Wirtschaft

Aufschwung mit StützrädernEZB befragt Experten

11.02.2010, 12:30 Uhr

In den letzten Wochen häufen sich in der Euro-Zone Hinweise auf eine Konjunkturerholung auf breiter Front. Doch die Europäische Zentralbank warnt: Stabil ist der Aufschwung noch lange nicht.

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Auch das 2,3 Meter hohe und 4,7 Meter lange Motorrad "Bigtoe" braucht zu Fahrtbeginn Stützräder: Immerhin wiegt es mit seinem 300 PS starken Jaguar V-12- Motor 1,6 Tonnen. (Foto: picture-alliance / dpa)

Europäische Konjunkturexperten sehen die Wachstumschancen im Euro-Raum wieder etwas optimistischer. Bei einer Befragung durch die Europäischen Zentralbank (EZB) hoben die Fachleute ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2010 leicht auf 1,2 Prozent an, wie die Notenbank in ihrem jüngsten Monatsbericht mitteilte. Vor drei Monaten hatten sie noch ein Wachstum von 1,0 Prozent vorhergesagt. Für 2011 wurde das Wachstum in den 16 Euro-Ländern unverändert auf 1,6 Prozent veranschlagt.

Trotz der Konjunkturerholung ist dem EZB-Bericht zufolge vorerst kein selbsttragender Aufschwung in Sicht. "Der Erholungsprozess dürfte uneinheitlich verlaufen, und die Aussichten sind nach wie vor mit Unsicherheit behaftet", heißt es im jüngsten Monatsbericht der Notenbank.

Der EZB-Rat rechne mit einem moderaten Wachstum der Wirtschaft der Euro-Zone im laufenden Jahr. Die von der EZB befragten Experten rechnen nicht vor 2011 mit einer nachhaltigen Konjunkturerholung. Sie begründeten dies damit, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt nur ganz allmählich verbessern und die Investitionstätigkeit aufgrund der niedrigen Kapazitätsauslastung nicht vor 2011 wieder in Schwung kommen werde.

Außerdem dürfte nach ihrer Einschätzung die Inlandsnachfrage im laufenden Jahr relativ schwach bleiben. Die Exporte könnten zudem durch einen starken Euro gebremst werden.

Ausblick auf die Inflationsfront

Die Inflationserwartungen der Experten bleiben moderat. Die Teuerung im Euro-Währungsgebiet wird demnach 2010 bei 1,3 Prozent liegen und im kommenden Jahr auf 1,5 Prozent steigen. Längerfristig liegt die Einschätzung unverändert bei 1,9 Prozent. Auch nach Einschätzung der EZB dürfte die Preisentwicklung gedämpft bleiben. Daher seien die derzeitig niedrigen Zinssätze nach wie vor angemessen, betonte Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet.

Die Inflation liegt seit Monaten unter der Warnschwelle der Europäischen Zentralbank (EZB), die bei Inflationsraten von knapp unter 2,0 Prozent Preisstabilität gewahrt sieht. Im vergangenen Jahr fiel die jährliche Teuerung im gemeinsamen Währungsgebiet massiv auf 0,3 Prozent und war damit so niedrig wie noch nie seit der Einführung des Euro.

Mit Blick auf die Finanzprobleme des Mittelmeerlandes und anderer Defizitsünder in der Euro-Zone mahnte die EZB in ihrem Monatsbericht strikte Haushaltsdisziplin an. Hohe staatliche Defizite und Schuldenstände schwächten den Stabilitätspakt als Grundpfeiler der Währungsunion, erklärte die Zentralbank.

"Vor diesem Hintergrund ist es von höchster Bedeutung, dass die Stabilitätsprogramme der einzelnen Euro-Länder durch konkrete Maßnahmen untermauert werden, die mit den finanzpolitischen Ausstiegs- und Konsolidierungsstrategien für die kommende Zeit im Einklang stehen."

Quelle: dpa/rts