschichte zurück. Entwickelt wurde der Autobauer von Flugzeugingenieuren gegen Ende des zweiten Weltkrieges. Die Marke gehörte einst zum schwedischen Industriegiganten Saab AB, der unter anderem auch den Kampfjet Saab "Gripen" herstellt. Nach Jahren des Niedergangs ging die Autosparte letztlich an General Motors. Als GM im Zuge der Finanzkrise Insolvenz anmelden musste, war Saab eine der Marken, die die Amerikaner nicht weiterführen wollten.

Die neuen Eigentümer hätten eine Menge investieren müssen, um das Vertrauen zurückzugewinnen, sagte Vize-Chefeinkäufer Per Svantesson. Schließlich hat es Saab aber geschafft, Verträge mit 400 Lieferanten zu abzuschließen. GM liefert beim neuen 9-3 nicht aktiv zu, obwohl der Konzern einst viele der Teile hergestellt hat, die in dem Wagen verbaut wurden.

Original verpackte GM-Motoren

Durch den Kauf von Saab ist Nevs auch ein Lager von mehreren tausend 2-Liter-Vierzylinder-Motoren von GM in die Hände gefallen. Diese sollen in den neuen Benziner-Fahrzeugen verbaut werden. Ein neuer Motor und eine Kombiversion des Fahrzeugs sind für einen späteren Zeitpunkt geplant.

Eine konkrete Absatzprognose will man bei Nevs zunächst nicht abgeben. Aber jetzt, da die Produktion laufe, "können wir Versprechen zum Preis und den Lieferzeiten abgeben", sagte Nevs-Chef Begamen. Es lägen bereits Angebote für das erste Auto vor, das vom Band rollen wird, sagte ein Sprecher. Aber das Auto wird für eine Zertifizierung erst einmal nach China geschickt. Dann kommt es wieder zurück nach Trollhättan, wo es an das Saab-Museum gehen wird.

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Quelle: n-tv.de

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