Mittwoch, 04. August 2010
Teva darf Ratiopharm schlucken: EU gibt grünes Licht
Der Milliarden-Übernahme von Ratiopharm durch den israelischen Arzneimittelhersteller Teva ist unter Dach und Fach. Die europäischen Wettbewerbshüter knüpfen den Deal allerdings an Auflagen. Teva muss sich von einigen Produkten in den Niederlanden und Ungarn trennen.
Teva Pharmaceutical darf Ratiopharm kaufen und wird dadurch zur Nummer eins auf dem Generikamarkt.
(Foto: dpa)
Die EU-Kommission hat die Übernahme des Pharmaherstellers Ratiopharm durch den israelischen Konzern Teva genehmigt - allerdings nur unter Auflagen. Der weltgrößte Hersteller von Nachahmermedikamenten, sogenannter Generika, muss die Geschäfte mit 15 Medikamenten in den Niederlanden und einem Arzneimittel in Ungarn verkaufen, wie die EU-Kommission in Brüssel entschied.
Mit dem Kauf der Ulmer steigt Teva Pharmaceutical in Europa zur Nummer eins auf dem Generikamarkt auf. In Deutschland wird das neue Unternehmen nach der zu Novartis gehörenden Sandoz die Nummer zwei sein.
Mit den Auflagen wollen die europäischen Wettbewerbshüter dafür sorgen, dass das neue Unternehmen keine zu starke Marktposition bei diesen Arzneien bekommt und keine Konkurrenten vom Markt verdrängen kann. Dabei handelt es sich um Medikamente zur Behandlung von Blutarmut, Bluthochdruck, Asthma, Gicht, Entzündungen und Schmerztabletten, wie die EU-Behörde schrieb.
Auswirkungen für die Beschäftigten
Teva mit Sitz in Jerusalem hatte nach einem monatelangen Bieterrennen Mitte März den Zuschlag für Ratiopharm erhalten. Der Ulmer Generikahersteller gehörte zum Imperium des Firmenpatriarchen Adolf Merckle, der sich im Januar 2009 das Leben nahm. Im Zuge der Finanzkrise hatte der Zusammenbruch des Firmengeflechts gedroht.
Der Verkaufspreis für das Unternehmen Ratiopharm, das nach einem strikten Sparkurs inzwischen wieder Geld verdient, lag inklusive Schulden bei mehr als 3,6 Mrd. Euro.
Bereits am Vortag hatte Teva mitgeteilt, dass die gemachten Zugeständnisse nur einen minimalen Einfluss auf das gemeinsame Geschäft der beiden Unternehmen hätte. Der Konzern will die Übernahme in den nächsten Wochen abschließen. Dann wird sich auch zeigen, ob Teva tatsächlich, wie nach der Übernahme angedacht, seine Europa-Zentrale von Utrecht an den Ratiopharm-Sitz nach Ulm verlagert. Im Umfeld von Ratiopharm gab es daran zuletzt Zweifel. Klar wird dann auch sein, ob und wie viele Arbeitsplätze gestrichen werden. Teva gilt als eines der aggressivsten Medikamenten-Unternehmen der Welt.
dpa/rts
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