Stützräder für StaatsanleihenEZB probiert es ohne
Auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise eilen die Hüter des Euro arg bedrängten Staaten mit einer Aufsehen erregenden Aktion zu Hilfe. Monate später scheinen sich die Wogen zu glätten. Offenbar hat die Europäische Zentralbank damit beginnen, sich so leise wie möglich aus dem Bond-Markt zurückzuziehen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr umstrittenes Staatsanleihen-Programm
drastisch zurückgefahren: Aktuellen Daten zufolge wickelte die EZB in der Vorwoche Bond-Käufe im Volumen von lediglich 9 Mio. Euro ab.
In der Woche zuvor hatte sie noch ein Kaufvolumen von 1,38 Mrd. Euro gestemmt. Seit Beginn des Programms im Frühjahr sind Ankäufe im Wert von rund 63,5
Mrd. Euro abgewickelt worden.
Die EZB hatte Anfang Mai auf dem Höhepunkt
der Schuldenkrise damit begonnen, Staatspapiere von Euro-Ländern zu erwerben. Mit der Aktion
stützt sie Schuldenstaaten wie Griechenland und Portugal. Die EZB wird auch diese
Woche die überschüssige Liquidität per Schnelltender aus dem Finanzsystem abschöpfen.
Nach dem Vorbild der Fed
Das Kaufprogramm ist wegen möglicher Nebenwirkungen innerhalb des EZB-Rats umstritten.
EZB-Ratsmitglied Yves Mersch sagte in einem Zeitungsinterview, die Europäische Zentralbank
stehe auch weiterhin "Gewehr bei Fuß", Euro-Staatsanleihen zu kaufen. Allerdings wünsche er sich künftig eine aktivere Rolle des umfassenden Euro-Rettungsfonds.
"Es ist eine durchaus berechtigte Frage, ob man dem Fonds nicht das Mandat
geben sollte, Staatsanleihen aufzukaufen", sagte der luxemburgische Notenbankchef
der "Financial Times Deutschland".