Wirtschaft
"Denken Sie an Zypern" - Eurogruppenchef Dijsselbloem bringt einen neuen Vorschlag in Grexit-Debatte.
"Denken Sie an Zypern" - Eurogruppenchef Dijsselbloem bringt einen neuen Vorschlag in Grexit-Debatte.(Foto: REUTERS)

Grexit ja oder nein?: Dijsselbloem bringt Kapitalkontrolle ins Spiel

Die Diskussion über einen möglichen Grexit läuft auf Hochtouren. Eurogruppenchef Dijsselbloem sieht noch Möglichkeiten, die Griechen in der Eurozone zu halten - und denkt an Zypern.

Politiker und Experten streiten sich heftig über Griechenlands Verbleib in der Eurozone. Eurogruppenchef Dijsselbloem bringt jetzt die Idee ein, Maßnahmen wie in der Zypern-Krise zu bedenken. Zumindest sei dies eine Option, sagte der niederländische Finanzminister in einem Radio-Interview. Die Rettung Zyperns 2013 habe bewiesen, dass die Schließung von Banken und die Einsetzung von Kapitalkontrollen zu Stabilisierung des Finanzsystems beigetragen hätten.

Wenn ein Land in große Schwierigkeiten gerät, müsse es nicht direkt um Exit-Szenarien gehen. "Denken Sie an Zypern: dort mussten wir weitreichende Maßnahmen ergreifen: Die Banken wurden für eine Weile geschlossen, Kapitalflüsse innerhalb und aus dem Land waren Restriktionen unterworfen", sagte der Eurogruppenchef. Alle möglichen Szenarien seien denkbar. "Es ist aber mein politischer Ehrgeiz, so etwas zu verhindern".

Griechenland weigert sich, die im Gegenzug für die Hilfen geforderten Reformen umzusetzen. Ein Sprecher der griechischen Regierung verurteilte Dijsselbloems Äußerungen: "Es wäre hilfreich für jeden, wenn Herr Dijsselbloem sein Rolle in der Eurozone respektierte. Wir müssen noch nicht einmal wiederholen, dass sich Griechenland nicht erpressen lässt", sagte Sprecher Gabriel Sakellaridis.

Deutsche Wirtschaftsexperten: "Grexit wäre verkraftbar“

Während die bilateralen Beziehungen zwischen der griechischen und deutschen Regierung immer schwieriger werden, halten immer mehr Wirtschafsexperten in Deutschland einen Grexit für möglich. Gefährlicher als die ökonomischen Folgen eines Grexit wären die politischen Auswirkungen. Wenn es Griechenland erlaubt werde, vertragliche Vereinbarungen seiner Rettungspakete einseitig aufzukündigen, sagte Christoph Schmidt, Chef der Wirtschaftsweisen in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Dann könnten politische Strömungen in Europa mehr Zulauf erhalten, die vermeintlich leichte Auswege aus der Krise versprächen. "Nach all den Reformen der Architektur des Euro-Raums und angesichts des Engagements der EZB, wäre für die übrigen Euro-Staaten ein Grexit wohl verkraftbar", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates der Bundesregierung.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, befürchtet, dass die griechische Regierung das Land aus dem Euro treibt. "Natürlich ist ein Euroaustritt selbst bei einer Staatsschuldenkrise und einem Bankenkollaps kein Automatismus", sagte er. Zu einer bewussten Entscheidung der Griechen für ein Ausscheiden aus der Eurogruppe meint er: "Das ist letztlich immer eine bewusste, freiwillige Entscheidung der griechischen Regierung und keines anderen". Er fürchte aber, dass die Entwicklung in diese Richtung gehe. Die Lösung der akuten Zahlungsprobleme wird auch ein großes Thema auf dem EU-Gipfel am kommenden Donnerstag. Fratzscher erwartet jedoch keine Einigung.

Athen wird Moskau nicht um Hilfe bitten

Derweil erhofft sich die griechische Regierung von ihren wichtigsten EU-Partnern kurzfristige Hilfen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit. Regierungschef Alexis Tsipras strebe bei einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, EZB-Chef Mario Draghi, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Frankreichs Präsident Francois Hollande am Rande des Treffens der EU-Staats- und Regierungschefs Klarstellungen zu den jüngsten Vereinbarungen der Euro-Gruppe an, hatte ein Regierungssprecher am Vortag gesagt.

Zudem werde die Regierung um Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität nachsuchen. "Wir streben an, die Vereinbarungen vom 20. Februar klarzustellen und die Frage zu beantworten, wie das von Liquiditätsmaßnahmen für die griechische Wirtschaft begleitet werden kann", sagte der Sprecher. Zugleich sagte er, Tsipras werde bei seinem am 8. April geplanten Besuch in Moskau bei Russlands Präsident Wladimir Putin nicht um Finanzhilfen nachsuchen. Der EU-Gipfel beginnt am Donnerstag.

Quelle: n-tv.de

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