Wirtschaft
Stellschrauben am Anschlag: Der EZB-Leitzins liegt bereits seit September 2014 bei 0,05 Prozent.
Stellschrauben am Anschlag: Der EZB-Leitzins liegt bereits seit September 2014 bei 0,05 Prozent.(Foto: Reuters / n-tv.de)

Leitzins bleibt unangetastet: EZB erhöht Strafzins für Banken

Die EZB setzt die Strafzinsen für Banken hoch, wenn diese überschüssiges Geld bei ihr parken. Anlegern an den Kapitalmärkten geht das jedoch nicht weit genug - der Dax fällt, der Euro steigt hingegen steil an. Nun warten alle auf Draghis Pressekonferenz.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Strafzins für Bankeinlagen wie erwartet erhöht. Statt 0,2 Prozent müssen Banken künftig 0,3 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Das entschied der EZB-Rat in Frankfurt. Der Leitzins im Euroraum verharrt unterdessen auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Damit bleibt Zentralbankgeld für Geschäftsbanken extrem günstig. Anders als in den USA sind steigende Zinsen im Euroraum absehbar nicht in Sicht.

Mit dem negativen Einlagenzins wollen die Währungshüter die Kreditvergabe im Euroraum ankurbeln. Denn bislang kommt das viele billige Zentralbankgeld nicht im gewünschten Maß über Bankkredite bei Unternehmen und Verbrauchern an. Die Konjunktur im Euroraum erholt sich nur schleppend, die Inflation ist nach wie vor im Keller.

Euro und Dax reagieren deutlich

Zuletzt hatte die EZB den Zinssatz für die sogenannte Einlagefazilität im September 2014 auf minus 0,2 Prozent gesenkt. Die Strafgebühr ist umstritten. Ökonomen befürchten, dass Banken die Kosten auf ihre Kunden abwälzen könnten, statt mehr Kredite zu vergeben. Dadurch könnten Sparer, die bereits unter den Niedrigzinsen der EZB leiden, noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Zinsentscheidung der EZB kommt bei Anlegern nicht gut an. Der Dax gab seine Gewinne ab und notierte 0,4 Prozent tiefer bei 11.150 Punkten. Der Euro zog im Gegenzug um knapp einen US-Cent auf 1,0693 Dollar an. "Die Senkung des Einlagezinses um zehn Basispunkte ist eine klare Enttäuschung", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Im Markt war mit einer Senkung um 15 oder 20 Basispunkte gerechnet worden."

Warten auf Draghi

Die EZB kündigte in der Telefonkonferenz zudem weitere Mitteilungen von EZB-Präsident Mario Draghi zur Geldpolitik an. Das dürfte sich auf eine Verlängerung und/oder Erhöhung der Anleihekäufe der Zentralbank beziehen. Draghis Pressekonferenz beginnt gegen 14.30 Uhr.

Die Zentralbanken des Eurosystems kaufen seit März monatlich Anleihen für 60 Milliarden Euro. Volkswirte haben eine Aufstockung um 12 Milliarden prognostiziert.

Quelle: n-tv.de

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