Wirtschaft
Hinter dem Kollaps der Banco Espirito Santo steckt ein weitreichender Finanzskandal.
Hinter dem Kollaps der Banco Espirito Santo steckt ein weitreichender Finanzskandal.(Foto: REUTERS)

Betrug bei Portugals größter Bank: Die Bank des unheiligen Geistes

Von Hannes Vogel

Anfang August kollabierte die Banco Espirito Santo und wurde mit Milliarden aus dem Euro-Rettungsschirm aufgefangen. Hinter der Pleite steckt ein ausgeklügelter Finanzbetrug - für den nun Europas Steuerzahler haften.

Banco Espirito Santo

Der Gründer von Portugals wichtigster Bank, José Maria de Espírito Santo e Silva, hatte 1869 in Lissabon mit 19 Jahren eine Wechselstube eröffnet. Der junge Mann hatte seinen Namen (Heiliger Geist) von einem Priester erhalten, seine Eltern waren laut Taufschein unbekannt. Im Laufe der Zeit baute die Familie um die Bank herum ein weit verschachteltes Firmenimperium auf. Das Konglomerat ist der größte Grundbesitzer Portugals, zu ihm gehören auch Firmen in Brasilien und Mosambik.

Glaube und Vertrauen sind das Wichtigste im Finanzgeschäft. Banco Espirito Santo, die Bank des Heiligen Geistes, hat damit eigentlich beste Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg. Portugals wichtigste Bank ist das Herzstück eines weitverzweigten Firmenimperiums, das die gleichnamige Familie vor fast 150 Jahren gründete.  

Doch auch der große Name konnte nicht verhindern, dass die Bank Anfang August kollabierte und mit 4,9 Milliarden Euro Staatsgeld gerettet werden musste. Der Löwenanteil davon stammt aus dem Hilfspaket, das die EU und der IWF 2011 für Portugal geschnürt hatten, unter anderem zur Sanierung der portugiesischen Banken. Nach der Pleite zeichnet sich nun immer deutlicher ab: Die Steuerzahler in Berlin, Paris und Rom haften wohl für einen ausgeklügelten Finanzbetrug in Lissabon. Die Dynastie hat die Bank offenbar zur Geldquelle für ihr Firmengeflecht gemacht, als Probleme auftauchten. Mit Methoden, die so gar nicht zum erhabenen Namen passen wollen.

Um Zahlungsprobleme zu kaschieren, soll die Bank anderen Firmen im Espirito-Santo-Konzern Millionenkredite gegeben haben. Und sie soll ihre Anleger im großen Stil zu Geldgebern des Firmengeflechts gemacht haben - ohne ihnen das zu sagen. Diese Finanztricks fallen nun auf die Bank zurück: Die Aufseher zwingen sie, dubiose Finanzprodukte von ihren Anlegern zurückzukaufen. Laut dem portugiesischen Zentralbankchef Carlos Costa führte das zu Verlusten von 1,7 Milliarden Euro - und trug maßgeblich zum Zusammenbruch bei. Espírito Santo "entwickelte ein betrügerisches Finanzierungssystem zwischen den Unternehmen, die zu der Gruppe gehören", sagte Costa.

Geldkarussell zwischen Lissabon und Lausanne

Schon im Frühjahr informierten die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die in Costas Auftrag die Bilanzen durchleuchteten, dass die Buchprüfung eine Reihe von "Unregelmäßigkeiten" aufgedeckt habe. Im Mittelpunkt der Tricksereien steht Eurofin, eine Gesellschaft aus dem Espirito-Santo-Firmengeflecht mit Sitz im Schweizerischen Lausanne. Sie diente ursprünglich dazu, das Vermögen der Familie zu verwalten. Später stieg die Firma in den Diamantenhandel ein und fädelte Finanzdeals mit englischen Fußballclubs ein.

Ende 2009, als die Finanzkrise die Banken beutelte, hatten einige Manager offenbar noch eine Idee, was sich mit dem fernen Schweizer Ableger des portugiesischen Imperiums anfangen ließ. Sie verwandelten Eurofin in eine Strohmann-Firma, die der Bank half, Kunden ihre eigenen Schulden zu verkaufen - und sie so ohne ihr Wissen zu Geldgebern des Imperiums machte.

Eurofin solle dafür eine "Datenspur" legen, um "die Beteiligung eines dritten Akteurs bei den Kundentransaktionen zu demonstrieren", zitiert das "Wall Street Journal" aus einem internen Eurofin-Memo. Alles sollte so aussehen, als mache die Bank Geschäfte mit einem externen Dienstleister. Dabei war Eurofin offenbar nur der Deckmantel für ein großangelegtes Geschäft der Bank mit sich selbst.

"Top-Ertrag" in karibischen Steueroasen

Eurofin verwaltete Anlagefonds auf Steueroasen wie  den karibischen Jungferninseln und der Kanalinsel Jersey, die laut Unterlagen, die das "Wall Street Journal" eingesehen hat, vor allem einem Zweck gedient haben sollen: im großen Stil Schulden der Bank und des Espirito-Imperiums aufzukaufen. So versorgten die Fonds das Firmengeflecht trotz Finanzkrise mit frischem Geld.

Das stammte wiederrum von den Anlegern der Bank: "Alleiniger Zweck" der Fonds war laut den Geschäftsberichten die Ausgabe von Vorzugsaktien, die an Privatkunden der Bank verkauft wurden. Die Anleger glaubten, mit den Aktien in Fonds zu investieren, die ihnen Top-Renditen versprachen, mit klangvollen Namen wie "Aforro" und "Poupanca" ("Ersparnis") oder "Top Renda" ("Top-Ertrag"). In Wahrheit floss ihr Geld über die Vehikel in den Steueroasen wieder in den Konzern zurück, der ihnen die Papiere verkaufte: das Espirito-Santo-Imperium.

Wasserdichte Masche

Die Masche flog nicht auf, weil die Aktien in relativ kleinen Tranchen ausgegeben und nur sehr wenigen Anlegern angedient wurden: Privatkunden der Banco Espirito Santo. Weil der Kundenkreis so begrenzt blieb, brauchte die Bank auch keine Fondsbroschüren zu drucken. In denen hätte sie eigentlich offenlegen müssen, wie genau sich die Papiere zusammensetzten. Und in was die Fonds investierten.

Bis zum Sommer steckten die Anleger rund zwei Milliarden Euro in die Produkte - und damit in das marode Firmenimperium. Ein Großteil davon wurde noch Anfang 2014 verkauft, obwohl die Aufseher die Bank schon Monate zuvor angewiesen hatte, ihre Finanzbeziehungen zum Rest des Imperiums zu verringern. Geholfen hat beim Verkauf offenbar auch die Schweizer Credit Suisse: Sie agierte als Händler und Arrangeur für einige der Eurofin-Fonds.

Banco Espirito Santo und Credit Suisse lehnten einen Kommentar ab. Eurofin erklärte, dass es Kunden von Espírito Santo keine Investmentprodukte verkauft habe, vor diesen auch keine solchen Produkte beworben und auch niemals Produkte für Privatkunden zusammengestellt habe. Eurofin hat darüber hinaus abgestritten, eine zentrale Rolle am Niedergang von Espírito Santo gespielt zu haben.

Quelle: n-tv.de

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