Wirtschaft
Noch ist der Börsencrash in China kein Vorbote einer globalen Finanzkrise.
Noch ist der Börsencrash in China kein Vorbote einer globalen Finanzkrise.(Foto: REUTERS)

Börsencrash in China: Die überfällige Korrektur

Am chinesischen Aktienmarkt regiert weiter Panik. Doch für die meisten Beobachter ist der China-Crash nicht der Beginn einer weltweiten Trendwende an den Finanzmärkten.

Am Tag nach dem Börsenbeben in China fasst der deutsche Aktienmarkt wieder Fuß. Der deutsche Leitindex Dax legt deutlich zu, nachdem er am "Schwarzen Montag" um 4,7 Prozent nachgegeben hatte. In China geht derweil der Ausverkauf weiter. Der Composite-Index der Shanghaier Börse rutschte um 7,6 Prozent ab. Auch der Component-Index der Börse Shenzen brach um rund sieben Prozent ein.

Viele Anleger sorgen sich, ob die Finanzpanik in China der Beginn einer weltweiten Trendwende an den Börsen sein könnte. Denn an der New Yorker Wall Street und den Märkten in Frankfurt, London und Paris sind die Kurse durch die jahrelange Geldschwemme der Notenbanken mächtig aufgebläht. Die meisten Beobachter glauben jedoch nicht, dass der China-Crash dauerhaft eine globale Finanzkrise auslösen wird. Sie sehen im Abschwung eher eine längst überfällige Korrektur.

Keine Gefahr für die Weltkonjunktur

Vizekanzler Sigmar Gabriel sieht in den Marktturbulenzen keine Gefahr für das deutsche Wirtschaftswachstum: "Die Sorgen, die es jetzt wegen der Entwicklung in China an den dortigen Börsen gibt, sind sicher berechtigt. Trotzdem können sie nicht dazu beitragen, die deutsche Entwicklung zu beeinträchtigen".

IW-Direktor Michael Hüther hält die heftige Reaktion der Börsen auf die Probleme in China für übertrieben. "Die Weltwirtschaft als Ganzes wird dadurch sicherlich weniger dynamisch, aber sie wird nicht in eine Rezession verfallen", sagte er im Deutschlandfunk. In Deutschland habe man nicht in der "Breite und Tiefe der Wirtschaft" realisiert, dass das Wirtschaftsmodell in China auf einer nicht ganz stabilen Grundlage stehe. "Es gab eine hohe Euphorie, aber ich habe schon zum Teil mich sehr gewundert über die etwas stupende Naivität über den nicht hinreichenden Ordnungsrahmen.

Auch die Bundesbank hat mit Blick auf das chinesische Börsenbeben vor übertriebenen Ängsten gewarnt. Die starken Einbrüche an Chinas Börsen seien eine Korrektur nach den "rasanten" Anstiegen der vergangenen Jahre, sagte Bundesbankvorstand Joachim Nagel der Börsen-Zeitung. "China ist wirtschaftlich stark genug, um im Notfall dagegenzuhalten, falls die Finanzmarktstabilität insgesamt in Gefahr gerät."

Die Luft zischt aus der Blase

Auch Jürgen Stark sieht in dem chinesischen Börsencrash keine akute Gefahr. "Eine solche Kurskorrektur kann kurzfristig zu solchen Schockwellen führen. Allerdings besteht keine Sorge darüber, dass nun die Weltkonjunktur total einbrechen würde und wir eine neue Weltrezession haben würden", sagte der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank im RBB-Inforadio. Die Strukturprobleme wie etwa die Überhitzung der Immobilienmärkte, die Expansion des Schattenbankensystems und die gigantische Verschuldung der Banken seien jahrelang bekannt. "Man hat deutlich gesehen, dass dort Ungleichgewichte sich entwickelt haben, dass es irgendwann zur Korrektur kommen würde."

Beunruhigend ist allerdings, dass selbst die massiven Interventionen der chinesischen Staatsführung die Panik an den Börsen bisher kaum in den Griff zu bekommen scheinen. Milliardenschwere direkte Stützungskäufe verpufften. Neben dem Wechselkurs und den Zinsen will die Zentralbank nun auch den Mindestreservesatz für Banken senken. Aktienkäufe hat sie bereits erleichtert: Rentenfonds dürfen nun mit 30 Prozent ihres Geldes in Aktien spekulieren.

Ausgelöst wurde die Talfahrt an den Börsen, als die chinesische Zentralbank am 11. August den Yuan massiv abwertete. Es war das bisher deutlichste Anzeichen dafür, dass die chinesische Wirtschaft nach zwei Jahrzehnten ungebremster Expansion nun deutlich langsamer wächst. Darüber können all die Stützungsmaßnahmen nicht hinwegtäuschen. In China hat sich über Jahre eine gigantische kreditfinanzierte Aktienblase aufgebaut, aus der nun langsam die Luft entweicht.

Langfristig wird der Abschwung der chinesischen Wirtschaft daher für den Rest der Welt Folgen haben. "Wir sollten die Risiken nicht unterschätzen", warnte Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron. China sei in den vergangenen zehn Jahren das Land gewesen, das am stärksten zum weltweiten Wachstum beigetragen habe. Jetzt befinde sich das Land im Umbruch und sehe sich "einer Menge von Schwierigkeiten" gegenüber.

Quelle: n-tv.de

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