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Anleihe-Programm wird verlängert: Draghi enttäuscht die Märkte

Die Erwartungen der Märkte waren hoch, EZB-Chef Mario Draghi hat sie nicht erfüllt: Die EZB verlängert zwar ihre Anleihen-Kaufprogramm. Doch radikalere Schritte bleiben aus.

Die Europäische Zentralbank überrascht - allerdings negativ: Trotz der geringen Inflation wird die Geldpolitik kaum weiter gelockert. Der wichtigste Leitzins für die Versorgung der Kreditinstitute mit Zentralbankgeld bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Der sogenannte Strafzins, zu dem Banken ihr überschüssiges Geld kurzfristig bei der Notenbank anlegen können, wurde von minus 0,2 Prozent auf minus 0,3 Prozent angehoben - und damit deutlich geringer als erwartet.

Zudem wird das Anleihekaufprogramm um sechs Monate bis März 2017 verlängert. Das monatliche Volumen bleibt indes überraschend konstant. Die EZB kauft jeden Monat Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Euro. Ziel der Notenbanker ist, die extrem niedrige Inflation in der Eurozone anzuschieben. Denn das frische Geld kommt im Idealfall über Banken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an.

"Wir machen mehr, weil es wirkt", sagte Draghi auf der Pressekonferenz in der Frankfurter EZB-Zentrale. "Wir sind zuversichtlich, dass diese Entscheidungen angemessen sind, um unser Ziel zu erreichen." Die Inflation lag im November bei 0,1 Prozent und ist damit weit entfernt von der Marke in Höhe von knapp zwei Prozent, an der die EZB Preisstabilität gewährleistet sieht.

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Ohne die Maßnahmen wäre die Teuerung nächstes Jahr einen halben Prozentpunkt tiefer, sagte Draghi. Die Experten der Notenbank senkten zugleich ihre Prognose für die Teuerungsrate 2016 von 1,1 auf 1,0 Prozent und für 2017 von 1,7 auf 1,6 Prozent. Dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur, weil Unternehmen und Verbraucher in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise Investitionen aufschieben könnten.

Beim "Quantitative Easing" (QE) nimmt die Menge (Quantität) des Zentralbankgeldes zu: Eine Notenbank druckt sich selbst Geld, um Wertpapiere zu kaufen. Meist sind das Anleihen von Staaten und Unternehmen. Durch die Käufe sollen Bonds-Renditen sinken und so als Investment für Banken unattraktiver werden. Die Geldhäuser sollen stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben. In die gleiche Richtung zielen auch die Strafzinsen für Banken.

Bis zum 27. November hat die EZB allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von 445,5 Milliarden Euro erworben. Die Wirkung von Anleihenkäufen ist unter Volkswirten und Notenbankern umstritten, weil bereits viel billiges Zentralbankgeld im Umlauf ist und die Zinsen weiterhin historisch niedrig bleiben. Vor allem in Deutschland stößt das QE bei Volkswirten auf Kritik.

"Aus ökonomischer Perspektive kann ich verstehen, warum die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter lockert", sagte David Volkerts-Landau, Chefökonom der Deutschen Bank. "Sie versucht gestiegenen externen Risiken auf Inflation und Wachstum durch eine Schwächung des Euro und eine Stärkung der Binnennachfrage entgegen zu wirken."

Er sei allerdings enttäuscht darüber, dass die Euro-Zone auch sieben Jahre nach dem Beginn der Finanzkrise noch immer nicht in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen und dass Zentralbanken mit Garantien und extremen geldpolitischen Maßnahmen eingreifen müssen, ergänzte Volkerts-Landau. "Diese Geldpolitik kompensiert den mangelnden Fortschritt nationaler Regierungen bei der Umsetzung notwendiger Strukturreformen."

Der Verzicht auf eine Ausweitung der Käufe lastet schwer auf den Aktienmärkten und lässt den Euro nach oben schießen. "Es gab im Extrem Erwartungen, dass die Asset-Käufe auf bis zu 80 Milliarden Euro monatlich ausgeweitet werden und dass sie unbegrenzte Zeit laufen. Das sind überraschend schwache Aussagen Draghis", sagte ein Händler. Der Dax gab um drei Prozent nach, der Euro gewann zum Dollar kräftig an Wert.

Quelle: n-tv.de

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