Verteidigung fordert FreispruchEx-IKB-Chef wartet auf's Urteil
Für Stefan Ortseifen wird der Mittwoch der Tag der Wahrheit. Der ehemalige IKB-Chef, der wegen mutmaßlicher Kursmanipulation angeklagt ist, könnte eine Bewährungsstrafe erhalten. Ortseifen bezeichnet sich als unschuldig.
Im Prozess gegen den früheren Chef der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB wegen mutmaßlicher Kursmanipulation hat die Verteidigung einen Freispruch gefordert. Stefan Ortseifen habe im Juli 2007 nach bestem Wissen gehandelt, sagte Anwalt Rainer Hamm in seinem gut zweistündigen Plädoyer. "Heute sind wir alle viel, viel schlauer".
Die Bundesfinanzaufsicht, Vorstände und auch Ratingagenturen hätten damals die Gefahren nicht erkannt. "Man sollte Herrn Ortseifen daher nicht den Vorwurf machen, dass er keine Panik gemacht hat". Ortseifen droht als erster deutscher Topbanker in Deutschland eine Verurteilung im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Das Urteil des Landgerichts Düsseldorf wird am Mittwoch erwartet.
Staatsanwalt Nils Bußee hatte Ortseifen Börsenkursmanipulation vorgeworfen und eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten gefordert sowie eine Geldauflage. Der frühere IKB-Chef habe die Lage des Geldhauses in einer Pressemitteilung vom 20. Juli 2007 stark geschönt und so Anleger wissentlich getäuscht. Eine Woche nach der Mitteilung stand die Bank am Abgrund.
Deutsche Bank beschuldigt
"Die Pressemitteilung war nicht nur richtig, sondern weit davon entfernt, irreführend zu sein", betonte Hamm. Auch Ortseifen selbst bat das Gericht um einen Freispruch. "Ich bin überzeugt, dass ich mich nicht strafbar gemacht habe", sagte der Manager. "Ich bedauere sehr, dass die IKB damals als erstes deutsches Institut in eine existenzbedrohende Krise gestürzt ist."
Während des Verfahrens hatte Ortseifen argumentiert, die IKB sei erst durch die Deutsche Bank in die Krise gerissen worden, weil diese am 27. Juli 2007 die Kreditlinien gekündigt und ihr damit irreparablen Schaden zugefügt habe. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann begründete den Schritt vor Gericht damit, dass die IKB damals trotz Aufforderung keine Auskunft über ihre Lage gegeben habe.
Richterin Brigitte Koppenhöfer hatte bereits im Mai gesagt, Ortseifen müsse nach einer vorläufigen Bewertung des Gerichts wegen Täuschung der Anleger mit einer "nicht unerheblichen Strafe" rechnen. Insgesamt kostete die Rettung des noch immer hohe Verluste schreibenden Instituts mehr als zehn Milliarden Euro - der Großteil entfiel auf den Bund und damit auf den Steuerzahler.